TS ist auch nicht billig, warum sollte Slomka billig sein ?
Fachlich werfe ich TS Stillstand in allen Bereichen vor. Fragwürdige Ein- und Auswechslungen zur Unzeit, festhalten an Günstlingen ohne nachweisbare Leistungen auf dem Feld, keine Verbesserung der Mannschaft bei Standardsituationen (Ecken und Freistösse sind eine Katastrophe), langsames Umschalten der Mannschaft bei Kontern, die Abwehr ist noch immer ein Torso und die falsche Einschätzung (noch immer), die Mannschaft sei gut genug aufgestellt. Hinzu kommt, dass die Mannschaft häufig lethargisch wirkt und TS sie trotz vieler Gelöbnisse nicht erkennbar auf neue Situationen einstellen konnte.
17 Bundesliga-, 6 CL- und 2 Pokalspiele stellen keine kurze Zeitspanne dar etwas zu bewirken. Kein anderer Topverein würde nach dieser diametral anders verlaufenem Saison gedankenlos weitervoranpreschen, ohne den sportlichen Leiter zu hinterfragen !
Zunächst einmal sehr löblich, dass Du Dir detailliert Gedanken über die Arbeit von TS machst und Dich nicht in Zweizeilern flüchtest.
Was das Festhalten an bestimmten Personen angeht, fehlt mir manchmal der Blick auf die Alternativen. Schaaf ist nunmal dafür bekannt, dass er um Kontinuität bemüht ist und deshalb auch niemanden nach 2-3 schlechten Spielen auf die Bank setzt, wenn er weiß dass er zu besseren Leistungen imstande ist. Wenn es dann doch mehr als 2-3 schlechte Spiele wurden, hat er häufig doch den Alternativen eine Chance gegeben - wobei sich dann ebenfalls oft gezeigt hat, dass diese Alternative die schlechtere war. Im Mittelfeld haben beispielsweise viele auf Hunt und Botowski geschimpft, dabei aber vollkommen ausgeblendet dass auf der Bank nur der formschwache Jensen, der bisher unterdurchschnittliche Husejinovic und ggf. noch "grüne" U23-Spieler saßen. Insofern finde ich die Parolen bezüglich Schaafs Lieblingen auch reichlich schwachsinnig. Ob die von vielen Usern gewählte Beurteilung der besagten Spieler in dem Maße zutreffend ist, steht auf einem ganz anderen Blatt...
Fragwürdige Ein- und Auswechslungen würde ich ihm jetzt nicht grundsätzlich vorwerfen - hier muss man u.a. ja auch berücksichtigen, dass eine Auswechslung leistungsbegründete oder taktische Gründe haben kann - ein Spieler aber auch einfach mal angeschlagen oder platt sein kann. Ich behaupte mal, dass wir das auch nicht immer beurteilen können.
Was die Standards angeht, fehlen mir durchaus auch die Alternativen bei Freistößen, oder auch eine Waffe wie Naldo, wo die Freistöße trotz mangelnder Kreativität eine gewisse Gefahr ausstrahlen.
Zumindest gegen Mailand habe ich wieder vernünftige Ecken gesehen, wo auch die Bewegungsabläufe im Strafraum ähnlich waren und sowas wie ein System erkennbar war - auch die Absicherung bei solchen Situationen klappt besse, so dass wir wesentlich weniger gefährliche Konter danach kriegen. Aber das sollte auch das Minimum sein...
Ob gewisse Kritikpunkte in der derzeitigen Saison überhaupt eine hinreichende Aussagekraft haben, sei mal dahingestellt - denn einerseits fehlten in der Hinrunde wichtige Stützen, andererseits sind häufige Umstellungen Gift für Kontinuität und die Entwicklung von Automatismen. Insofern kann man sicherlich generelle Kritikpunkte äußern, aber die vergangene Hinrunde ist angesichts der Umstände als Argument sicherlich ungeeignet.
Und die langfristige Entwicklung ist auch so eine Sache.
Dass die sportliche Entwicklung nicht in gleichem Maße so weitergehen kann wie zwischen 2002-2006 sollte jedem klar sein, da die Entwicklungskurve ab einem bestimmten Niveau zwangsläufig flacher werden muss. Wer den Anspruch ausgibt, dauerhaft unter den letzten 8 in Europa zu verbleiben (was hier schon so manch einer geäußert hat), muss irgendwann auch entsprechende Gehälter zahlen. Insofern kann es in Bremen ab einem bestimmten Punkt nur noch darum gehen, ein erreichtes Niveau zu halten und gewisse Feinjustierungen vorzunehmen.
Das ist bezogen auf die Anzahl der CL-Teilnahmen auf den ersten Blick durchaus gelungen.
Aber ich kann insofern zustimmen, dass die unterjährigen Leistungsschwankungen und Defizite im Abwehrverhalten keine neuen Probleme sind und mehrere Versuche gescheitert sind, Abhilfe zu schaffen.
Dafür ist aber nicht nur der Trainer mit seiner taktischen Entwicklung verantwortlich, sondern auch der Sportdirektor mit seinem Verhandlungsgeschick, die Scouts mit ihren Vorschlägen, vor allem aber auch der Gesamtvorstand gemeinschaftlich mit dem Aufsichtsrat, die die strategische Marschroute ausgeben, welche wiederum die für den sportlichen Bereich verfügbaren Mittel beeinflusst. Denn damit müssen die Verantwortlichen zunächst zurechtkommen.
Das meinte ich übrigens auch damit, dass mir die Trainerdiskussion zu eindimensional ist.
Du magst Recht haben - kein Verein würde so weitermachen, ohne die sportliche Leitung zu hinterfragen. Wer aber wirklich das Übel an der Wurzel packen möchte und richtig differenziert an die Sache herangeht, hinterfragt die Gesamtsituation und welche weiteren Begleitumstände die Krise zumindest begünstigt haben.
Wer dazu nicht bereit bzw. in der Lage ist, reduziert sich eben häufig auf die Trainerfrage.
Zu glauben, damit wären alle Probleme vom Tisch - darin bestünde m.E. die wirkliche Naivität!
Das ganze hat etwas von Schmerzen, die man mit ner Aspirin betäubt, und sich nach Abklingen der Wirkung erneut über die Beschwerden wundert. Gründliche Ursachenforschung verhindert auch hier kurzfristigen Aktionismus, der die alten Probleme irgendwann wieder aufkeimen lässt


