Wer Thomas Schaaf schon länger kennt, wird feststellen, dass 3-4 Gurkenspiele auch bei einem Feldspieler nicht ausreichen, um ihn endgültig ins zweite Glied zu rücken. Diese Eigenschaft muss man nicht in jedem Falle gutheißen. Man kann zumindest berücksichtigen, dass das allerdings auch keine persönliche Abstrafung von Spielern gleichkommt, die häufiger mal auf der Bank sitzen. So lange ihm die Praxis recht gibt, dass sich Spieler entwickeln, dass diese Spieler das Vertrauen auch zurückzahlen, liegt er damit richtig. An dem Punkt, wo es einfach destruktive Wirkungen auf den Konkurrenzkampf hat, das heißt die Entscheidungen für die Ersatzleute nicht mehr nachvollziehbar sind, muss man auch diese Strategie kritisieren. Etwas in dieser Art, habe ich aber lediglich hier im Forum ausmachen können. Eine Aussage, von einem Spieler, er würde trotz herausragender Leistungen im Training oder in den Einsatzminuten, in denen er eine Chance erhält, nicht hinreichend Einsatzzeit bekommen, höre ich allerdings nicht.
Wie oft wurde hier Jensen gefordert, weil Borowski angeblich keinerlei Böcke hätte, zu laufen? Diese Stimmen verstummten, als Jensen den Einsatz erhielt und eben nicht die Leistung zeigte, die man sich von ihm erhoffte. Ähnlich wird hier in vielen Fällen argumentiert: Hunt gehört da nicht rein, Fritz auf die Bank, Merte sei schwächer als Prödl usw. Das dauert eben so lange an, bis das Gegenteil erwiesen ist. Oftmals schon im nächsten Spiel, wenn die entsprechenden Leute nicht einsatzfähig sind oder die geforderten Spieler auch nicht frei von Fehlern sind. Grundsätzlich würde ich mir da einfach mal ein wenig mehr Vertrauen in den Trainerstab wünschen, dieses beurteilen zu können. Man kann ja gerne diskutieren, ob es nicht auch Alternativen gibt. Aber "schlechter als Aaron Hunt/Tim Borowski, kann es Nachwuchsspieler A oder B auch nicht machen", ist einfach kein Argument, wenn man weiß, dass man diesen Leuten auch keinen Gefallen tut, in einer nicht funktionierenden Mannschaft, ihre eigenen Fehler produzieren zu lassen. Das führt unweigerlich wieder dazu, dass man ihnen jegliche Tauglichkeit in Abrede stellt. Ähnlich sehe ich das auch im Falle Arnautovic, von dem sich die eine Seite gleich im ersten Spiel Wunderdinge verspricht und die andere Seite dazu tendiert, ihn als Fehleinkauf einzustufen.
Ich denke mal, dass Thomas Schaaf wissen wird, dass er nicht auf jede Formschwankung reagieren kann und manchmal auch in Kauf nehmen muss, dass einer ein Tal durchlaufen muss, um wieder dorthin zu finden, wo er war oder noch hin soll. Da gilt es dann, das richtige Fingerspitzengefühl zu haben, abzuwägen, wann der richtige Zeitpunkt zu einem Wechsel gekommen ist.
Betrachtet man das alles auf längere Sicht, nämlich der Quote, mit der es ihm gelungen ist, Spieler voran zu bringen, sie ans Top-Niveau heran zu führen (Micoud, Imsael, Diego, Özil, Fritz, Frings, Hunt, Naldo, Mertesacker, Pizarro, Ailton usw.), kommt man nicht umhin, anzuerkennen, dass er da in den meisten Fällen richtig liegt. Alles Spieler, die hier schon ihre Tiefen hatten - aber am Ende alles Leute, die im Gros, der Mannschaft schon richtig weiter geholfen haben. Das verdient nicht nur Anerkennung, sondern auch Vertrauen.