Ich gehe nur mal hierauf ein. Mehr Zeit habe ich jetzt nicht mehr
Werder Bremen erspielt sich wenig Chancen, weil es in dieser Saison, besonders nach der letzten Rückrunde darum geht, nicht vollends im Abstiegsstrudel zu versinken. Es geht darum Punkte zu holen und das um jeden Preis, denn wie verheerend ein Abstieg sein würde, weiß jeder.
In den ersten zwei Spielen habe wir Werder Bremen gesehen, wie es Fortuna Düsseldorf kopierte. Nachdem man das DFB-Pokalspiel mit Pauken und Trompeten verlor gegen einen Drittligisten, der jetzt am Ende der Tabelle in der dritten Liga spielt möchte ich an dieser Stelle nur mal erwähnen, dass an dieser Verunsicherung auch Robin Dutt seinen Anteil hatte und es wenig verwunderlich anmutete ein Werder Bremen in den ersten Spielen zu sehen, das in der Grundausrichtung um ein erhebliches defensiver agierte als Düsseldorf in seiner Zeit und es der individuellen Klasse einiger weniger offensiver Akteure möglich machten, diese Spiele zu gewinnen. Eine Stärke, die Robin Dutt in diesem Kader vorfindet, weil sein Vorgänger diese individuellen Stärken einzelner Spieler förderte und versucht hat, das maximale aus diesen Stärken rauszuholen, um aus einem Häufchen Elend doch noch in Nuancen nen Supermann rauszuholen. Bislang sehe ich diesen Vorteil immer noch zu wenig eingebunden und im Hochsicherheitsfußball und der Grundausrichtung total verkümmern. Dutt hat es mMn bislang nicht geschafft, diese Stärken in all ihren Facetten zu erfassen und klug und clever in sein Konzept (sofern eines vorhanden ist, vielmehr wirkt es wie ein "Try an Errorverfahren") so einzubinden, dass die Mannschaft an ihre Grenzen der Möglichkeiten geführt wird. Wenn es also darum geht, Punkte um jeden Preis zu holen, so wird dies nicht mit der Grundeinstellung Cottbus möglich werden, sondern über ein Konzept, dass die Stärken der Spieler so einfließen lässt, dass das Maximum an Leistungsstärke erreicht wird und nicht, indem man diese laufend ausbremst - wie gg. Nürnberg geschehen -.
Wenn man eine Mannschaft vorfindet, die jeglichen Glauben an die eigene Stärke verloren hat, die nicht mehr weiß, wie sich Siege anfühlen, dann gehts darum zu Punkten. Genau das hat man zu Saisonbeginn gemacht. Und Dutt hat den großen Fehler gemacht, sich von Außen beeinflussen zu lassen und zu schnell offensiv spielen zu wollen. Diese Mannschaft kann aber nicht offensiv spielen ohne defensiv völlg zu versagen. Also muss es den Schritt wieder zurückgehen.
Das ist mir zu einfach in der Herleitung und Erklärung. Die Offensive musste belebt werden, weil man sich ansonsten der Gefahr aussetzt keine eigenen Chancen kreieren zu können, keine Gefahr für den Gegner zu entwickeln und durch einen blöden Standard oder das Verursachen eines dümmlichen Elfmeters zu verlieren, weil, wenn man stumpf an diesem Mauerkonzept festhält ist das Team nicht in der Lage zurückzukommen. Damit würde man dem Team jeglichen Schneid abkaufen und auch noch die letzte Selbstachtung verlieren, weil man dann in der Gewissheit spielen würde, keine Chance mehr zu haben und man dann sich irgendwann total in einer Negativschleife befinden würde, weil man dann nur noch auf Fehlervermeidung zu achten hätte. Von Spielfreude will ich da mal garnicht erst anfangen und Motivation wäre dann auch etwas, was deftig leiden würde. Das kann keinem Profi auf der Welt wirklich Spaß machen.
Das man bei der Belebung der Offensiv zu offensiv vorging, die Balance ein wenig verlor und über keinen Spieler verfügt, der den Takt vorgeben kann, der das Tempo der eigenen Mannschaft bestimmt, ohne dass diese in Lethargie oder in einen Spielrausch verfällt ist ein Problem, was man schon sehr lange in Bremen hat und vielleicht musste Robin Dutt dieses Problem in seinen Ausmaßen auch erstmal in Erfahrung bringen (Try and Error) aber dass das grundsätzlich ein falscher Ansatz war wage ich zu bezweifeln. Jetzt kann man sich mMn eher darüber freuen, dass Dutt vieles in Erfahrung gebracht hat und kann auch vielleicht darauf hoffen, dass Dutt jetzt Hebel gefunden hat, wie er das von aussen steuern kann, aber solange es nicht möglich ist, Offensiv zu spielen ohne die Defensive zu vernachlässigen, werden wir immer zwischen Hoffen und Bangen tendieren, weil solange kein kontrolliertes Spiel möglich sein wird, sei es mit oder ohne Ball und das wäre nach den Erfahrungen der Hinserie kein gutes Zeichen, dann hätte Dutt aus den Erfarhungen nicht gelernt und es würde weiter keine Weiterentwicklung geben.
Und daher hat die Chancenarmut vielerlei Gründe, die weitestgehend auf der Ausgangslage dieser Saison basieren.
