Jetzt mache ich mal etwas, worauf ich eigentlich überhaupt keine Lust habe: schreiben, was ich in der Vergangenheit schon diverse Male geschrieben habe. Bisher konnte mich da auch noch kein Gegenargument von abbringen. Ich werde mich zwar bei einigen Usern wieder fragen, ob gewisse Beiträge mit aller Konsequenz ignoriert werden, ob vorherige Beiträge vor dem Posten überhaupt gelesen werden oder ob die Argumente ganz einfach nicht überzeugen.
Sei's drum, ich gehe gern auf Deine Punkte ein.
Natürlich ist ein Trainer für Taktik oder Disziplin verantwortlich. Die richtigen Ideen zu haben ist das eine, für die richtige Umsetzung zu sorgen ist das andere. Aber so gut ein Trainer auf diesem Gebiet auch ist: er kann einem Spieler alles mögliche vermitteln, aber den Charakter kann er nicht ändern. Wenn man eigenwillige Spieler, Partygänger oder antriebsfaule Spieler im Kader hat, wird man ab einem gewissen Grad auf Granit beißen. Dass vielen Spielern die Konsequenzen scheinbar egal ist, haben wir oft erlebt. Bogdanovic, Reich, Tjikuzu oder zuletzt Carlos Alberto sind nur einige Beispiele. Ebenso gibt es immer mal Spieler die nicht so helle sind. Sie mögen alles mögliche am Ball können, aber wenn ihnen die nötigen Voraussetzungen für das Verstehen komplexer Vorgänge fehlt, kann ein Coach das auch nicht ändern. Oder hast Du schonmal versucht, einem Fisch das laufen beizubringen?
Gerade solche Eigenschaften sind vor einem Transfer nur schwer abzuschätzen. Bei Spielerbeobachtungen kommt in erster Linie das Fußballerische rüber. Und ob in Vorab-Gesprächen hundertprozentige Rückschlüsse auf die Persönlichkeit gezogen werden können, wage ich zu bezweifeln. Da kann man an Allofs' Stelle nur versuchen, im Nachhinein die Zusammensetzung des Kaders zu korrigieren. Vielleicht passiert das ja auch bald.
Was das Wachstum angeht, ist es zu einfach zu sagen: wir stagnieren und nun ist alles schlecht. Schaut Euch doch mal an, in welchem Tempo wir uns weiterentwickelt haben. Ein User hier hat mal kritisiert, dass wir seit Amtsübernahme 5 Jahre gebraucht haben, um die Meisterschaft zu gewinnen. Ich sage: Wieviele Abstiegskandidaten gibt es, die überhaupt später um die Meisterschaft mitgespielt haben? Und um es weiter zu stricken: wieviele davon haben sich danach oben gehalten und waren in den Folgejahren noch immer im Kreis der Titelanwärter?
Aber zurück zur Entwicklung. Gemessen an den Finanzen, die nach oben hin klar gedeckelt sind, haben wir eine außergewöhnliche Entwicklung erlebt, wie ich finde. Wer in den 5 Jahren Champions-League Stagnation entdeckt hat, sollte mal den Gesamtkader vergleichen. Aus einer Reservebank mit Skripnik, Banovic, Rolfes, Wehlage, Lagerblom, Reich oder Daun ist bis letzte Saison eine Bank mit Ersatzleuten wie Owomoyela, Pasanen, Jensen, Schulz, Almeida oder Klasnic geworden. Man sieht es auch daran, was bei Länderspielreisen noch auf unserem Trainingsplatz los ist. Nahezu der gesamte Kader ist mit Nationalspielern besetzt. Das klingt jetzt abgedroschen, aber ein Großteil der Bundesligisten wäre froh, diese Spieler (auch unsere Ersatzspieler) in ihrer Startelf begrüßen zu dürfen. Wir haben in der Hinrunde 07/08 unter dem größten Verletzungspech den Bayern am meisten Paroli geboten. Und zwar den Bayern, die zuvor 70 Mio in Spieler investiert haben und von der Presse quasi schon vor der Saison den Titel verliehen bekommen hat. Vor dem Hintergrund, dass auch andere Vereine wie Hamburg und Schalke Ansprüche auf einen Spitzenplatz mit entsprechenden Investitionen untermauert haben, halte ich auch das Mitziehen und Verteidigen des CL-Platzes keineswegs für Stagnation.
