Ich finde es immer etwas seltsam wenn Leute von aussen Werder auffordern Geld in die Hand zu nehmen, was scheinbar gar nicht da ist.
Es geht hier um eine Grundsatzentscheidung: Hält man am Dogma des soliden, absolut schuldenfreien Wirtschaften fest oder geht man ins Risiko. Für beides gibt es pro und contra Argumente, ich möchte diese Entscheidung nicht treffen müssen.
Es sieht aber nunmal so aus, dass wir mit dem bestehenden Kader gegen den Abstieg spielen werden, das könnte dann in die Hose gehen. Selbst wenn man knapp drin bleibt, finden wir langfristig dann nur aus der Krise, wenn die Spieler einen derzeit nicht zu erwartenden Entwicklungsschub nehmen oder wenn wir ein paar echte Transferschnäppchen machen, die sich als Glücksgriffe herausstellen - beides nicht sehr wahrscheinlich. Angesichts dessen würde es sinnvoll erscheinen, tatsächlich stärker ins Risiko zu gehen und zu versuchen, diese Entwicklung kurzfristiger abzuwehren. Das birgt natürlich die Gefahr, dass der aufgeblähte Kader noch breiter wird und die Spieler nicht einschlagen - und die Angst davor ist durchaus berechtigt.
Die Krux an der Sache lässt sich ja ganz einfach benennen und ist hier auch allen bewusst: wir haben kein Geld, um Spieler zu verpflichten, die uns mit einigermaßen Sicherheit sofort weiterbringen. Möglich sind lediglich Transfers a la Akpala, Avdic und Co. Und die können wir uns eigentlich erst recht nicht leisten, da die Folgen bei einem "Nichteinschlagen" fatal wären. Die Situation ist in der Tat recht aussichtslos.
Und -ich glaube viele vergessen das manchmal- was mir richtig Sorgen macht: das erste Mal seit Jahren haben wir keinen Spieler im Kader, den wir ggf. am Ende der Saison zu Geld machen können. Wir haben jahrelang ein gewisses Ruhepolster gehabt, da wir wenn es sein musste, einen Diego, einen Özil, einen Marin, einen Merte etc. verkaufen und somit ein Minus ausgleichen konnten. Daran hat man sich fast schon gewöhnt. Mit Sokratis ist jetzt jedoch der letzte dieser Spieler verkauft, danach kommt niemand mehr, nachdem sich andere Vereine die Finger schlecken....und das könnte noch zu einem echten Problem werden, weil wir dadurch quasi zum Erfolg verdammt sind.
Wie es soweit gekommen ist, darüber kann man lang und breit diskutieren, meine persönliche Meinung ist, dass man in der Vergangenheit tatsächlich zu wenig Risiko gegangen ist. Man hat zwar hohe Ablösen bezahlt, allerdings lediglich für Spieler, die für wenig Gehalt gespielt haben. Das war immer so ein Halbbekenntnis zum plötzlichen Erfolg. Sicher nicht ganz unvernünftig, wenn man unsere wirtschaftliche Infrastruktur betrachtet, aber halt auch kein Weg, mit dem man sich langfristig oben etabliert. Viele sagen ja, Werder kann langfristig nicht oben mitspielen, die Rahmenbedingungen seien einfach nicht gut genug. Ich sage, wir hätten das gekonnt, wenn wir etwas mutiger gewesen wären...aber das ist eine andere Diskussion.
Fakt ist, dass wir gefangen sind, zwischen dringend benötigten Verstärkungen und dem Wissen darüber, dass die Verstärkungen, die wir uns leisten können, eine nicht geringe Chance haben, sich als Flops herauszustellen. Aus diesem Fiasko können wir nur durch ein, zwei echte Glücksgriffe kommen...und ich fürchte, alles was uns bleibt, ist auf eben jene zu hoffen....