5 Spiele, bei denen man eindeutig bemerkte, dass der Trainer die Mannschaft anders eingestellt hatte und dass taktisch bestimmte Dinge getan wurden, die es so vorige Saison nicht zu bewundern gab (ich will hier nicht so in die Einzelheiten gehen, Du weißt was ich meine und sonst wird mein Beitrag zu lang) reichen mir persönlich schon, um einen eindeutigen Trend zu erkennen: Nämlich den, das der Trainer die Situation und die Mannschaft besser im Griff hat und die Mannschaft mehr und besser das tut, was der Trainer will.
Sollte sich die Mannschaft in der Art weiterentwickeln, wie ich es vermute und erhoffe, sehe ich gerade heute keinen Anlass dazu, diese Diskussion weiter zu führen. Heute sollten wir den Status Quo genießen, .....

Vielleicht ist es aber gerade sinnvoll, den Trend mal anhand von Einzelheiten zu beschreiben. Denn das, was Karlotto und Sofatester anmerken, wirkt tatsächlich wie ein nie erwarteter Wandlungsprozeß unseres besten Mannes. Ich glaube, der Trainer hat derzeit einen grossen Anteil an den Ergebnissen und vor allem, WIE die Spiele laufen. Es sind insbesondere 4 Punkte, die augenscheinlich auffallen.
Erstens hat Schaaf im Mittelfeld eine Mischung gefunden, wo vier lauf- und 3,5 kampfstarke Spieler ihren Dienst verrichten. Vorne arbeiten zudem beide Stürmer stetig gut mit (sogar Rosenberg hat das getan oder sagen wir versucht, als er spielte, eigentlich ungewöhnlich für ihn). Fritz und Bargfrede fehlt es zwar mit Ball an Spielverständnis und Blick für Räume, aber ohne und gegen den Ball sind sie derzeit im Mf nicht wegzudenken. Auch weil die Laufwege effizient sind, das sind keine Boro- oder Wesley-Laufwege.
Hunt ist momentan der eigentliche Strippenzieher. Arbeitet konsequent nach hinten, stellt die Lücken zu, in Ballbesitz mit baumannartigen klugen Pässen, Spielverlagerungen und Beschleunigungen. Aaron bindet unser Offensivspiel in der Umschaltbewegung, meist kommt zudem von ihm der blitzgescheite Ball in die Spitze oder auf die richtige Seite, wo dann Marin und Pizarro viele Ideen, aber auch aufgrund hoher Präsenz und Anspielbarkeit mindestens der halben Mannschaft die Möglichkeiten haben, diese umzusetzen.
Früher hat Schaaf, wenn es irgendwie ging, lieber überwiegend Spieler aufgeboten, die für das Besondere stehen (aber den einfachen Fussball kaum können). Das ist heuer anders, vor allem stimmt die Mischung. Schaaf macht diesmal anders als üblich
den ersten Schritt vor dem zweiten und sorgt dadurch für Stabilität, über die sich die Truppe Selbstvertrauen holt.
Lerneffekt Teil 1.
Zweitens scheint er nun doch noch die uralte Werder-Schwäche anzugehen - die AV`s stehen plötzlich (wie es immer sein sollte) merklich höher im Trapez, also viel seltener auf einer Höhe mit den IV`s, als es jahrelang üblich war. Vorteile: die Rauten-HP`s müssen nicht mehr einen zu grossen Raum beackern, bspw. ist nun öfter zu sehen, dass Fritz & Co. einen kürzeren Weg haben, um unterstützen zu können und so eben z. Bsp. effektiver doppeln können. Umgekehrt gilt das Gleiche für die AV`s. Die
Raumaufteilung und Raumbeherrschung ist besser geworden. Also auf die Weise, wo früher kontinuierlich Halbpositionsspieler und vor allem AV´s verheizt wurden, wurde jetzt den Sokratis, Schmitz oder Ignjovski der Einstand erleichtert.
Lerneffekt Teil 2.
Drittens sehen wir viel mehr als gewohnt eine strategisch klügere Vorgehensweise. Beispiel zum einen: Schon in den ersten 10 Minuten des Hamburg-Spiels Prödl gegen Guerrero, Sokratis aussen gegen Aogo, beides grenzwertig, aber eben wichtige Fouls, die die Vorbereitung einer Torchance, was der Raum durchaus hergab, bereits im Keim erstickten, (es kommt zum Freistoß, jedoch weiter weg vom Tor, was Zeit bringt). Unkonventionelle Mittel in notwendiger Häufigkeit, die TS früher immer gerne verschmäht hat. So wird der Gegner auf Normaltemperatur gehalten.
Dann die selten gekannte
Geduld und Ruhe, die die Truppe mittlerweile immer öfter aufbringt, das hat das Flair einer Spitzenmannschaft. So werden ohne jede Hektik und Übereifer Ordnung und Abstände gehalten, der Gegner ausgelotet und somit irgendwann im Spielverlauf eine Überlegenheit erzielt, die sich dann auch in Form des Ergebnisses niederschlägt. es ist kein Zufall, dass Werder in Hoffenheim sowie gegen den HSV jeweils in der zweiten Halbzeit die klar bessere Elf war, gleichzeitig ohne noch viel zuzulassen, und am Ende dann auch die Tore schoss.
Gerade das hätte ich unter Schaaf kaum mal für möglich gehalten.
Lerneffekt Teil 3.
Zu guter Letzt und viertens hat Schaaf (und Allofs mit den Transfers!) wie bereits in erstens angerissen eine gesunde Mischung aus Mannschaftsspielern hinbekommen. Da, wo jahrelang vieles dahingehend vernachlässigt wurde und wir immer mehr überbordenden Individualismus zu sehen bekamen, scheint jetzt nach und nach ein Gefüge in sich zu greifen. Welches obendrein noch lange nicht am Ende der Entwicklung steht. *Träum*
Lerneffekt Teil 4.
Hoffenheim fand ich übrigens gegen uns beileibe nicht schlecht und den HSV deutlich verbessert gegenüber den Vorwochen.
Die einzige, wenn auch zu "verkraftende" Diskrepanz, und da stimme ich Simac zu, liegt mMn darin, dass wir mit Raute agieren. Nicht wegen der Raute an sich, aber weil wir diese in der Ausrichtung relativ konsequent spielen, also eine Formation, die im Spielverlauf selten auf 4-1-4-1, 4-3-3 oder 4-3-1-2 variiert. Hier läge auch in meinen Augen die Möglichkeit eines kreativeren Spielaufbaus. Aber gut, was nicht ist, kann ja noch werden und zur Zeit macht Schaaf unglaublich viel richtig, viel mehr, als man hätte erträumen können.
Mal sehen, wie es weitergeht. Bin jetzt richtig heiss auf die kommenden drei Punktspiele, die ich glücklicherweise live in den Stadien verfolgen darf.