Bei einer solchen Entwicklung ist klar, dass man irgendwann an einen Punkt kommt wo weitere Qualitätssteigerungen richtig Geld kosten. Das begrenzte Ertragspotenzial in Bremen ist zwar ein Thema, bekommt aber erst durch inflationär entwickelte Ablösesummen die richtige Würze. Außerdem steigen mit dem Erfolg auch die Anspruche der bereits unter Vertrag stehenden Spieler. Die meisten Spieler sind in einer ganz anderen sportlichen Situation zu uns gekommen und stehen in sehr guten Zeiten vor einer Vertragsverlängerung. Das lässt auch den Personalkostenblock gewaltig nach oben schnellen. Wenn man diesen Punkt erst einmal erreicht hat, ist eine gewisse Stagnation dann wirklich so negativ zu bewerten oder vielleicht doch die logische Konsequenz weil irgendwann einfach eine natürliche Grenze erreicht ist?
Diese Entwicklungen sind eine gute Überleitung zu den Einkäufen der letzen 1-2 Jahre. Ich bin mir sicher, dass man ein höheres Budget hat als noch in den Jahren zuvor und auch vieles probiert hat. Ich verstehe zum Beispiel nicht, wie man von fehlenden Millionen-Transfers automatisch darauf schließt, dass nichts versucht worden ist. Ich bin davon überzeugt, dass man eine weitreichende Wunschliste hatte, von denen die meisten durch die oben genannten Gründe einfach inzwischen den Rahmen sprengen würden. Soll man nun nur des Investierens wegen die vorhandenen Millionen nehmen, und einfach qualitativ schlechtere Spieler holen? Auch das bringt uns keinen Deut weiter, wir hätten allenfalls einen quantitativ besseren Kader.
Allerdings muss ich einräumen, dass solche Investitionen jetzt wieder an Bedeutung gewinnen können, wenn man sich nun von Spielern trennt die durch ihr Auftreten (siehe oben) den Teamerfolg gefährden. Wenn man bei gleicher Qualität satte spieler durch hungrige ersetzen kann und andere Charaktere in die Mannschaft bekommt, kann uns das durchaus weiterhelfen.
Zu aktuellen Situation kann ich nun nur sagen, dass ich zur Zeit ebenfalls alles andere als breit grinsend aus dem Stadion gehe. Zu groß ist die Enttäuschung darüber, dass fast der selbe Kader gegenüber der letzten Saison so demotiviert auftritt. Deshalb kann ich auch die Leute nicht ganz ernst nehmen, die diese Entwicklung vorher schon gesehen haben wollen.
Nichtsdestotrotz sehe ich keine Veranlassung, auch für die Folgejahre schwarz zu sehen. Warum sollten wir nachhaltig wieder zur grauen Maus verkommen?
Um es auf den Trainer zu beziehen (da wir ja im entsprechenden Thread sind):
Was kann man dem Trainer konkret vorwerfen? Damit meine ich keine abgedroschenen Floskeln wie "Er hat sich abgenutzt" oder " Er erreicht die Mannschaft nicht mehr". Was spricht dagegen, dass Schaaf und Allofs gemeinsam einen Masterplan entwickeln, um möglichst schnell an den jüngsten Erfolgen anzuknüpfen?
Ich habe immer gesagt, dass wir zwischendurch auch mal mit einer UEFA-Cup-Saison rechnen müssen, zumal wir derzeit wirklich eine große Spitzengruppe in der Tabelle haben die auch zu Recht dort steht. Dass wir uns nun schon so lange in diesen Tabellenregionen aufhalten überrascht mich zwar, aber gibt mir noch keinen Grund zu der Annahme, dass dort auch unsere Zukunft liegen soll. Deshalb sage ich klipp und klar, dass ich gern mit Schaaf und Allofs aus der Krise heraus möchte, anstatt einen neuen Trainer einzustellen, dessen Ideen erst 3 jahre später ihre Wirkung zeigen.
Erlaube mir zum Schluss noch die Frage, wie Du auf den Bolzen kommst, wir hätten in Bremen die höchsten Managergehälter der Liga?!
Das sind eigentlich Stammtischparolen, die mich dazu treiben an einer Diskussion gar nicht erst teilzunehmen. Zu sehr erinnert das an politische Diskussionen, wo alles schlecht ist weil die Vokabeln Politiker oder Managrer drin vorkommen - aber das ist Off Topic. Und selbst wenn Allofs mehr verdient als andere: Meiner Meinung nach darf jeder soviel verdienen wie er möchte - solange er dies (und noch mehr) wieder einspielt. Und hat Allofs durch die Transfers nicht unterm Strich schon eine Menge Geld eingespielt?
Habe fertig
