Waren ein Abgeordneter der DDP, der entgegen einer vorherigen Ankündigung dem NS-Ermächtigungsgesetz zustimmte (Thedor Heuss), jemand, der im 3. Reich Baupläne von Zwangsarbeiter mit seiner Unterschrift genehmigt hat (Heinrich Lübke), ein ehemalliger Bundesjustitzminister, der die umstrittenen Notstandsgesetze anläßlich der Studentenunruhen 1968 befürwortete (Gustav Heinemann) und ehemalige NSDAP- (Scheel, Carstens) und SA-Mitglieder (Carstens) für das Amt des Bundespräsidenten etwa tragbarer?
Heuss hat aus Fraktionsdiszplin zugestimmt. Hat sich zuvor in der DDP und auch der Fraktion aber deutlich gegen das Ermächtigungsgesetz ausgesprochen. In der NS-Zeit wurden ihm immer wieder seine Tätigkeiten durch die Nazis verboten. Heuss hat maßgeblich das Grundgesetz mitentworfen und hat als Bundespräsident eine herausragende Rolle gespielt.
Scheel war, so wie die meisten der 8 Mio Parteimitglieder, ohne jegliche Funktion. Er war sicher kein überzeugter Nazi, sondern ist wohl eher Mitglied geworden, um keine Nachteile zu erleiden. Sicherlich nicht besonders mutig, aber durchaus verständlich.
Heinrich Lübke war als Angestellter eines Architektur- und Ingenieurbüro tätig. Er war soweit ich weiss nie Mitglied einer Naziorganisation. Wurde wohl auch von den Nazis eine Zeit lang in Haft gehalten.
Heinemann hat sich unter Einsatz seines Lebens gegen die Nazis aufgelehnt und war gegen die Wiederbewaffung der Bundesrepublik. Denke der Vorwurf gegen ihn den Notstandsgesetzen zugestimmt zu haben, wiegt bei seiner tiefdemokratischen Überzeugung wohl nun wirklich nicht schwer.
Man sollte die Vergangenheit und die Gegenwart von Leuten schon genau betrachten, um sich ein Urteil zu bilden. Der deutsche Moralapostel vom Dienst, der es nicht unterlassen konnte über alle vorgenannten zu schimpfen, Günther Grass, selbst war Mitglied der Waffen-SS.
Wenn ich in der aktuellen Debatte über einen möglichen Kandidaten eines Bundespräsidenten diskutiere, dann betrachte ich seine aktuellen oder kürzlich zurückliegenden Tätigkeiten. Und jemand, der troztz eines exorbitanten Schuldenberges, eine halbe Millionen Euro öffentliche Gelder am Parlament vorbei an eine Stiftung gibt, deren Kuratorium er zu der Zeit selbst saß, der ist in meinen Augen schlicht nicht tragbar.
Dito
Blätter mal ein paar Seiten zurück, dann wirst du sehen, dass meine Vorschläge aus drei verschiedenen Parteien stammen ;o)