Personell hat er umgestellt (Hunt, Almeida), aber nicht vom System (defensiv) her. Vielmehr hat er Özil auf der Almeida Position spielen lassen und Hunt ins Mittelfeld mit defensiver Ausrichtung gesetzt, wo sonst etwas offensiver Özil spielt. Das hat er deshalb gemacht, weil links Boenisch und Boro den Robben gedoppelt haben (zumindestens die ersten 25 Min.) und rechts Fritz und Hunt den Ribery (zumindestens die ersten 10 Min.) dann hatte Hunt kein Bock mehr

Im Kopf bei Schaaf war immer noch eine generell defensive Ausrichtung.
Eine Umstellung von Almeida auf Özil im Sturm, bringt selbstverständlich eine strukturelle Umstellung im System mit sich. Es handelt sich um zwei völlig unterschiedliche Spielertypen, die alleine im Anspiel schon völlig anders funktionieren. Özil in den Sturm zu stellen, halte ich immer noch für die größte Verfehlung Schaaf´s in jenem Spiel. Das hat bei der U21 nicht funktioniert und hier hat es das in den wenigen Versuchen auch nicht. Desweiteren ist Hunt kein Spielgestalter, was auch sein Potential verpuffen ließ. Muss man nicht teilen, diese Meinung, sehe ich aber so. Hunt ist ein klassischer Fall für die Halbposition, der dort am stärksten ist, wenn er einen Özil oder ähnlichen Spielertypen, zur Seite hat. Dort wirkten beide (Özil und Hunt) deplatziert und überfordert. Ich hoffe inständig, dass in diese Richtung keinerlei weiterer Versuche unternommen werden.
Das ist eine Frage der Sichtweise, ob er nun umgestellt hat oder nicht. Du sagst er hat flexibel umgestellt, ich sage er hat das System beibehalten und die Spieler dafür "geopfert" umgestellt. So das keiner mehr wußte wie er die neue Position umsetzen soll. Eigentlich Doppelschlimm, da ich schon häufig beobachtet habe, daß wenn bei Werder das System nicht greift, die Spieler nicht in der Lage sind flexibel umzudenken. Die Umstellungen und Impulse kommen immer von draußen. Das hängt mit der dogmatischen Systemvorgabe von TS zusammen. Vorteil, sagte ich bereits, Sicherheit und Entwicklungspotential und wenn die Mechnismen greifen, Sieg fast vorprogrammiert. Nachteil: Völlige Verunsicherung wenn der Gegner die ideale Gegentaktik hat oder das System nicht umgesetzt werden kann, wie gegen Bayern.
Gut, Taktik ist die eine Seite, Einstellung eine andere. Jede Taktik ist schon verloren, wenn die Aufgaben nicht aufgenommen werden (können). Auch mit dieser Taktik, hätten wir besser spielen können. Da sind wir uns hoffentlich alle einig. Ob die Taktik richtig oder falsch war, braucht im Grunde ja auch nicht weiter ausdiskutiert werden, weil sie ganz offensichtlich nicht griff. Ich frage mich anhand der blutarmen Darstellung dennoch allen Ernstes, ob eine andere Vision des Trainers vom Spiel, zu einem völlig anderen Ergebnis geführt hätte. Wären dann automatisch alle mehr gelaufen, hätten die Zweikämpfe gewonnen (oder überhaupt erst angenommen?) und wäre vorne effizienter gewesen? Das sind ja alles Grundvoraussetzungen, um ein Spiel erfolgreich zu bestreiten, unabhängig von der Ausrichtung.
