Kannst Du das Gegenteil beweisen, weil Du bei der Sitzung dabei gewesen bist?
Haben die äußerst FDP bzw. Schwarz-Gelb "feindliche" "Rheinische Post" oder das Springer-Blatt "Die Welt" aus denen Du neulich zitiert hast, etwa diese Wahrheit gepachtet?
Habe ich nie behauptet. Und ich rege mich auch nicht über die möglichen Äußerungen von Brüderle auf, weil sollten sie stimmen ich sie persönlich sogar als wohltuend empfinden würde.
Davon völlig abgesehen ist doch interessant, dass die "Süddeutsche" an ein Protokoll gekommen ist, welches nicht "öffentlich" ist. Zweitens alle, die dies jetzt angeblich bezeugen nicht namentlich genannt werden, während der derjenige aus Reihen des BDI dementiert sich namentlich nennen lässt. Lass ich auch gerne dahingestellt.
Und ich halte die Laufzeitverlängerung weiterhin für richtig.
Und vergleichst die Situation 1986 mit der von 2011. Ich redete nicht umsonst von Medienöffentlichkeit und diese hat sich massiv verändert. Und deswegen zielt auch da wieder ganz stark meine Kritik hin. Wir haben den Umgang der Medien mit den Ereignissen in Japan ja hier und in dem dazugehörigen Thread ausgibig diskutiert. Ich heiße diese Wende in der Energiepolitik für falsch, aber das man heute schnell auf irgendwelche Ereignisse reagier, ist bei der Hysterie in Deutschland nicht verwunderlich und wenn es eben nur dazu dient erstmal die Bevölkerung zu beruhigen. In keinem anderen Land sind die Geigerzähler ausverkauft, werden Iodtabellten en masse gekauft und hat ein Run auf angebliche "Ökostromanbieter" sehr dermaßen zugenommen wie in Deutschland. Bestes Beispiel gestern übrigens, um auf meine Medienkritik zurückzukommen, habe ich gestern wieder bei Phoenix erlebt, da werden mehrere Einspieler gezeigt, die zeigen, dass die Lebensmittel in Deutschland nicht radioaktiv belastet sind durch das Unglück in Japan. Danach schalten sie jemand zu, der mit Lebensmittelsicherheit befasst ist und die erste Frage der Moderatorin lautet: "Wie verstrahlt sind denn die Lebensmittel in Deutschland?"
Hat sie die eigenen Beiträge nicht gesehen? Oder spinnen die jetzt alle völlig?
Ja. Die Entscheidung war irrational und ist von Aktionismus getrieben. Aber ich bezweifle, dass dies allein in direktem Zusammenhang mit dem Wahlkämpfen steht. Gehe davon aus, dass man auch in anderen Fällen diesen Aktionismus an den Tag gelegt hätte vor dem Hintergrund Fukushima.
Und wenn wir von Wahlkampf reden, dann braucht man sich nur die heutige Debatte im Bundestag anschauen, das ist an Albernheit kaum noch zu überbieten.
In den letzten Jahren hat der Aktionismus in der Politik im allgemeinen zu genommen. Und dies spiegelt sich auch in Debatten in den Landesparlamenten wieder. In denen werden dann aktuelle Stunden beantragt über Themen, die die Länder gar nicht direkt betreffen. Sie zumindest nichtmal über den Bundesrat mitentscheiden könnten. Auch das zeitnahme raushauen von Pressemitteilungen zu jedem Thema, was gerade um die Ecke kommt ist einfach nur noch nervig. Jeder muss sich heute zu irgendwie alle sofort äußern. Tun sies nicht werden sie von den Medien, die ja Futter für ihr 24 Stunden Nachrichtenprogramm brauchen, sofort kritisiert sie hätten da keine Position. Und man hat auch schon als Kommunalpolitiker über alles genauestens bescheid zu wissen und sofort jede Position parat zu haben am besten mit Zahlen und Statistiken. Das ist absoluter Schwachfug, was da verlangt wird. Aber das schlimme ist, dass viele der Kollegen, gleich welcher Partei, meinen sie müssten dieses Spiel auch noch mitspielen.
Und den schlimmsten Fehler, den du machen kannst, das habe ich auch gelernt, werde ihn aber immer wieder machen, ist zu sagen, dass man etwas nicht wisse. Ich nehme für mich nicht in Anspruch alles zu wissen, kann ich auch gar nicht. Ich stoße irgendwo an meine menschlichen Grenzen und ich habe mitnichten für alles eine Lösung. Aber genau das wird von einem verlangt. Genau hier würde ich mir auch endlich mal ein bisschen mehr Ehrlichkeit wünschen. Das gilt für alle Kollegen. Hatte unlängst einen Termin bei einer Initiative, bei der man mir die Frage stelle, was ich gegen Diskriminierungen tun wolle. Und dabei ging es nicht um gesetzliche Gleichstellungen. Nein. Die wollten von mir tatsächlich wissen, wie ich das diskriminierende Denken der Menschen verändern wolle. Meine Antwort: Bildung und Aufklärung. Mehr kann man nicht machen. Eine Lösung habe ich nicht. Und ich glaube man überfordere da auch die Politik, wenn man meine sie könne alles. Habe ich mich da plötzlich Angriffen ausgesetzt gesehen. Habe nach dem Termin erstmals gedacht, die können mich doch alle am Allerwertesten und ich schmeiße alles hin. Das gute Zureden von Freunden hat mir geholfen über diesen Termin hinwegzukommen.
Weiss gar nicht warum ich mich hier jetzt gerade auskotze, aber mir geht das tierisch auf Nerv. Denn Ehrlichkeit ist nicht gefragt. Lieber irgendein dummes rumgebabbel und das dreschen hohler Phrasen, dann hätte ich da vielleicht auch punkten können. Aber das ist eben nicht meine Art. Man sollte sich nicht über die Politiker und die Politik aufregen, wenn man sich von ihnen unmögliches verspricht. Man sollte sich eher über die aufregen, die tatsächlich unmögliches versprechen.
Achja: Auch wenns aus der FAZ ist, aber
hier ein interessanter Artikel zu den Netzproblematiken!