@ basti
Ich weiß es nicht. Ich hab irgendwie das Gefühl, wir reden allesamt aneinander etwas vorbei...
Ich will nochmal einen neuen Anlauf versuchen...
Zunächst hat natürlich niemand Werder mit Vereinen wie Mainz oder Köln (wobei der FC strukturell weitaus mehr Potential hat als genutzt wird

) auf eine Stufe stellen wollen. Da sprechen schlicht alle relevanten Fakten dagegen. Umsatzvolumen, Investitionsvolumen, sportliche wie wirtschaftliche Erfolge, um es kurz zu machen.
Aber imho sieht man gerade in der Umsatzdarstellung, die Du hier dankenswerter Weise heraus gesucht hast, dass wir gegenüber der Konkurrenz, die sportlich auf Augenhöhe (teils sogar etwas unterlegen) ist, strukturell noch Nachholbedarf haben, weil eben Werders Umsatzmix erfolgsabhängiger ist als der anderer Vereine.
Ganz wichtig ist, sich hierbei zu vergegenwärtigen, wie die Umsatzentwicklung Werders aussah, wie der Rekordumsatz zu Stande kam und (generell) in welchen Bereichen sich sportliche Erfolge am stärksten auswirken.
Mit einem neuen Rekordumsatz von 114,7 Mio. Euro in der Saison 2008/09 hat der SV Werder Bremen zum zweiten Mal den Sprung in die Football Money League geschafft. Nachdem zwar in der Bundesliga nur der 10. Platz erreicht wurde, trugen jedoch insbesondere der sechste Gewinn des DFB-Pokals und das Erreichen des UEFA Cup-Finals gegen Schachtjor Donezk, in dem Bremen nur knapp in der Verlängerung verlor, zu der positiven wirtschaftlichen Entwicklung bei. Der bedeutende Umsatzanstieg um 23,7 Mio. Euro (26%) ist insbesondere auf die erhebliche Steigerung der Erlöse aus den Medienrechten um 13,9 Mio. Euro (29%) auf 61,2 Mio. Euro zurückzuführen. Dabei stellten die gesamten Erlöse aus der TV-Zentralvermarktung der UEFA i.H.v. 29,3 Mio. Euro, die sich wiederum aus den Ausschüttungen für die Champions League (22,3 Mio. Euro) und den UEFA Cup (7,0 Mio. Euro) ergeben, fast die Hälfte
der gesamten TV-Erlöse dar.
Kurz: Der Rekordumsatz war v.A. der CL-Teilnahme, dem Uefa-Cup-Finale und dem Pokalsieg geschuldet. Schaut man sich den gesamten Bereich Medienrechte an, ist der Gesamtanteil bei Werder bei überragenden 54%, weitaus höher als bei allen anderen deutschen Vereinen. Man muss hier also beachten, dass es aus Werdersicht ein ganz besonderes Jahr war, was so kaum regelmäßig zu wiederholen ist.
Schalke indessen liegt hier trotz des frühen Aus in der CL bei in toto 125 Mio. € Umsatzerlösen, wobei die Medienrechte (also der Pool, in den das Grand der Erlöse aus internationalen sportlichen Erfolgen fließt), nur bei 34 Mio. € lagen.
Wie in der letztjährigen Ausgabe der Football Money League prognostiziert, konnte der FC Schalke 04 durch das Ausscheiden in der dritten Qualifikationsrunde der UEFA Champions League seinen Rekordumsatz aus der Vorsaison nicht wiederholen und musste einen Umsatzrückgang von 23,9 Mio. Euro (16%) auf 124,5 Mio. Euro hinnehmen, der den FC Schalke in dieser Analyse auf Position 16 wiederfinden lässt.
Die verlässlicher planbaren Umsätze aus Sponsoring, Merchandising, Zuschauereinnahmen sind also deutlich höher als bei Werder.
Ähnlich sieht es beim HSV aus, wo der Anteil der Medienrechte doch eher gering ist:
Die TV-Erlöse des Hamburger SV sind zwar um 24% auf 35,6 Mio. Euro gestiegen, allerdings bedeuten sie den dritt-niedrigsten Wert unter den Top 20 Football Money League Clubs. Dies verdeutlicht einmal mehr den großen Unterschied zwischen den medialen Erlösen, die durch die Teilnahme an der UEFA Champions League generiert werden im Vergleich zu denen des ehemaligen UEFA-Cups. Gleichzeitig zeigt dies auch das wirtschaftliche Potenzial des HSV bei Erreichen der europäischen Königsklasse, denn trotz der Teilnahme am Halbfinale im UEFA-Cup erhielt der HSV nur 3,7 Mio. Euro durch die TV-Zentralvermarktung der UEFA.
Auch hier sind in den sportlich eher weniger erfolgsabhängigen Bereichen Spieltag und sonstige Erlöse teils astronomische Vorteile gegenüber Werder zu verzeichnen.
Also imho sind dies recht klare Indikatoren dafür, dass Werder mindestens bezogen auf diese Vereine sportlich auf Augenhöhe sein mag, in Punkto grundlegender "natürlicher" Wirtschaftskraft (sprich grundlegende Umsatzleistung bei ausbleibendem sportlichem Erfolg) aber trotz Wachstums der letzten Jahre noch teils deutlichen Nachholbedarf hat.
Schaue ich mir nun die Borussia an, habe ich ohne dies genauer zu analysieren, selbst hier noch ein ähnliches Gefühl, wenn ich mir die Zahlen anschaue, wobei dieser Nachteil nicht ganz so groß sein sollte wie bei besagten Vereinen. Stuttgart, Leverkusen, Wolfsburg sind hier leider nicht mehr enthalten, von daher kann man hier keine Aussage treffen.
Und eines ist mit Obigem nun noch gar nicht angesprochen: Der von Eisbaer genannte Aspekt, dass über die Erhöhung von Verbindlichkeiten direkt oder indirekt Spielertransfers finanziert werden, wie es bei manchem Verein Usus ist...