Wir beherrschen nunmehr zwei Systeme und deshalb stimmt es schon, daß TS sich weiterentwickelt hat. Wir beherrschen Raute im 4-4-2 und ein etwas defensiveres 4-5-1, aber immer noch sehr offensiv interpretiert. Gegen Schalke haben wir ein drittes System kennengelernt, ein defensives 4-4-2. Da spricht schon dafür das Schaaf taktisch etwas ausprobiert. Aber nochmal, die defensive Schalke Taktik hätte sogar meine Oma in Ihr Tischdeckchen gehäkelt. Es geht mir um die Dauer, die TS an einem System festhält. Gegen Hamburg war das schon Grenzwertig, das gleiche defensive 4-4-2 zu spielen. Und gegen Bayern vollkommen falsch. Man könnte jetzt meinen, er hätte gegen Bayern ein Neues System erfunden (Umstellung Hunt/Almeida), ein sehr defensives 4-5-1 und das würde ich auch unter anderen Umständen unterstreichen. Nur leider hat Özil einen klassischen Stürmer interpretiert und deshalb war es m. M. n. immer noch das defensive 4-4-2 aus dem Schalke und Hamburg Spiel. Ich bin nach ca. 15 im Stadion zu dem Schluß gekommen, daß er das System unbedingt beibehalten wollte und die Spieler dementsprechend von Ihren angestammten Positionen heruntergenommen hat. Und dann zeigt Werder in der Regel sein peinlichstes Gesicht. Das wird dann fast als charakterlos interpretiert. Ist aber einfach der Tatsache geschuldet, das der Werder Spieler von TS zu einem systempraktizierenden Spieler erzogen wird und nicht zu einem systemgestaltenden. Wie gesagt, das hat auch seine Vorteile, nur nimmt es auch Flexibilität und bei entsprechender Antitaktik ist die Niederlage fast vorprogrammiert. Aber das ist woanders auch nicht anders. Jeder Trainer will seine Maßgaben umgesetzt sehen. Es geht wie gesagt um die Dauer und gegen Bayern wäre unser geübtes 4-5-1 definitiv die bessere Variante gewesen! Sowas kann man auch mal antizipieren!

Sehe ich ebenso. Man könnte den Eindruck gewinnen, TS würde dazu neigen, mehrfach mit der gleichen Taktik auf zu laufen, sobald diese einmal Erfolg hatte oder ein System so lange durch zu pauken, bis es Erfolg hat, weil er davon überzeugt ist.
Jedoch hätte auch das Schalke-Spiel schief gehen können, vom Spiel gg. Hamburg ganz zu schweigen. Da hätte er schon sehen müssen, dass es so nicht gegen jeden Gegner funktionieren kann. Das war, wie schon beschrieben, allerdings auch der Personalsituation geschuldet. Insofern sehe ich da eher eine Teilschuld bei TS.
Ich sehe auch schon das TS lernt, insb. seit dieser Saison. Trotzdem muß dieser Lernprozeß weitergehen, denn wenn ich schreibe "Stillstand ist Rückschritt", dann meine ich immer das "JETZT". Und schon nächste Saison werden wieder viele Vereine versuchen und die CL Teilnahme abzunehmen. Außerdem beobachten sehr viele Menschen anderer Vereine unsere Spielweise und es gibt nunmal nicht die generelle Taktik oder System, daß sich gegen alles und jeden durchsetzt. Vielmehr ist die situative Antizipation gefragt und das ist sein Lernfeld!
Erstmal wird es darum gehen, die Voraussetzung für mehr Flexibilität zu schaffen. Wir haben angesichts der Personalsituation, eine Menge geschafft in diesem Jahr. Auch weil wir flexibler spielten und dadurch unausrechenbarer wurden. TS selbst sagte ja bereits, dass er mit diesem Kader, nicht drei Wettbewerbe bis zum Schluss erfolgreich bestreiten kann. Das ist mal eine sehr offensive Aussage, was die Personalpolitik betrifft, was man in dieser Form gar nicht von ihm gewohnt ist. Sie zeigt aber auch, dass es ihn wohl selbst auch nervt, trotz der Erfolge, nicht so handeln zu können, wie es in seiner Vorstellung schon geschieht. Auch sagt er, dass das Ausscheiden aus der EL, uns die Chance gab, in der Liga weiter aufzuholen. Und das kann´s letztlich auch nicht sein: Wir wollen doch in allen Wettbewerben konkurrenzfähig und bis zum Schluss dabei sein.
Ich komme zu dem Schluss, dass es allein an TS nicht liegt, weshalb wir in jedem Jahr, den einen oder anderen Wettbewerb unfreiwillig vernachlässigen müssen. So viele Baustellen kann man über 60 Spiele nicht kompensieren. Daher bin ich jetzt wirklich gespannt, was in diesem Sommer passieren wird. DASS etwas passiert, steht sicherlich außer Frage.