Das manche nicht glauben "können", glaube ich auch. Und ich finde das auch verständlich.
Nach wie vor habe ich aber den Eindruck, dass du zu eindimensional über Religion denkst.
Beispiel: Gerade heute glauben viele Christen aufgrund ihrer Vereinbarung aus Religion und Wissenschaft nicht an Adam und Eva. Ebenso hat der Mensch dann konsequenter Weise auch keine Erbsünde, da es ohne die Existenz Adam und Evas diese auch nicht geben kann, logisch.
An Jesus glaubt man trotzdem. Das beeinhaltet ja das Wort "Christ". Der Glaube an die Schöpfungsgeschichte ist dem aber nicht zwangsläufig mit beinhaltet.
Und trotzdem stirbt Jesus zur vergebung einer Erbsünde, die man aber evtl. gar nicht hat. Wie geht das?
Möglichkeiten, das zu lösen, wäre z.B. die Annahme, dass Jesus für die Tatsünden, d.h. Sünden, sprich: Fehler, die jeder Mensch in seinem Leben begeht, gestorben ist. Theoretisch könnte die Überlieferung der Erbsünde auch darin bestehen, dass jeder Mensch insofern Sünde erbt, dass er selber Fehler begeht. Spekulatius.
Wesentlich beim Tod Jesu ist aber, dass grundsätzlich Sünden vergeben werden. Tatsünden, über die man nicht reden braucht, denn die gibt es. Es gibt aber auch noch andere bedeutungen, z.b. die symbolische Bedeutung dessen, dass Gott durch den Tod seines Sohnes, in dem auch er ist, nunmit auch im Tod ist und seine Liebe somit stärker ist als der Tod und das Bündnis zum Menschen somit nicht abgerissen ist.
In Religionen läuft viel über Semantik und Symbolik. Die Vorstellung, dass die Bibel quasi ein Geschichtsbuch repräsentiert, die erzählt, was Gott wann exakt wie gemacht hat, und der Mensch daran glaubt oder nicht glaubt, stimmt so nicht.
Des Weiteren ist die Theorie, dass das Menschengeschlecht durch Adam und Eva eine Erbsünde trägt, die durch jesus mitvergeben wurde, auch nur eine individuelle, wenn auch weit verbreitete These kirchliche Theologen, aber kein christlicher "Glaubensgrundsatz".
Was ich zeigen will: Religionen - in der hier dargestellten Form von Gottesglaube, kirchlichen Zusammenschlüssen, Monotheismus - haben einzelne Grundsätze, denen sich auch jeder der Religion in der Regel anschließt. Im Christentum sind dafür z.B. Nächstenliebe oder Vergebung der Sünden Beispiele. Vieles andere ist da subjektiver. Und ich kann auch manches nicht glauben, was andere Christen/Religiöse/Ethiker glauben.
Im Prinzip geht es uns beiden da doch recht ähnlich, Roy. Wir glauben beide (Nichts glauben ist auch ein Glaube), können manches andere aber nicht glauben. Nur das Ausmaß ist da unterschiedlich.