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Pan#99
Guest
Und da sind wir uns glaub ich alle mal einig,oder:
Das unsere Abwehr eine große Schwachstelle ist, wissen wir seit über einem Jahr. Sollten KATS da nicht in den letzten Monaten intensiv potentielle Spieler beobachtet/in der Hinterhand haben, dann hätten sie einen schelchten Job gemacht!
Gut, dann oute ich mich einfach mal als Unwissender, der nicht weiß, dass "unsere Abwehr eine große Schwachstelle" ist.
Aufgrund der landläufigen Meinung, dass bei vielen Gegentreffern die Verteidigung, bzw. die Viererkette eine Problemzone sei, diese im Fall Werder zu einer solchen zu erklären, ist mir zu billig und veranlasst mich dazu, an dieser Stelle einmal eine Lanze für die Viererkette zu brechen.
In meinen Augen verfügt Werder mit der Viererkette Fritz-Mertesacker-Naldo-Boenisch/Silvestre über eine gute bis sehr gute Besetzung, die allerdings in den vergangenen Jahren gleichermaßen Opfer des Systems wurde, wie sie Opfer einer mangelhaften Balance zwischen Offensiv- und Defensivspiel des gesamten Teams wurde.
Es ist einfach, sich bei vielen Gegentoren ausschließlich auf die Jungs in der Viererkette einzuschießen, allerdings sollte man bedenken, dass sie in den allermeisten Fällen in der Fehlerkette sehr, sehr weit hinten anzusiedeln sind und -auch kleine- Stellungsfehler eines Innenverteidigers dem ungeschulten Auge weit eher auffallen, als zwar eklatante Fehler im Defensivverhalten der Mittelfeldspieler.
Frei nach dem Prinzip, dass ein Fehler im Mittelfeld schon nicht so schlimm sein kann, weil eine Viererkette schließlich dazu da sei, die Fehler der Vorderleute auszubügeln, wird nur allzu oft großzügig darüber hinweggesehen, dass der ursächliche, zu einem Gegentor führende Fehler im Mittelfeld begangen wurde.
Es mag nicht gerade en vogue sein, den derzeit auf Händen getragenen Torsten Frings oder das liebgewonnene Eigengewächs Philipp Bargfrede zu kritisieren, jedoch lag, bzw. liegt in diesen beiden Figuren in meinen Augen in Bezug auf Gegentore ein weitaus größeres Risiko, als in der Viererkette. Wie im Übrigen auch die Risikodribblings von Marin und Wesley eine Gefahrenquelle darstellen.
Die letzten Jahre haben gezeigt, dass die Viererkette in wichtigen Spielen, in denen man das Augenmerk auf die Defensive legte, absolut stabil agiert. Beispiele hierfür gibt es einige, ob es nun, um nur ein paar exemplarische zu nennen, in der Bundesliga die "Endspiele" gegen den Hamburger SV (2007/08, 32.Spieltag, 1:0; A) Bayer Leverkusen (2007/08, 34.Spieltag, 1:0; A) oder den FC Schalke 04 (2008/09, 33.Spieltag, 2:0; A), sowie im DFB-Pokal das Finale gegen Bayer 04 Leverkusen (2008/09) waren.
In all diesen für Werder wegweisenden Spielen erwies sich die Viererkette dank einer guten Unterstützung des Mittelfeldes als absolut stabil, doch die in diesen Spielen vorhandende Balance, deren Herstellung mit das Schwerste im Fußball ist, konnte Werder nur selten über einen längeren Zeitraum herstellen.
Hinzu kommt, dass die Philosophie des SV Werder in den letzten Jahren nicht die war, ein Tor weniger zu kassieren, als es der Gegner tut, sondern ein Tor mehr zu erzielen als der Gegner, was es umso schwieriger machte, eine Balance zwischen Offensiv- und Defensivspiel herzustellen. Aus diesem Grunde ist die Leistung von Borussia Dortmund in der gerade abgelaufenen Saison auch dermaßen hoch einzuschätzen.
Die Gründe für die hervorragende Defensivleistung der Dortmunder sind allerdings nicht ausschließlich in der Viererkette der Borussia zu finden. Subotic und Hummels sind im One on One-Vergleich nicht besser als es Mertesacker und Naldo sind, der gerade spielerisch eher limitierte Schmelzer ist auf der linken Seite nicht besser, als ein fitter Boenisch oder Silvestre sind und Pisczek ist auf der rechten Seite nicht besser, als es Clemens Fritz ist.
Der gravierende Unterschied zwischen der Defensivleistung von Borussia Dortmund und dem SV Werder ist vielmehr in der Nahtstelle zwischen Verteidigung und Mittelfeld zu finden. Während Werder auf der Sechs häufig variierte und auch experimentierte, in dieser Saison mit Frings, Bargfrede, Borowski und Wesley gleich vier verschiedene Spieler auf dieser Position einsetzte, gab es in Dortmund mit Nuri Sahin eine Konstante, die ihren Job herausragend ausfüllte und sich ebenso ihrer Verantwortung für die Defensivarbeit bewusst war, wie es der Rest der Dortmunder Mannschaft war.
Defensivarbeit begann bei den Dortmundern bei den Stürmern, die Laufleistung der Borussia suchte ihres Gleichen und niemand war sich zu schade, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen. So wurden viele knifflige Situationen, der eine Viererkette ausgesetzt werden kann, bereits weit vor dem Tor von Weidenfeller gelöst.
Bei Werder hingegen verstanden es weder Frings und Bargfrede, noch Borowski und Wesley, dauerhaft den Abstand zwischen Viererkette und Mittelfeld so zu korrigieren, dass die Räume vor der Viererkette so eng wurden, dass diese sich ausschließlich auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren konnte. Analog dazu fehlte es an der letzten Entschlossenheit aller Mittelfeldspieler, durch Laufleistung und Laufwege die Passwege des Gegners zu schließen und ihn so Optionen zu berauben.
Man hat es den Gegnern sehr oft sehr leicht gemacht, gegen Werder zum Torerfolg zu kommen - und man hat sowohl die Viererkette, als auch Wiese sehr, sehr oft sträflich in Stich gelassen.
Wenn es darum geht, die Gegentore abzustellen, bedarf es meiner Meinung nach keines neuen Verteidigers, sondern vor allem neuer Mittelfeldspieler, aber auch Stürmer. Um das Problem der vielen Gegentore in den Griff zu bekommne, brauchen wir eine Laufleistung, die deutlich höher ist, als die der gerade abgelaufenen Saison, mannschaftliche Geschlossenheit und Stürmer, die verinnerlichen, dass die Abwehrarbeit der Mannschaft bei ihnen beginnt. Übrigens war genau das eine der großen Qualitäten eines Miro Klose, als dieser noch bei Werder kickte - und ist, um wieder auf den Quervergleich zu Borussia Dortmund zu sprechen zu kommen, eine Eigenschaft, die alle Stürmer der Borussia, selbst der Strafraumspieler Barrios, verinnerlicht haben.
Von daher wäre ich dankbar, wenn man das Märchen der Problemzone Viererkette endlich in den Abfalleimer schmeißen würde. Die Viererkette an sich ist in ihrer derzeitigen Besetzung nicht das Problem.
Solange wir vor der Viererkette keine Mischung finden, die einen strategischen Kopf (wie bspw. den jungen Torsten Frings oder den jungen Fabian Ernst) besitzt, dazu bereit ist, sich bedingungslos in den Dienst der Mannschaft zu stellen und sich in einem Spiel voll zu verausgaben, können wir an der Viererkette basteln, wie wir wollen - ohne jedoch das Problem in den Griff zu bekommen.






