was soll er machen? Den Rückstand verwalten?
Nein, seinen Beitrag dazu leisten, dass das gar nicht erst passiert.
Werder hat in der ersten Halbzeit versucht, die Ordnung zu halten, versucht, konzentriert gegen den Ball zu arbeiten. Das war gut und löblich. Beim 1:1 waren Zuordnungen (drei Verteidiger nach innen und machen die linke Bayern-Seite auf) und Konzentration (Wesley, Silvestre) allerdings wieder mal erschreckend. Und das Gegentor war in dieser Hinsicht nicht die einzige Szene.
Die Bayern waren nach vorne harmlos und leisteten sich bei Ballverlust in der Rückwärtsbewegung teils haarsträubende Stellungsfehler – im Mf wie hinten. Hinzu kamen technische Patzer der IV am Boden. Gegen so eine Truppe hätten wir Chancen wie Prödl in der 1. HZ auch in der 2. HZ bekommen, selbst wenn wir die Grundordnung so wie in der 1. HZ gehalten hätten. Dass Werder aber genau diese zugunsten einer solchen Spielweise wie in der 2. HZ aufgibt, ist mit Nichts zu entschuldigen. Beim zweiten Tor hatte Schweinsteiger unendlich Platz, was logisch ist, wenn die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen riesengroß werden, vier Leute vorne rumturnen sowie sich einer der DM` s auch noch ständig im Vorwärtsmarsch befindet. Da muss KA auch nicht hinterher wegen der Chancen oder des nicht gegebenen Treffers rumheulen. Vielmehr sollte er sich fragen, warum so eine harm- und hilflose Bayern-Mannschaft gegen uns zwei Tore schießt.
Bei Schaaf scheint im Kopf immer irgendein Resetknopf vorhanden zu sein, auf dem er permanent den Finger hat und loslässt, sowie das Team trotz einer durchaus geordneten Spielweise nicht gänzlich offensiv glänzt.
Dazu reicht ein Rückblick auf die letzte Saison: nachdem Werder im Heimspiel gegen Schalke Chancen ausließ, aber dennoch einigermaßen gut auf die Spielweise des Gegners reagiert hatte, gab das Team Anfang zweite HZ die Ordnung auf – und wurde zur Niederlage ausgekontert. Ein 0:0 hätte uns damals in der Tabelle vor Schalke gehalten. Oder das Spiel in Dortmund, wo es umgekehrt lief, mit taktischem Debakel gleich zu Beginn des Spiels. Nur allein die beiden Spiele hätten uns die leidige CL-Quali ersparen können.
So ist das nun mal, wenn ein Trainer sich in "seine Spielidee" verrennt und sich weigert, zielstrebig Konsequenzen aus gegebenen Umständen zu ziehen, besonders wenn diese Spielidee erkennbar nicht funktioniert. Unser Glück gestern war, dass die Bayern so fatal schwach im Umkehrspiel waren, wie man es von ihnen seit Jahrzehnten nicht kennt. Dadurch konnten wir uns trotz mangelnder Handlungsschnelligkeit stellen und hatten immer wieder schnell den Ball. Nur hat Werder im Moment nicht die Mittel strukturiert und gleichzeitig organisiert nach vorn zu spielen.
Punkt 1: Ordnung halten, diese Vorgabe aber mit hundertprozentiger Einstellung und hochkonzentriertem Systemfussball umsetzen
Punkt 2: nach vorne spielen, aber dabei die Organisation des eigenen Spiels nicht vernachlässigen
Punkt 1 ist Vorrausetzung für Punkt 2.
Jedoch funktioniert Punkt 1 nur, wenn es a) trainiert und b) oft genug gespielt wird. a) kann ich nicht beurteilen, fest steht mMn, dass solche Fehler wie gestern im Punkt 1 durch b) entstehen. Erst recht, wenn der Trainer dies nach nur einer Halbzeit wieder verwirft. Wenn KA danach in der ARD erzählt "wir haben zu verhalten gespielt, das wollten wir ändern" spricht das Bände. Aber das kann er doch nicht ernst meinen. Die Strafe folgte auf dem Fuss, so ist das nun mal im Fussball. Mit dieser Herangehensweise kann man sicher auch viele Spiele gewinnen und recht erfolgreich sein. Auf bestimmtem Niveau geht es aber um Nuancen, die darüber entscheiden, dass Werder an Tagen wie gestern eben wichtige Spiele gegen die Wand setzt. Das in unangenehmer Regelmäßigkeit, weil Werder es allzu oft vorzieht, im Spiel den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen.
Punkt 1 und 2 "Schaafen" wir im Allgemeinen seit über 10 Jahren viel zu selten, insbesondere unter Doppelbelastung. Doch gerade da wäre es wichtig. Das muss man bei allen zweifelsohne grossen Erfolgen schlicht festhalten.