Es bleibt aber dabei, dass beide Projekte nur bedingt zu vergleichen sind.
Die Umwandlung in ein reines Fußballstadion unter Erhöhung der Kapazität hätte in Bremen über 100 Mio EUR verschlungen. 68 Mio in der ersten Bauphase (Errichtung eines 3. Ranges, des neuen Dachs und Installation neuer Flutlichter unter dem Dach), mindestens weitere 30 Mio beim späteren heranziehen der Kurven.
Werder muss dabei leider auf einen langfristigen Partner wie Mercedes-Benz verzichten, der für 30 Jahre mal eben 20 Mio abdrückt. Der Rest wird aus einer neu zu gründenden Gesellschaft finanziert, die aus Stadt und Verein besteht (Wohl ähnlich wie die BWS). Zu welchen Teilen hier nun genau eine Kostenbeteiligung erfolgt, ist mir leider nicht bekannt.
In Stuttgart wird der Umbau zwar "nur" mit ca. 73 Mio beziffert (andere Zeitungen berichteten übrigenes von 93 Mio), jedoch werden hier im Vergleich zu Bremen auch auf mehrere Maßnahmen verzichtet.
Zum Beispiel wird in den Innenraum einer Kurve eine Sporthalle integriert (Ähnliches haben wir schon unter der Süd) - die Katakomben der anderen Kurve bleiben aber vollständig ungenutzt. Eine weitere Komfortsteigerung für den "kleinen" Fan gibt es nicht, abgesehen von der Fan-Kneipe (die wir bereits in Form des OKS haben). Ergo: keine Verbesserung im Catering, in den sanitären Anlagen, keine Erweiterung der Fanshops, keine Aufenthaltsräume, Veranstaltungsräume oder sonstiges.
Gerade die Nutzung des Mantelbaus ist einer der wichtigsten Beweggründe gewesen, in Bremen ein reines Fußballstadion zu schaffen. Neue sanitäre Anlagen in der West sind überfällig, denn regelmäßig beschweren sich Gästefans über überschwemmte Toiletten und lange Schlangen davor. Diese gibt es übrigens zu Stoßzeiten auch in der Ost. Die Ausweitung des Catering-Angebotes ist ein weiterer Punkt, der uns einen großen Vorteil verschaffen wird. Auch hier werden die Wartezeiten regelmäßig kritisiert.
Wir sollten nicht vergessen, dass dies Punkte sind, die uns als Fan direkt betreffen und wir einen direkten Nutzen daraus ziehen. Auch sind dies in der Vergangenheit immer wieder Kritikpunkte gewesen, die auch z.T. laut geäußert wurden. Sobald sich eine Lösung abzeichnet, kommen die Themen komischerweise nicht mehr auf den Tisch. Wichtig sind scheinbar immer die Dinge, die es nicht gibt und die man dann anprangern kann.
Nun werden diese Missstände eben beseitigt, und das kostet ebenfalls.
Die Integration von Logen und somit die nachhaltige Sicherung wichtiger Einnahmen ist ebenfalls ein Unterschied zum Stuttgarter Modell, das diese Möglichkeit unberücksichtigt lässt. Sicher, davon haben wir als Fan primär nichts. Aber auch ein Verein muss sehen, dass sich gewisse Ausgaben irgendwann amortisieren. So wenig ich zum Beispiel Herrn Hoeneß mag, so hat er mit seiner Wutrede leider reicht gehabt, als er die Bedeutung der Logen für einen Verein hervorhob.
Werder hätte die erste Baustufe des ursprünglich angedachten Modells ebenfalls für 68 Mio realisieren können und hätte dabei einen ähnlichen Effekt erzielt wie die Stuttgarter - Hauptsache Kapazitätserhöhung.
Aber wann wäre der zweite Schritt erfolgt? Wie lange hätten wir die Beeinträchtigungen hingenommen? (Stützpfeiler in den Kurven, nach hinten offene Oberränge, warten auf den Tribünenneubau in den Kurven).
Hier scheiden sich die Geister.
Außerdem sollten wir vom Äpfel-Birnen-Vergleich wegkommen, dass das was in Stadion A geht, zwingend auch in Stadion B gehen muss. Schonmal darüber nachgedacht, dass in den verschiedenen Stadien unterschiedliche statische Voraussetzungen herrschen? Kleines Beispiel: Stuttgart konnte zur WM einen Oberrang unter das bestehende Dach der Gegengeraden bauen, in Bremen ist dies nicht ohne weitere (kostenintensive) Maßnahmen möglich (Dachkonstruktion, weitere Nutzung des Mantelbaus).
Natürlich ist für den Fan die Begründung am einfachsten, dass in Stuttgart vernünftig gearbeitet wird und in Bremen nur Graupen am Schreibtisch sitzen. Gut, das muss jeder für sich entscheiden.
Und wer den Preisanstieg u.a. beim Stahl immer noch als Vorwand sieht und in den Bereich der Fabeln verdammen möchte, stattdessen weiterhin allein mit stümperhaftem Verhalten in der Werder-Chefetage argumentieren möchte, der benutzt seine Zeitungen wohl seit einiger Zeit nur zum anfeuern seines Kamins.
Niemand muss meine Meinung dazu teilen.
Aber ich sehe den Umbau weiterhin als Schritt nach vorn, um einerseits deutliche Schwachstellen zu entfernen, den Komfort und die Stimmung im Allgemeinen zu verbessern und andererseits nachhaltiges Ertragspotenzial (Logen, Solarzellen) zu nutzen.
Dabei sehe natürlich auch ich die fehlende Erweiterung als großen Wermutstropfen an, bin trotz entsprechender Statements aber weiterhin davon überzeugt, dass sich mittelfristig Möglichkeiten einer Kapazitätserweiterung auftun werden.
Wen die jetzige Planung immer noch deprimiert, der kann ja beantragen, dass jetzt sämtliche Schaufeln fallengelassen werden. Das ist die einzige Alternative, denn die Komplettlösung wird es nunmal nicht geben. Aus Kostengründen, nicht weil nur Stümper gearbeitet haben.