Ich finde es schade, wenn zwei so gute Spieler, die bei Werder gespielt haben und für Werder wichtig gewesen sind, hier gegeneinander ausgespielt werden. Das gilt für beide Parteien und besoders dann, wenn es ins persönliche geht, sowohl gegnüber dem Diskussionsgegner als auch gegenüber dem Lieblingsspieler des Diskussionsgegners.
Leider geht innerhalb einer solchen Streiterei auch immer wieder unter, dass
ja auch immer wieder beide Parteien zeigen, dass sie sehr wohl in der Lage sind, auch die Leistungen ihres Nicht-Lieblings anzuerkennen.
Letztlich glaube ich auch, dass man einen Fehler macht, wenn man Diego und Özil zu sehr vergleicht. Beide hatten ihre Vorzüge -Özil eher im mannschaftlichen Berein, Diego eher im individuellen Bereich. Das heisst aber nicht, dass Özil nicht auch selbst gute Aktionen gehabt hätte oder Diego komplett egoistisch gespielt hätte (seine Defensivarbeit beispielsweise hat mir immer gefallen).
Ich sehe ähnlich wie Mick 666, dass Özil eher als Micoud das Potential hatte, Werder insgesamt stärker zu machen (und glaube, dass es damit zusammenhängt, dass Özil heute bei Real Madrid spielt und Diego bei Wolfsburg). Was ich in diesem Zusammenhang schade finde, ist, dass es häufig als ausschließlich positive Eigenschaft gewertet wird, wenn ein Spieler "das Spiel an sich reisst" "präsent" ist, viele Ballkontakte hat usw.
Diegos Spiel hatte auch seine problematischen Seiten.
Auf der anderen Seite denke ich, dass dies schon Eigenschaften sind, die nutzbringend eingesetzt werden können, in Form von Verantwortung übernehmen. Und auch das hat Diego bei Werder häufig vorbildhaft getan und hier könnte Özil auch noch viel von ihm lernen. Es ist ja auch nicht so, dass Özil sich im internationalen Fußball endgültig durchgesetzt hat. Das hat sicher mit Talent und fußballerischen Eigenschaften zu tun, aber auch mit Glück zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein (das Diego auch fehlte außer bei Werder) und auch mit persönlichen Fähigkeiten, wo ich eindeutig Diego im Vorteil sehe. Er wäre beispielsweise eindeutig ein besserer Kapitän und hat in relativ jungen Jahren schon eine Reife wie andere über dreissig. Ich würde mir wünschen, dass er einen großen Verein fände, dessen Trainer stark und in der Lage wäre, Diego so einzusetzen, dass er seine spielentscheidenden Fähigkeiten nutzen kann ohne dass er das ständig präsente und berechenbare Zentrun des Spiels ist.
Aber ich bin auch nicht so karriereorientiert wie andere und habe auch große Hochachtung vor Spielern, die bei einem mittleren Verein wie beispielsweise Werder zentrale Spieler, vielleicht Kapitän werden und die man lange mit den Erfolgen dieses Vereins in Verbindung bringen kann.
Und ich würde beispielsweise vermuten, dass dies bei Werder eher mit Diego passieren wird als mit Özil.
Aich ein Micoud hat, wenn man nach Status, Rang und Zahlen geht, keine ganz große Karriere gehabt, er war bei keinem Weltverein, hat nicht allzuviele Länderspiele. Aber die Erfolge bei Werder (und wahrscheinlich auch davor bei Bordeaux) werden immer mit seinem Namen verbunden bleiben.
Özil dagegen war bei allem Talent als Person lange nicht so weit. Ich würde ihm wünschen, wenn er sich bei Real Madrid durchsetzen würde und es sieht ja erstmal nicht schlecht aus.
Aber er neigte auch dazu sich auf und außerhalb des Feldes ab und an zu verstecken. Typisch war sein Umgang mit seinem Wechselwunsch, der natürlich legitim war, aber bei dem er auch zeigte, dass er kein allzugroßes Interesse an etwas bei Werder hatte, das über das samstägliche Fußballspielen hinaus ging.
Er war bei Werder wenn man so will ein Dienstleister in Sachen Fußball.
Das Problem bei Diego war, wie Karlotto schon schön gesagt hat, dass seine Stärken auch seine Schwächen waren und dass er, so sehr er Werder oft geholfen oder gerettet hat, im Endeffekt auch ein Mosaiksteinchen war, Werder in seiner Entwicklung zu hemmen. In dem Maße, wie er Verantwortung übernahm, nahm er sie anderen ab.
In Brechts "Leben des Galilei" heißt es an einer Stelle "Unglücklich das Land, das keine Helden hat!" und die Antwort (ich glaube von Galiliei) ist: "Unglücklich das Land, das Helden nötig hat!".
Beides ist je nach Situation richtig, beides beschreibt sehr schön die Siuation Werders mit Diego.
Unbewusst hat auch Paul Tergat hier dieses Dillema beschrieben, ich fand in einem seiner Beiträge den folgenden schönen (freudschen?

) Verschreiber:
Unbewusst sehr schön gesagt.
Aus meiner Sicht kann man die Frage, ob man Diego oder Özil vorzieht, aus meiner Sicht letzten Endes relativ einfach beantworten (wobei natürlich subjektive Meinungen immer eine legitim große Rolle Spielen werden) und zwar je nachdem, welche Frage man stellt:
Fragt man (tendenziell einen neutralen Fußballfan), wer eher den modernen Fußball verkörpert, wer mit seinem Fußball vielleicht eher einen Verein wie Real, Barca, ManU oder den AC Mailand bereichern kann, wer begehrter sein wird, dann ist es wahrscheinlich Mesut Özil.
Fragt man (tendenziell einen Werderfan), wer wichtiger für Werder war, wer sich eher in die Geschichtsbücher des Vereins eingetragen hat, an wen die Werderfans in zehn oder zwanzig Jahren noch zurückdenken, dann wird die Antwort eher Diego sein.
MFG dkbs