Da irrst du dich ! Du wirst ja meinen Ausführungen ja hoffentlich entnommen haben, dass ich das Thema "effektive Zielplanung" gelegentlich unterrichte (u.a.). Und da kannst du mal sicher davon ausgehen, dass ich nicht anderen Menschen (in meiner nebenamtlichen Dozententätigkeit) etwas nahe bringe, das ich selbst für "grundsätzlich nicht notwendig" bzw. "grundsätzlich unsinnig" halte.
Das Problem in der Diskussion zum Thema "Zielplanung" (ob nun in privatwirtschaftlichen Betrieben, in der öffentlichen Verwaltung oder eben bei einem Bundesligaverein) sehe ich aber darin, dass die allermeisten der User, die hier zu diesem Thema etwas zum Besten geben, nur eine sehr nebulöse Vorstellung davon haben werden. So platt, wie z.B. du das rübergebracht hast, lässt sich dieses Thema meiner Meinung nach nicht abhandeln. Es geht nicht darum, "ob eine Zielplanung notwendig ist oder nicht" bzw. "ob das Planen von Zielen sinnvoll ist oder nicht". Grundsätzlich ist eine effektive Zielplanung, bei der die grundlegenden Maßgaben hierfür beachtet werden, ein absolut sinnvolles Instrument in vielen Lebensbereichen - nicht nur in Beruf oder Sportverein. Da du so brennend interessiert bist, fasse ich mal in ein paar - hoffentlich verständlichen - Punkten zusammen, was bei einer effektiven Zielplanung zu berücksichtigen ist:
1. Das Ziel sollte konkret und eindeutig formuliert werden (ohne Interpretationsspielraum).
2. Es sollte messbar sein, ob ein Ziel erreicht wurde.
3. Das Ziel sollte von den Beteiligten akzeptiert sein.
4. Es sind klare Zeitangaben vorzugeben (bis wann ist welches (Teil)ziel zu erreichen?)
5. Das geplante Ziel sollte realistisch (=erreichbar) sein.
6. Das Erreichen des Ziels sollte initiierbar sein (d.h. es liegt weitestgehend in meiner Hand, das angestrebte Ziel zu erreichen)
So sinnvoll und wichtig eine effektive Zielplanung ist, so fragwürdig kann dieses Instrument werden, wenn man diese Grundsätze nicht beherzigt. Eine Ausgabe von Zielen um der Ausgabe willen (weil man ja weiß, dass so was sein muss, weil es modern ist etc) kann mitunter sogar negative Auswirkungen haben (z.B. Frustration über das wiederholte Nichterreichen von Zielen).
Was die (in meinen Augen überflüssige) Ausgabe eines Saisonziels Platz 1-3 betrifft, stellen die Punkte 1. - 4. sicher kein Problem dar. Beim Punkt 5. wird es dann allerdings schon etwas schwierig, da hier zu viele Faktoren eine Rolle spielen (werden), die im Zeitpunkt der Zielplanung nicht wirklich bekannt sind. Welchen Tabellenplatz man realistischer Weise mit einem Team erreichen könnte, hängt ja z.B. nicht nur von der Summe der individuellen Fähigkeiten der einzelnen Spieler eines Teams ab. Auch wie die gegnerischen Teams aufgestellt sind und welcher Teamspirit sich dort während der Saison entwickelt, ist nicht wirklich realistisch vorherzusehen. Endgültig problematisch ist da dann aber Punkt 6.. Der zielplanende Verein hat es eben deutlich nicht allein in der Hand, ein solch plakatives Ziel wie Platz 1-3 zu erreichen.
Es spricht nichts dagegen, wenn die Verantwortlichen (auch) des SV Werder vor einer Saison äußern, welche Erwartungen/Hoffnungen sie in Bezug auf das Abschneiden in der Saison hegen. Das hat aber mit Zielplanung im eigentlichen Sinne wenig zu tun. Und das ist es, was mich an den z.T. recht platten Aussagen a la Saisonziel nicht erreicht stört.
TS wird selbstverständlich Zielplanungen (in dem oben dargestellten sinnvollen Rahmen) betreiben. Da gibt es in der Arbeit mit der Mannschaft sicher eine Vielzahl kleiner Teilziele, an deren Erreichen mit Akribie gearbeitet wird (z.B. Verbesserung des Fitnesszustands einzelner Spieler, Einstudieren bestimmter Pass- und Laufwege, neue Eckballvarianten

etc.). Über diese Zielplanungen ist aber natürlich zu wenig bekannt, als dass ich mir ein Urteil darüber erlauben könnte.
By the way:
Ein sehr erhellendes Interview mit TS in der heutigen Ausgabe der Kreiszeitung !