ach je,
wo soll man da anfangen und wo aufhören?
Mich erschreckt im Wesentlichen ein ganz entscheidender Punkt:
Es gibt bei Werder keine Anspielstationen und absolut null Kombinationsfußball. Das zieht sich allerdings nicht nur die Rückrunde sondern durch die komplette Saison.
Derjenige, der bei uns den Ball hat, ist die ärmste Sau der Mannschaft.
Hier sind insbesondere Silvestre und Fritz bzw. Pasanen/Schmidt/oder wer immer auf rechts aushilft zu nennen.
Über Prödl und Mertesacker ist leider generell kein Spielaufbau möglich und wir geraten bei bei eigenem Ballbesitz durch das sinnlose Ballgeschiebe auch schon direkt nach dem kurz ausgeführten Torwartabstoß unter Druck.
Es wird 2,3 Mal der Ball quer hin und her gepasst und dann landet der Ball irgendwann auf den Außen und die armen Jungs hauen den Ball
verzeifelt lang nach vorne, weil sich im zentralen Mittelfeld absolut niemand anbietet.
Weder Frings noch Bargfrede oder wer immer Doppel-6 spielt, sind im Spielaufbau anspielbar und selbst wenn, kann niemand aus dem defensiven Mittelfeld den Ball konstruktiv nach vorne spielen.
Würde auch nichts bringen, da mit Hunt der wohl kreativloseste Spieler die gesamte Saison in der Starthelf unser Werder-Trikot auf dem Platz spazieren tragen darf. Ich brauche da gar kein Hunt-Bashing zu betreiben, die Leistung auf dem Platz spricht da für sich selbst. Es ist unglaublich, was dieser Mann an
Alibi-Aktionen auf dem Platz startet. 30 Meter hinter einem Gegenspieler mit Ball herzulaufen (was von anderen User als Einsatzwille gesehen wird), ohne auch nur in Zweikampf zu kommen, ist absolut unproduktiv. Offensiv kommen keine Pässe in die Spitze, die für irgendeine Gefahr sorgen könnten. Es gibt keine überraschenden Momente, die die Hintermannschaft des Gegners in Gefahr bringen könnten.
Wenn es "gut" läuft, passt Hunt quer zu Marin oder Arnautovic, die auf den Außen wiederum ohne jede Unterstützung sind. Weder Fritz noch Silvestre sind von der Schnelligkeit, Technik und Spielverständnis aktuell in der Lage, über die Seiten Druck aufzubauen, wobei ich grundsätzlich der Meinung bin, dass, so wie Werder in dieser Saison spielt, die
Außenspieler viel zu Verantwortung aufgebürdet wird.
Im Regelfall spielt Hunt den Ball retour auf die 6 und gibt damit die kreative Verantwortung mal wieder ab, ist dann aber auch nicht mehr anspielbar und steht bevorzugt hinter dem gegnerischen Spieler.
Warum die
Laufwege selbst in der Rückrunde noch immer nicht funktionieren, ist mir ein einziges Rätsel. Von den technischen Ansätzen und dem Spielverständnis traue ich bspw. Arnautovic wahnsinnig viel zu. Wer sich anschaut, was der Junge gerne an schnellen Doppelpässen spielen würde und wie er durchaus versucht in die Spitze zu starten, muss sich fragen, warum keiner der Mitspieler in der Lage ist, das Spiel mitzugehen. Ich kann mir persönlich nicht vorstellen, dass er jedes Mal "falsch" läuft und frage mich, ob oder warum solche
Spielzüge nicht trainiert oder zumindest nicht im Spiel umgesetzt werden.
Generell ist es so, dass der Spieler mit Ball maximal eine Option hat, den Ball weiterzuspielen. Es werden im Spielaufbau leider keine Wege "umsonst" gemacht, um für einen anderen Spieler Freiräume zu schaffen.
Unser Spiel ist so ausrechen- und die gespielten Pässe so vorhersehbar.
Das offensive Mittelfeld funktioniert einfach nicht, da keine Anspielstationen vorhanden sind. Im Kontrast dazu konnte man einem Micoud, Diego oder Özil gefahrlos den Ball geben und sicher sein, dass demjenigen schon was Gescheites damit einfällt. Ein Ballverteiler fehlt Werder wie die Luft zum Atmen.
Da nützt auch das ein oder andere gefällige Dribbling von Marin, der übrigens der einzige Spieler ist, der überhaupt mal erfolgreich 1 gegen 1 (bzw. eher 1 gegen 2 oder 3) geht. Leider oftmals brotlose Kunst, weil selbst nach gewonnenem Dribbling niemand von den Mitspielern anspielbar ist.
Ein weitere Irrweg scheint mir die Spielweise mit Claudio Pizarro (wenn er denn ohne Verletzung überhaupt auflaufen kann) als einziger wirklicher Spitze zu sein. Grundsätzlich könnte dieses System Werder bei funktionierendem Mannschaftsgefüge schwerer ausrechenbar machen. Leider führt dieses aber (insbesondere mit Sandro Wagner als Vertretung, über dessen technische Fähigkeiten ich wirklich keine weiteren Worte verlieren möchte) eher dazu, dass sich der Stürmer grundsätzlich allein auf weiter Flur befindet und allein gelassen wird, da sich eben niemand sich mit die Spitze einschaltet.
