Nochmal zu KTzG:
Der eigentliche Skandal an der Sache ist die sich mehr und mehr als Tatsache herausstellende Annahme, dass er in seinem ersten Statement zu den Vorwürfen am vergangenen Freitag gelogen hat. Da hat er steif und fest behauptet, er habe nicht plagiiert und die Doktorarbeit sei von ihm geschrieben. Wenn einer das behauptet, aber gleichzeitig (!) einen Brief an die Uni Bayreuth schickt, in dem er um die Aberkennung des Doktortitels bittet, tischt er einer von beiden Seiten nicht die Wahrheit auf und das ist hier wohl die Öffentlichkeit.
Das ganze verklausulierte Geschwurbel von "gravierenden Fehlern" und "durcheinandergeratenen Quellen" dient der Umgehung der Formulierung "Ich habs zusammenkopiert, weil´s mir über den Kopf gewachsen ist." Mit eben dieser Formulierung hätte Guttenberg zumindest einen Deut der Glaubwürdigkeit, die er für sich als Ideal beansprucht, bewahren können. Mit dem katastrophalen Krisenmanagement aber, das er hier in eigener Sache an den Tag gelegt hat, ist für meine Begriffe ein Rücktritt die einzig logische Schlussfolgerung.
Mich kotzt die Hybris an, die den Minister überkommen hat. Der Mann glaubt tatsächlich, über den Dingen zu stehen und insbesondere sein "Eingeständnis" auf einer Wahlkampfveranstaltung in Hessen gestern hatte zwei Seiten. Kurz auf die eigenen Fehler eingehen und dann den anderen die Schuld dafür geben. Dieses offensichtliche Plagiat einer Doktorarbeit und das damit verbundene Erschleichen eines akademischen Titels ist kein Kavaliersdelikt und rüttet nicht nur am Image des sauberen Herrn zG, sondern auch an den Grundfesten wissenschaftlicher Arbeit (er ist nicht der erste und wird nicht der letzte gewesen sein, der wiss. Arbeit gefälscht hat - das allerdings macht das Vergehen nicht kleiner). Und sich dann hinzustellen wie gestern geschehen, auf die Medien und die politische Konkurrenz zu zeigen und denen vorzuwerfen, sie veranstalteten eine Hetzjagd auf ein kleines Licht wie ihn, das ist schon unverschämt. Mit dem schon üblichen Verweis: "Haben wir nicht besseres in diesem Land zu tun, wo doch in Afghanistan..." macht er sogar drei tote Soldaten ebendort zu einem Schutzschild für sich. Er versteckt sein Fehlverhalten (und das ist mitnichten im privaten Bereich anzusiedeln, sondern gerade bei einem so peniblen Menschen, der sein berufliches Leben genau plant und ebenso schönt ("berufliche Stationen in Frankfurt und New York" (Praktika), "freier Journalist für die Welt" (Praktikum), Quelle: SZ von heute) ein bewusstes, berufliches Vorgehen), er versteckt also seine Fehler hinter anderen, um davon abzulenken - und in diesem Licht betrachtet, hat er es in seiner Zeit als Minister grundsätzlich so gehandhabt - ob als Wirtschaftsminister, ob bei Schneiderhan oder der Gorch Fock.
Mich erinnert der Fall, abschließend, sehr an die Causa Daum. Müsste ich titeln, schriebe ich: "Das Daum-Syndrom". Ein Mann strebt dem Höhepunkt seiner Karriere zu, gefeiert von den einen, gehasst von den anderen. Mit dem beruflichen Erfolg und dem damit einhergehenden Größenwahn geht der Kontakt zur Tatsächlichkeit mehr und mehr verloren, bis nach Gerüchten auf einer Pressekonferenz quasi das Ehrenwort folgt, man habe sich nichts zu schulden kommen lassen und dieses Nichts können man gern auch überprüfen. Bei Daum waren es die Haare, bei Guttenberg die Doktorarbeit. Wobei die Haare bei Guttenberg auch echt interessant geworden wären. Schlussfolgerung aber: letztlich stellt sich heraus, dass schlicht und ergreifend gelogen wurde. Daum wird nie Bundestrainer werden. Und Guttenberg nie Bundeskanzler.