Ja, die Ausgangslage der Saison hat da sehr wohl mit zu tun. Da gebe ich Dir in soweit Recht, weil wir einen neuen Trainer haben und zu Saisonbeginn damit konfrontiert wurden, welche Reibungsverluste ein solcher Wechsel mitsich bringt und da würde ich jetzt nicht auf den schlechten Kader verweisen sondern auf die fehlende oder noch nicht ausreichende Kenntnis des Coaches über die Persönlichkeiten auf dem Platz und der Chemie auf dem Platz, die Dutt erst langsam in Erfahrung brachte und mMn die gesamte Hinserie brauchte, um gewisse "Dinge" in Erfahrung zu bringen und dieser Prozess scheint noch lange nicht abgeschlossen zu sein, wie mir dünkt.
Das Dutt genügend Fehler gemacht hat, steht auch außer Frage. Aber gerade auch der hier immer gelobte Favre stand mit seinem Team zunächst nur hinten drin und hat auf 2,3 Konter im Spiel gelauert.
Und überhaupt kann ich den Schrei nach mehr Chancen und Spektakel nicht verstehen. Ein defensiv stabile Mannschaft, die ökonomisch und effektiv nach vorne spielt, wäre mir aktuell zehn mal lieber.
Es geht nicht um Spektakel aber es geht um Chancen und wenn Du von einer ökonomisch effektiven Spielausrichtung sprichst, muss ich sagen, dass ich diese in der gesamten Hinserie nur einmal gesehen habe und zwar gegen Bayer 04 und das auch nur, weil Hypiä nicht erkannte, wie er den Riegel knacken kann. Wenn wir ein öknomisch effektives Spiel von Werder Bremen sehen würden, würde auch ich mich freuen, nur sehe ich es nicht. Werder Bremen hat sich in dieser Saison mehr einen zurechtgeholzt, denn in irgendeiner Art und Weise ökonomisch effektiv gespielt. Ich würde es sehr begrüßen, einen solchen kontrollierten Spielstil zu sehen, keine Frage. Gesehen habe ich diesen unter Dutt eher nur in Ausnahmefällen.
Und nochmal: es geht nicht darum TS zu kritisieren, wenn man die schlechte Ausgangslage anführt. Über die SChuldfrage sind wir hinaus. Das wurde hier schon bis zum Erbrechen geführt. Es geht einfach immer wieder darum, sich klarzumachen, wo wir herkommen in dieser Saison. Und da macht man es sich einfach viel zu leicht, wenn man irgendwelche Statistiken bezüglich Passquote und Chancen herauskramt und dann einfach nur draufhaut, ohne die Bedinungen zu berücksichtigen.
Da möchte ich Dir widersprechen, weil die Statistiken sehr wohl etwas über die Spielkultur aussagen und die Stats sind mit einer Aussage wie "ökonomisch effektiv" nicht in Einklang zu bringen, weil Werder Bremen mehr dem Ball unkontrolliert hinterherrennt, denn Raum oder Ball zu kontrollieren. Vielleicht sagen die Stats nach dieser Saison etwas anderes aus. Ich würde mich freuen. Aktuell sieht das anders aus. Werder kontrolliert nicht Raum oder Ball sondern verteidigt oftmals sehr plan- und kopflos, ist nicht fähig Druck zu absorbieren und drischt den Ball oftmals hoch lang und weit raus, ohne dass im Sturm oder OM ein Spieler ist, der die Eigenschaften verkörpert, einen solchen Ball zu kontrollieren. Kontrolle ist etwas, was ich derzeit nicht mit Werder Bremen verbinde, aber Kontrolle ist etwas, was ich mit ökonomisch effektiv verbinde.
Und ich verstehe auch die Aussagen nicht: ich messe Dutt nur an der Arbeit seit Saisonbeginn und die Entwicklung ist schlecht. Ja woher soll sie denn kommen? Wie soll Dutt die Spieler plötzlich besser machen, die ein guter Trainer wie TS auch nicht besser gemacht hat ?
Die Entwicklung ist Aufgabe von Robin Dutt. Er analysiert die Fähigkeiten der Spieler, sagt, wie gespielt werden soll, prägt die Grundausrichtung, kitzelt das Maximum der Spielstärke heraus, lässt Bälle lang nach Vorne spielen, lässt offensiv oder defensiv spielen, bstimmt, wer auf dem Platz den Takt schwingt, bennent jemanden zum Abwehrchef etc.
Dutt entwickelt die Mannschaft und bislang gibt es da leider nur in Nuancen was positives zu berichten. Es würde mich freuen, wenn sich das in der Rückrunde anders darstellen würde.
Den Trainer hat man gewechselt, weil man Dutt vertraute eine solche Entwicklung vorzunehmen, weil man Aufbrauchstimmung verbreiten wollte, weil man ein Positives Zeichen setzen wollte. Solangsam muss da mal was kommen, finde ich.
Das braucht Zeit und geht nur aus einer Kombination von harter Arbeit auf dem Trainingsplatz und dem Transfermarkt.
Solangsam müsste Dutt mE nen klaren Plan davon haben, was geht und was nicht geht. Ich lass mich überraschen, wo er die Grenzen ausgelotet hat und wie Werder Bremen in der Rückrunde auftreten wird.