Was hat die Körpersprache damit zu tun, dass die Spanier bis zur Verlängerung extrem selten zum Abschluss oder auch nur in die Nähe des Strafraums kamen?
Mit dem Auftreten der Spanier hat es evtl zu tun, dass man , vielleicht anders als bei den Griechen oder Engländern, Einsatz oder Wille absprechen könnte. Ich gucke mir gleich vielleicht nochmal die Wiederholung an, aber mein Eindruck ist eigentlich, dass die Tatsache, dass die Spanier Probleme hatten und selten zum Abschluß kamen
a) mit ihrer eher abwartenden, tendenziell defensiven Strategie zu tun hat, besonders bei diesem Turnier, aber auch 2010 und 2008 hat Spanien meiner Erinnerung nach selten ein Feuerwerk an Torchancen abgebrannt. Dazu kommt, dass man an der Rotation der Spanier im Sturm sieht, dass sie selbst dieses Mal nicht diese natürliche Selbstveständlichkeit haben, ihren Gegner zu dominieren und daraus auch Kapital zu schlagen0
b) damit, dass man bei dieser EM das eine oder andere Mal sehen konnte, wie man dem spanischen Ballbesitz-Spiel beikommen kann und Portugal lange Zeit fast perfekt gezeigt hat, wie man dem spanischen Spiel beikommt.
Und c) hat jede Mannschaft bessere und schlechtere Tage und ich denke, das war heute einer, wo es besonders schwer war für Spanien.
Also sprichst du ihnen die fußballerischen Fähigkeiten ab, mit der Situation umzugehen?
Nunja, Spanien ist ja nicht unbesiegbar und keine perfekte Mannschaft. Mit nicht optimaler Tagesform und einem Gegner, der perfekt auf das eigene Spiel eingestellt ist und anfangs auch noch Nadelstiche setzt, sodass man immer aufpassen muss, kein Gegentor zu bekommen, dazu einem Ronaldo, der brandgefährlich ist und allein ein Spiel entscheiden kann, kann es schonmal vorkommen dass ein Spiel nicht perfekt läuft.
Wenn du aus der Tatsache, dass Spanien das Spiel selten dominiert hat und es sehr zerfahren war, schließen willst, dass Spanien überfordert war, ok. Aber letztlich hat Spanien auch wenig zugelassen, Ronaldo neutralisiert und ist zum Ende stark aufgekommen und hatte große Chancen zum Sieg. Insofern wäre ich vorsichtig. Der Finaleinzug heute war glücklich. Aber unverdient war er nicht.
Darf ich dem entnehmen, dass du die Spanier ebenfalls schwächer einschätzt als bei den beiden vorangegangenen Turnieren?
Zumindest scheint es so, dass das Tiki-Taka Spiel nicht so perfekt funktioniert. Aber auch 2008 und 2010 sind die Spanier nicht durch das Turnier spaziert, 2010 haben sie gegen die Schweiz verloren und in der KO Runde jedes Mal 1:0 gewonnen.
Udn vor allem ist es ja kein Wunder, wenn sich irgendwann die Gegner mal ernsthafte Gedanken machen, wie man den Spaniern begegnen kann. Und Italien, Kroatien und Portugal haben das gut gemacht und sich ein Unentschieden verdient und hatten auch Siegchancen. Die Spanier haben vor paar Jahren eine ziemlich neue Art des Spiels eingeführt, die vielleicht dabei ist, ihren Zenit zu überschreiten, auch und vor allem, weil sich die Gegner darauf einstellen und irgendwann Gegenmittel finden.
Im Finale wäre Deutschland daher schon Favorit. Denn so defensiv wie 2010 wird die deutsche Mannschaft nicht mehr auftreten und dem Gegner die Rolle des Chefs im Ring überlassen. Und das ist eine der Voraussetzungen dafür, dass das spanische Spiel funktioniert.
MFG dkbs