Radsport: Contador positiv getestet

Frage: "Wer ist bei der Tour de France nicht gedopt?"
Das ist doch, unter normalen Umständen, nicht zu schaffen, was die machen. Fahren (2010) 3642 km. Klar, nimmt man da gerne Mittelchen ein. Es wird immer schwerer die zu überführen.
 
das war bei sport-inside - letzten montag glaub ich

In jedem Fall war´s auch am Sonntag in der Sportschau, da hab ich den gesehen. Manzano ist ja ein krasses Beispiel für fehlgeschlagenes Doping. Ich kann mich noch gut an die Etappe erinnern, ich weiß nicht mehr genau, bei welcher Tour, als er nach 30 km kreidebleich und halb im Koma vom Rad gefallen ist. Und während Angermann noch was von Kreislauf gefaselt hat, konnte sich jeder denken, dass der nicht halbgaren Fisch zu sich genommen hatte, sondern ganz was anderes (was war´s eigentlich? Fremdblut? Verseuchte Eigenblutkonserve, ich weiß es nicht mehr).

Jedenfalls halte ich den für eine eminent wichtige und vertrauenswürdige Quelle - seine Aussagen decken sich ja auch mit den öffentlich bekannten Fakten zum Fuentes-Fall. Leider werden wir da aber nie erfahren, wer die Fußballer, die Tennisspieler etc. sind, die auf der Liste neben den Radsportlern zu finden sind (auch wenn wir´s uns denken können...). Die spanische Justiz sowie die ganz hohen Tiere in der spanischen (Sport)-Politik werden kaum zulassen können und wollen, dass sich der gesamte spanische Sporterfolg der vergangenen Jahre (und der ist immens und die mögliche Verbindung zu Fuentes sicher kein Zufall) ein auf einem Dopingsystem eines Madrider Gynäkologen fußender ist.

Aber um das nochmal zu betonen: Hier geht es gar nicht um den Fall Contador oder den Radsport als isolierte böse Dopingwelt in einem ansonsten sauberen Sportuniversum: Das betrifft alle populären Sportarten, die sind alle nicht sauber, inklusive Fußball, bei dem sich Doping doch gar nicht lohnt...

Hajo Seppelt hat im Mittagsmagazin übrigens auch was von Eigenblutdopingverdacht bei Contador gefaselt, hab´s aber nur mit einem halben Ohr mitbekommen...

Im Übrigen glaube ich, dass es noch sehr lustig wird, mit welchen Begründungen sogar die UCI versuchen wird, den Fall tatsächlich zum Nahrungsmittelskandälchen zu machen und unter den Teppich zu kehren - vermutlich hätten sie das ohnehin gar nicht publik werden lassen wollen - wenn es stimmt, dass Contador schon fünf Tage nach der Probe, am 26.7., davon erfahren und mit der UCI gesprochen hat, sind seitdem zwei Monate vergangen, in denen der Herr munter weiter Interviews gegeben hat wie in der Sport-Bild vor kurzem und gleichzeitig (erstaunlich) seine Saison sehr frühzeitig beendet hat...

Edit: Hier übrigens der Sportschau-Beitrag zum Fuentesskandal vom letzten Sonntag:

http://www.sportschau.de/sp/layout/jsp/komponente/mediaseite/index.jsp?id=107181#mbContent
 
Ist ja nicht nur Doping. Gibt ja auch noch Spielmanipulationen, getürkte Boxkämpfe etc. Aber einzig der Radsport, wo egal ob mit oder ohne Hilfsmittel, eine wahnsige Leistung geboten wird (da sind die 90 minütigen Trainingseinheiten unserer Profis ein Witz gegen), steht am Pranger. Und das schon seit Jahren.
Ich find´s schade, werde aber weiterhin die Klassiker und großen Rundfahrten verfolgen.
 
Hajo Seppelt hat im Mittagsmagazin übrigens auch was von Eigenblutdopingverdacht bei Contador gefaselt, hab´s aber nur mit einem halben Ohr mitbekommen...

Ging darum, das man in einer Probe von Contador wohl auch "Weichmacher" gefunden hat, durch die z.B. der Kunststoff von Blutbeuteln schön flexibel ist. Das Finden von Weichmachern ist natürlich kein Doping-Beweis (und bei Nutzung von Infusionsbeuteln auch völlig normal), aber ein sicheres Indiz, das sich Contador irgendwas mit einem Infusionsbeutel zugeführt hat - z.B. beim berühmten Eigenblut-Doping. Darauf basiert auch die These, die ich vorhin irgendwo gelesen habe, das sich Contador in der Vorbereitung mit Clenbuterol gedopt hat und sich dann zu früh innerhalb der Nachweiszeit Blut (mit Rest Clenbuterol) für Eigenblutdoping abzapfen ließ und am Ruhetage der TdF wieder zugeführt haben könnte.
 
