Natürlich sind ausufernde Negativ-Postings hinsichtlich Klaus Allofs Arbeit sicherlich nicht in jeder Form berechtigt, jedoch sollte man diese auch nicht völlig kritikfrei betrachten. Denn Fehler wurden in den letzten 18 Monaten defintiv viele begangen, die man nicht einfach nur mit einer Pechsträhne, Zufall oder Schicksal mal eben abtun kann. Seit 18 Monaten tut sich Werder Bremen verdammt schwer auf dem internationalen aber auch auf dem nationalen Transfermarkt Neuzugänge zu bekommen. Natürlich ist es nicht einfacher geworden, da immer mehr Vereine über Privatinvestoren oder andersweitige Einkünfte verfügen, und es Werder dadurch zunehmend erschweren, an interessantes Personal zu kommen. Es ist nachzuvollziehen, dass ab einem gewissen Level auch einfach die Luft dünn wird für einen Klub wie Werder Bremen, und man an gewisse Grenzen stösst, die schier unüberwindbar sind.
Die einzigen Erklärungen können das aber definitiv nicht sein. Bei Werder, so habe ich zumindest den Eindruck, hat man sich eine relativ bequeme Position geschaffen. Man konnte es sich bisher immer erlauben, vor der Saison vollmundig die deutsche Meisterschaft als zumindest realisierbaren Wunschtraum auszugeben, da die nationale Konkurrenz meist nicht gut genug gearbeitetet hat, um uns zumindest das "Trostflaster" CL abspenstig zu machen. Der Anhang wurde also zufriedengestellt, und man war nicht wirklich wütend darüber nicht Meister geworden zu sein, da die recht konservativ zusammengestellte Truppe ja im Prinzip ihren Job leistete.
Anders verhielt es sich auch nicht auf dem TM. Wenn mal wieder ein Wunschkandidat absagte, konnte man sich bequem in seine Nische zurückziehen, und behaupten "wir haben nun einmal kein Geld, der Markt gibt nicht viel her, und die Konkurrenz ist zu groß für uns". Die Fans konnten damit leben, weil Allofs ja irgendwen dafür verpflichtete, der schon halbwegs seine Leistung bringen würde, durch die man ja irgendwie wieder die CL erreichen würde. Bestes Beispiel sind Transfers wie Rosenberg, Sanogo, Almeida, Boenisch, etc. die alle ordentlich waren und auch nachwievor sind, aber zu schwankend in ihren Leistungsvermögen sind und von denen man nicht erwarten kann, dass sie jedes Jahr für uns den Uefa-Cup, geschweige denn die CL klarmachen.
Und da besteht jetzt das Problem: Werder steht zum ersten mal seit knapp 5 Jahren wieder auf einem Tablellenplatz, der nicht zur europäischen Teilnahme berechtigen würde, auch wegen des nicht unbedingt ausreichenden Potentials gewisser Spieler. Die Transferpoiltik, die viele Jahre erfolgreich war, hat sich nicht weiterentwickelt und man stagniert. Selbst will man aber von den Zielen nicht abrücken und beharrt weiter fest auf seinen Ziele, auch wenn unter Umständen ein Umdenken sinnvoller wäre.
Man kann nicht einerseits Jahr für Jahr den internationalen Wettbewerb (und Uefa-Cup muss zumindest unser Minimalziel bleiben) als Ziel ausgeben, durch zaghafte und zurückhaltende Transferpolitik gefährden, und dann erwarten, dass man als Anhänger mit weniger zufrieden sein soll.
Ich habe durchaus Vertrauen in Klaus Allofs und er bekommt auch bis zum 31.01. Zeit die vorhandenen Schwachstellen zu beseitigen. Nur muss dies bis dahin auch geschehen sein. Wir können es uns nicht erlauben bis zum Sommer zu warten, wo man dann wieder festellt, dass die Konkurrenz dann auch wieder zu groß und zu reich ist, und wieder nichts machen. Wir steuern unaufhaltsam in einen Teufelskreis rein, den man nur überwinden kann, wenn man sich selber einen Ruck bei Werder gibt, und eben mal vereinsuntypisch etwas Risiko geht.