Wir haben da (in der CL) nichts zu suchen. Mit viel Glück (und schon da im ersten Anzug mehr als angedeuteten Schwächen) gegen Genua in die Gruppenphase gerutscht, hat heute der zweite Anzug aber mal sowas von gar nicht gepasst. Da spielen eine ganze Menge Konfirmanden in eben jenem Anzug gegen Herren im edelsten Smoking. Und DA liegt doch der Hund begraben: Wir machen uns seit Jahren defensiv auf europäischer Ebene lächerlich, weil wir eine keinesfalls CL-taugliche Bank haben. Und Entschuldigungsparolen a la "Sie haben doch gekämpft" sind in diesem Fall auch nur billige Pillen, die vielleicht die Schmerzen betäuben, aber die Ursachen nicht beheben.
Inter hat in dieser Saison bislang einmal mit vier Toren gewonnen, gegen Bari (derzeit 9. in der Serie A.) Auf dem Niveau befinden wir uns maximal.
Natürlich kann man mit vier fehlenden Stammkräften nicht allen Ernstes auch nur auf einen Punktgewinn bei Inter hoffen - und die Frage, wie das MIT den fehlenden Leuten gelaufen wäre, bleibt hypothetisch. Aber dass sich der Dritte der vergangenen Bundesligaspielzeit in einer solch desolaten Leistung gegen den amtierenden CL-Sieger und italienischen Meister ergibt, entlarvt entweder den vielbe- und versprochenen nicht mehr vorhandenen Leistungsunterschied zwischen Serie A und und Bundesliga als gnadenloses Wunschdenken oder (wahrscheinlicher) den Kader von Werder Bremen als nicht tauglich für Europas Königsklasse. Mann, Leute, wir bewegen uns hier auf dem Niveau irgendwelcher zypriotischer oder ukrainischer Aushilfsvereine und selbst gegen die (Famagusta!) haben wir in der Vergangenheit nicht geglänzt.
Die Frage bleibt, wie man auf eine solche Leistung zu reagieren hat. Sind vielleicht noch in der Sommerpause Fehler bezüglich des Kaders gemacht worden (wo doch der halbwegs vorstellbare Idealfall Özil plus CL=30 Mio. eingetreten ist)? Vermutlich weniger, weil der Markt für einen Verein wie Werder und dessen Spieler-/Preisvorstellungen nicht gemacht ist. Es ging schlicht nicht anders. Verstärkungen sind bis zur Wiedereröffnung des Transfermarkts in der Winterpause ohnehin nicht möglich, Verbesserungen sind allenfalls bei unwahrscheinlich schneller Genesung aller ursprünglichen Stammkräfte (siehe mangelnd tiefe Bank) zu erhoffen, insofern bleibt nur das Prinzip gut Glück, das allerdings auch nicht funktioniert, wenn das Glück von individuellen Fehlern solange gejagt wird, dass es sich nach Schalke verdrückt.
Ich würde gerne den einen oder anderen Kopf fordern, inklusive den des Trainers, aber das würde den Verein (im Mangel an aufgrund des geschlossenen Transfermarkts nicht zu erwerbenden Spielern und auch Trainern im Mangel aufgrund des geschlossenen bessere-Trainer-als-Schaaf-Markts) realistisch betrachtet momentan nicht im Geringsten voran bringen. Wir sind in einer Hope-hope-Situation. Hope, dass nicht zu viel kaputt geht, in den nächsten Wochen (auf Punktekonto, wie auf Spielermuskeln) und hope, dass die Rumpftruppe sich zusammenreißen und motivieren lassen kann. Mir fehlt ein wenig der Glaube, aber wir wären nicht Werder, wenn ich mich nicht sehr schnell bekehren lassen wollte.