J
Jarvis
Guest
Da kann man geteilter Meinung sein. Wenn ich am anderen Ende des Prozesses sitze, und zwar als Literaturstudent, moechte ich in erster Linie vor allem, dass die Uebersetzung so nahe am Original ist wie moeglich, wobei ich mich sowieso nur im aeussersten Notfall auf eine Uebersetzung verlassen sollte, sonst interpretiere ich zur Haelfte dein Werk und zur Haelfte das vom Autor.![]()
Als Autor würde ich mir auch verbitten, dass ein Übersetzer - so gut gemeint das auch immer sein mag - für sich beansprucht, mein Werk verbessern zu wollen. Wenn der Übersetzer meint, dass er die Gedanken besser ausdrücken oder die Geschichte besser erzählen kann, dann soll er gefälligst seine eigene Geschichte schreiben...
Eine Übersetzung ist immer eine Interpretation, da kannst du nichts dran ändern, es sei denn du setzt dich während des Übersetzungsprozesses deines Textes direkt daneben und sagst demjenigen wie was gemacht werden muss, und zwar 24/7. Da wird dich aber jeder aus dem Raum schmeißen über kurz oder lang. Und in der Realität passiert das auch höchstens in den seltensten Fällen. Klar will man als Literaturautor, dass so nahe wie möglich übersetzt wird, möglichst der Stil äquivalent und die Handlung haargenau gleich ist. Das geht aber häufig nicht. Ich erinnere da an Dialekte, Worte, die es in der anderen Sprache nicht gibt, oder je nach Kultur gewisse Teile der Handlung nicht einfach übernommen werden können. Als Übersetzer reicht es eben nicht, wenn man die Sprache der anderen beherrscht, man muss auch u.a. ein Gefühl für Kultur- und Sprachunterschiede haben.
Die beste Übersetzung kommt ohnehin nur dann zustande, wenn der Übersetzer mit dem Autor im ständigen Kontakt steht, damit Handlungsfehler erst gar nicht passieren und damit eben so gut wie möglich übersetzt werden kann. Da muss man interpretieren und das tut man ohnehin automatisch. Wie gesagt, ist jede Übersetzung eine Interpretation, genauso wie jede Verfilmung eine Interpretation ist. Das fängt schon mit den Übersetzungen der Bibel an. Du hast das Wort "Tag" ganz am Anfang: "Gott schuf die Welt in 7 Tagen." Dabei hast du im Hebräischen nicht zwangsweise das Wort "Tag", denn das Hebräische Wort für Tag kann genauso gut "eine unbestimmte Zeiteinheit" heißen. Wir alle sind von Interpretationen umgeben. Als Geschichtsstudent wird man z.b. angehalten, originale Quellen auf Latein zu lesen, damit man nicht durch eine womögliche falsche Interpretation in einer Übersetzung auf die falsche Fährte geführt wird. Wenn man also Eragon auf deutsch liest, ist das tatsächlich so, dass man eben auch die Interpretation des Übersetzungstexts erhält. Das wirkt sich natürlich mal deutlich, mal weniger deutlich aus, aber sie ist so gut wie immer vorhanden.