Ich zitiere mich mal selbst, um meinen Beitrag von Seite 344. in diesem Thread um drei weitere Kritikpunkte zu ergänzen, die mir im Laufe des gestrigen Tages in den Sinn kamen:
1. Schon unter Schaaf war eine gewisse Konzentrationsschwäche unserer Spieler zu bewundern bzw. zu erkennen. Diese Konzentrationsschwäche konnte auch Dutt bis hierhin nicht abstelllen und sie zieht sich bis hierhin über weite Strecken der Saison. Die angesprochene Schwäche bezüglich der Konzentrationsfähigkeit ist allerdings in meinen Augen nicht nur individuell zu erkennen, sondern mittlerweile auch im Kollektiv. In der vergangenen Spielzeit ist es oftmals so gewesen, dass sich einzelne Spieler grobe Fehler in Form von Fehlpässen oder derartigem geleistet haben, was uns dann letztlich oftmals ins Hintertreffen brachte. Vor allem Lukimya fällt mir diesbezüglich -ohne ihm zu nahe treten und ohne ihn als alleinigen Sündenbock darstellen zu wollen- ein. In dieser Saison halten sich die individuellen Fehler im Vergleich zur letzten Spielzeit ungefähr die Waage, haben sich vielleicht sogar etwas reduziert. Dafür mache ich nun deutlich mehr Konzentrationsfehler im Kollektiv aus:
Besonders deutlichen sind diese kollektiven Konzentrationsfehler in der Anfangsphase einer Partie oder auch zu Beginn der zweiten Hälfte. Werder ist gefühlt -ich habe keine Lust, eine Statistik diesbezüglich herauszusuchen- eine der Mannschaften, die in den ersten 20. Minuten einer Partie die meisten Gegentreffer hinnehmen muss, meist klingelt es sogar doppelt. Dies hat natürlich die Ursache, dass die Spieler noch nicht wirklich wach sind, wenn die Begegnung beginnt, vor allem aber hat es die Folge, dass Werder das eigentlich angedachte eigene Spiel gar nicht erst aufbauen kann, weil das gesamte Konzept in der Regel durch frühe Gegentreffer über den Haufen gewurfen werden muss. Auch zu Beginn der zweiten Hälfte ist dieses Phänomen oftmals zu beobachten, so auch am vergangenen Freitag beim Spiel bei der HERTHA in Berlin, wo bereits in der 48. Minute ein weiterer Gegentreffer fiel. Ausgeprägt ist dieses Phänomen außerdem inmitten der zweiten Halbzeit, wenn das Spiel bis dahin zu Werders Gunsten verläuft -das war auf Schalke zu beobachten- und nach eigener Führung, worauf man sich dann oftmals zu sicher zu fühlen scheint, einen Gang im Kollektiv runterschaltet und dann -wie am Freitag in Berlin, als Selassie den Berliner Spieler unmittelbar nach der Führung im Strafraum foulte- promt ein Gegentor kassiert.
Für diese Schlafmützigkeit nach einem Gegentor mache ich by the way die s.g. Führungsspieler verantwortlich, deren Aufgabe es eigentlich sein sollte, das Übrige Team zu konzentriertem Spiel zu bewegen. Auch bezüglich dieser genannten Führungsspieler auf dem Platz mache ich Dutt übrigens einen Vorwurf, denn der Kapitän Fritz ist längst über seinen Zenit hinaus, bringt selbst keine zufriedenstellenden Leistungen, soll seine Mitspieler aber zu guten Leistungen bewegen? Das passt was nicht. Auch Makiadi als Führungsspieler auszuwählen halte ich für fehlerhaft, da er sich als Neuzugang selbst erst zu beweisen hat, gerade, wo Werder seine erste große Station im Profifußball ist und dass Hunt mit einer solchen Last nur schwierig umgehen kann, war allgemein bekannt.
2. Ein altbekanntes Problem: das Umschaltspiel. Problem im Umschalten waren ebenfalls unter Schaaf zu erkennen, schienen durch Dutts defensive Ausrichtung -besonders die Partie auf Schalke ist mir hier positiv in Erinnerung geblieben und ich würde dieses Spiel schon nahezu als beste Saisonleistung Werders bezeichnen, trotz der Niederlage- beseitigt. Auf Grund der nun aber vollkommen anders ausgerichteten Spielweise sind sie wieder einmal zu beobachten. Werder verliert, gerade in der eigenen Vorwärtsbewegung, ungemein viele Bälle. Die Mittelfeldspieler bewegen sich oftmals völlig falsch -der Kroos Ausfall fällt hier besonders stark ins Gewicht-, schaffen keine Freiräume und bieten somit nicht genügend Anspielstationen. Nur selten ist eine Dreiecksbildung zu beobachten, sprich nur selten hat der ballführende Spieler tatsächlich zwei oder mehr Anspielstationen vor sich. Die Folge daraus ist oftmals, dass die Bälle lang und unkontrolliert nach vorne geschlagen werden, sodass in der Offensive auf ein Zufallsprodukt zu warten ist, worunter in meinen Augen vor allem di Santo zu leiden hat. Eine andere Folge ist, dass die Spieler, die das Aufbauspiel durchführen sollen, also oftmals die Innenverteidiger, das Risikospiel suchen, die Bälle aber in den Füßen der Gegner landen und diese Werder dann zeigen, wie man tatsächlich lehrbuchmäßig umschaltet. Vor allem Lukimya hat hier große Probleme. Dieses Problem im Spielaufbau ist natürlich unterschiedlich ausgeprägt zu beobachten, da es auch von der Ausrichtung des jeweiligen Gegners abhängt. Aktuell praktizieren allerdings einige Teams das s.g. Pressing, was bei Werder zu verschärften Problemen führt.
3. Die Auswechslungen. Häufig ist mMn zu beobachten, dass Dutt hier die völlig falschen Entscheidungen trifft. Auch hier soll mir das Spiel von Freitag als Beispiel dienen. Ersteinmal ist es mir unbegreiflich, warum die Wechseloptionen nicht vollständig ausgeschöpft werden, zum anderen ist mir nicht klar, warum man bei einem Rückstand gegen ein defensivstarkes Team in Persona Ekici einen Spieler bringt, dessen beste Eigenschaft es wohl ist, das Spiel zu beruhigen und das Tempo herauszunehmen. Hier wären Spieler, die überhaupt ersteinmal Tempo aufkommen lassen, wie Yildirim bspw. doch angebrachter.