Der Rad-Weltverband UCI will die Affäre Contador schnell abhaken und den Spanier offenbar nur für drei Monate aus dem Verkehr ziehen. Wie die spanische Zeitung "El Pais" berichtet, soll die UCI mit dem dreimaligen Toursieger bereits Ende August diesen faulen Kompromiss ausgehandelt haben. Demnach habe es bei einem Treffen in Puertollano kurz nach dem Ergebnis der positiven Dopingprobe eine Verständigung beider Seiten auf eine dreimonatige Sperre gegeben. Voraussetzung sei gewesen, dass Contador eine vorläufige Sperre akzeptiere.

[...]

Laut "El Pais" hatte die UCI ursprünglich geplant, den Fall diskret zu lösen. Bereits am 24. August hatte Contador Kenntnis von seiner positiven A- und B-Probe erhalten. Eine Mitteilung an die Öffentlichkeit, wie es sonst üblich ist, war aber ausgeblieben. Erst als die ARD nach eigenen Recherchen Wind von der Angelegenheit bekommen hatte, wurde der Fall in einer Nacht- und Nebelaktion publik gemacht.
http://www.n-tv.de/sport/Fall-Contador-wird-zum-Skandal-article1629226.html

Würde mich nicht wundern, wenn sich die Öffentlich-rechtlichen nächstes Jahr wieder komplett aus der TdF-Übertragung zurückziehen.
 
http://www.n-tv.de/sport/Fall-Contador-wird-zum-Skandal-article1629226.html

Würde mich nicht wundern, wenn sich die Öffentlich-rechtlichen nächstes Jahr wieder komplett aus der TdF-Übertragung zurückziehen.

Nachzuvollziehen wäre es ja. Die ganze Entwicklung spricht ja auch sowas von gegen die UCI, den Radsport und alle ach so geläuterten Protagonisten. Die spektakulären Dopingfälle sollen entweder möglichst diskret übergangen (Contador, Armstrong) oder so lange in die Länge gezogen werden (Valverde, da hat´s aber im Endeffekt nicht geklappt), bis sie im Sumpf versanden, während die kleinen Fische über die Klinge springen müssen. Das ist durchschaubar, lächerlich und einmal mehr Beweis für die gegen alle Beteuerungen nach wie vor regierenden Kartelle im Radsport. Leider ist auch die WADA nur noch ein Schatten ihrer selbst und überhaupt nicht mehr in der Lage, hier einzugreifen. Eigentlich gibt´s da nur drei Möglichkeiten: 1. Eine tatsächlich von allen Seiten und jeder Sportart akzeptierte übergeordnete sportjuristische Instanz, die jeden Dopingfall weltweit (gleich) behandelt und allein Sperren auszusprechen berechtigt ist, um der unübersichtlichen Gemengelage aus Sportverbänden, NADA´s, WADA, CAS etc. mal Herr zu werden (unwahrscheinlich), 2. eine generelle Dopingfreigabe (auch unwahrscheinlich, weil sich angeblich saubere Sportarten mit Händen und Füßen dagegen wehren würden, in einen Topf mit "den anderen" geworfen zu werden und das wohl auch finanzielle Folgen, bspw. für Organisationen wie IOC, FIFA etc. hätte, oder 3. Status quo (wahrscheinlich, weil damit im Endeffekt alle halbwegs gut fahren können, ab und zu mal einer über den Dopingjordan geht und ansonsten alles weiterläuft wie gehabt (also Gelder, Transfusionen, Verfahren und Sportler). Schade drum, aber diese Affäre beweist ein weiteres Mal, dass der Hochleistungssport von Geschacher und Vertuschung mindestens so abhängig ist wie von Sponsoren und leistungssteigernden Mitteln. Ich fürchte, damit müssen wir uns abfinden - da ändern auch die lobenswerten, immer kritischen Berichterstattungen von SZ oder ARD nichts dran. Radsport rückt in den medialen, eurosportischen Hintergrund, allein: bei aller Konsequenz müssten das die nordischen Ausdauersportarten, die Leichtathletik oder sogar der Fußball auch. Wollen wir das? Keine Ahnung. Was ich will ist, dass sich endlich mal eine Justiz außerhalb Deutschlands (wie das in Ansätzen bei Armstrong ja gerade in den USA passiert) auch ohne strikte nationale Antidopingregelung der Kartelle annimmt und sie auseinandernimmt. Schade nur, dass das in Spanien und mit der UCI unter McQuaid als Marionette von Hein Verbruggen nie passieren wird.
 
Back
Top