Schaaf-Kritiker werden sich durch die überraschend offenen Worte des 51-Jährigen bestätigt fühlen. Sie werden ihm nachsagen, dass er verzweifelt ist, nicht mehr weiter weiß und die Mannschaft nicht mehr erreicht. Doch davon fühlt sich Thomas Schaaf ganz weit entfernt. Er hat nur ausnahmsweise mal darüber gesprochen, wie es einem (Fußball-)Lehrer mit einer schwierigen Klasse ergehen kann. Man muss leider immer wieder die Dinge benennen, die wiederholt nicht aufgezeigt wurden. Genau das tun wir, sagte Schaaf und erklärte: Wir sind unzufrieden damit, dass wir nicht immer 60, 70 oder 80 Prozent unseres Leistungsvermögens aufbieten. Das ist ja auch die Kunst. Bayern schafft zurzeit 90 Prozent, dafür gibt es aber auch Gründe.
Sie blieben vom Coach unerwähnt, weil er nach den letzten Auftritten der Bayern davon ausgehen muss, dass sie jeder kennt: Der Rekordmeister hat den besten Kader in Deutschland, vielleicht sogar in Europa und die Bremer unlängst mit 6:1 aus der Arena geschossen.
Werders Hin- und Herspringen zwischen Berg und Tal, wie Schaaf den Saisonverlauf beschrieb, habe ebenfalls seine Gründe. Sie blieben vom Coach genauso unerwähnt, weil er sie schon so oft genannt hat, dass daraus längst der Ohrwurm mit dem Refrain Jung und unerfahren im Umbruch geworden ist. Schaaf berichtete lieber, dass man die Dinge anpackt, die man anpacken sollte. Die Spieler hätten sich nach der Klatsche in München deutliche Kritik anhören müssen: Und wir haben ihnen mit auf den Weg geben, wie sie die Dinge im Training und am Wochenende im Spiel anstellen sollen.
Am Mittwoch gab es deshalb im Besprechungsraum eine umfangreiche Videoanalyse, gestern auf dem Platz klare Anweisungen für die A-Elf via Taktiktafel vom Cheftrainer höchstpersönlich. Was er danach sah, wird dem Ex-Profi nicht gefallen haben. Die vermeintliche Startformation für das Augsburg-Spiel mit Aleksandar Ignjovski als rechten Verteidiger für den zuletzt enttäuschenden Theodor Gebre Selassie sowie Mehmet Ekici als Linksaußen verlor sang- und klanglos mit 0:4. Die Wiederholungstäter hatten zugeschlagen und ihren Chef damit sogar bestätigt. Das eine ist das Reden, das andere ist die Handlung. Dass das nicht immer überein geht, da brauchen wir uns alle nur an die eigene Nase zu fassen, hatte Schaaf den Journalisten am Nachmittag erklärt.
Schaaf will sich aber nicht entmutigen lassen. Er kennt das schon, das sei nun einmal ein Entwicklungsprozess. Wir Trainer sind sicher am ungeduldigsten. Wir erleben das ja Tag für Tag und nicht nur bei den Spielen. Wir geben trotzdem nicht auf , wir gehen unseren Weg, stellte Schaaf klar und machte sich, seinem Team sowie den Fans Mut: Wir haben immer noch große Hoffnung, dass sich diese Mannschaft entwickeln wird. · kni/csa