Wir haben mit Pizzarro&Ailton - Klose&Klasnic - Pizzaro&Almeida immer mit 2 Stürmen gespielt, die gemeinsam Lücken reißen konnten. Aktuell steht unser
Stürmer generell alleine gegen 3-4 gegnerische Abwehrspieler und es es nur dem Ausnahmetalent und individuellen Fähigkeiten Pizarros zu verdanken, dass da hin und wieder trotzdem ein Törchen herausspringt.
Der ambitionierte Gedanke die Verantwortung fürs Toreschießen wechselseitig auf mehrere Spieler aus dem Mittelfeld zu übertragen, funktioniert einfach nicht. Ob es daran liegt, dass es mit dieser taktischen Ausrichtung für die Spieler einfacher ist, zu entscheiden, den eigenen Schritt in die Spitze nicht zu gehen, da genauso gut ein Mitspieler den Weg machen könnte, vermag ich nicht zu beurteilen.
Wenn nun relativ offensichtlich ist, dass spielerisch mit dem vorhandenen Personal und/oder der taktischen Ausrichtung nichts geht, sollte man doch zumindest versuchen die
Effektivität von Standartsituationen zu verbesern, doch das Gegenteil geschieht.
Absolut unsäglich sind die
Abseitsstellungen nach kurz ausgeführen Eckstößen. Das ist wirklich so unglaublich, dass es jeder Beschreibung spottet. Diese Definitionserweiterung der "Bremer Ecke" ist wirklich absolut lächerlich. Warum es bei eigentlich wirklich kopfballstarken Spielern wie Mertesacker, Prödl und Pizarro nicht gelingt, nach Freistößen oder Eckbällen zumindest hin und wieder zu Torerfolgen zu kommen, ist und bleibt mir ein Rätsel. Auch sowas muss sich doch trainieren lassen.
Und aus diesem Grund ist bei aller Kritik an den Spielern auch Thomas Schaaf zu hinterfragen.
Wenn die Spiel regelmäßig mit nur einem Stürmer schlecht laufen, Hunt in jedem Spiel beginnen darf, dann aber in der gleichen Regelmäßigkeit, nach Rückstand eine zweite Spitze gebracht wird, warum nicht mit klaren Ansagen direkt mit 2 Stürmern ins Spiel starten (und Hunt auf der Bank lassen).
Ich verstehe nicht, dass die klaren Ansagen (und geben wird es diese, so hoffe ich), dass
ein Spiel über LAUFBEREITSCHAFT, ANSPIELBARKEIT, KOMBINATIONEN und EINSATZ gewonnen wird, bei den Spielern nicht ankommen und da dem offensichtlich so ist, verstehe ich weiterhin nicht, warum aus der Arbeitsverweigerung auf dem Platz keine Konsequenzen (sprich Auswechslungen oder noch besser direkt andere Aufstellungen und taktische Ausrichtungen von Beginn an) gezogen werden.
Es kann doch nicht sein, dass angeblich engagiert und "gut" trainiert wird und dann
im Wettkampf nichts mehr vom Gelernten abrufbar ist.
Zur Defensivleistung will ich gar nicht viel sagen. Das war noch nie Werders Stärke und fiel aufgrund der überragenden Offensivaktionen auch nicht dramatisch ins Gewicht. Da wird zwar mit 4 Leuten um den ballführenden Gegenspieler herumgestanden und pseudo-"gepresst" aber keiner geht wirklich in den Zweikampf und in dem Moment, wo dieser Spieler passen kann, brennt defensiv der Baum, da diese Spieler natürlich an anderer Stelle fehlen. Es ist ja prinzipiell gut gemeint, vermeintlich helfen zu wollen aber ein wirkliches aggressives Doppeln wäre um Längen effektiver. Schlußendlich würden eigentlich einfache Tugenden wie
richtiges Stehen zum Gegner und
kluges Zweikampfverhalten jedes einzelnen Spielers schon ausreichen, um hinten sattelfester zu sein.
Ich wünsche unserem Trainer und auch unserem Sportdirektor, denen ich für das Geleistete mehr als dankbar bin, dass es gelingt, den
Spielern wieder begreiflich zu machen, wie man Fußball spielt und kämpft, denn eines ist völlig klar, das Spielerpersonal ist nicht auszutauschen. Ich erwarte aber vom Trainer, dass er aus den vorhandenen Möglichkeiten das komplette Potential abrufbar macht und wenn ihm das, aus welchen Gründen auch immer nicht gelingt, ist es schlußendlich nur möglich, bildlich gesprochen den Dirigenten zu wechseln.
Die Mannschaft ist vorgegeben und von Thomas Schaaf und Klaus Allofs so zusammengestellt worden. Ich sehe die Verantwortung, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass ein wohlklingendes Konzert abgeliefert wird, bei Trainer und Sportdirektor. Spielen nach Noten müssten die Jungs dann von alleine können.
Ich drücke uns die Daumen!
gwg
svwb