Zahlt man nun den Preis ….für eine Philosophie, die auf Variabilität, weniger auf Stabilität gesetzt hat?
Ich denke, der Fisch stinkt vom Kopf!
Filbry macht aus Bremen ein Wirtschaftsunternehmen, in dem von oben nach unten "modernisiert" wird, sowohl auf Kosten als auch auf "Effektivitäts-"Seite. Die "Familie" Werder wurde so zu einem großen "Interessenverein" umgemogelt, wo möglichst viel mit möglichst wenig erreicht werden sollte. Wie es aussieht, wird diese auch in den letzten Jahren geltende "kaufmännische" Maxime, dieses Jahr k(l)eine Früchte tragen.
Ob Transfer, Spielsysteme, Gehälter oder Ticketpreise - die Marke Werder leidet an Profilneurose, an der Sehnsucht nach Dynamik aus Verwandlung, die zugegeben nicht neu ist, aber dieses Jahr den Abwärtstrend meiner Meinung nach mit verursacht.
Bsp: Transfer - Ich erwähne nur die Namen Rosenberg, Harnik und Wagner, Arnautovic. Ein Tausch von Erfahrung gegen mögliche Zukunftsmusik, die sich nicht mit dem Spielsystem erklären lässt, nur mit dem Streben nach einer kostengünstigeren und "variableren" Spielidee.
Bsp: Spielsystem - ob mit 2 Defensiven oder 2 Stürmern - die Flexibilität hat - die Verletzungen mit berücksichtigt - keinen Erfolg gezeigt! Das einzig Schaafsche (Ur-)Vertrauen in formkriselnde Spieler und Systeme ist weg, vertrauen können die Spieler einzig darauf, dass nichts mehr sicher ist. Flexible Spielweise hin oder her, den Vorteil ein eingespieltes Team vom Vorjahr nur auf wenigen Positionen verändern zu müssen, hat man sich Spiel für Spiel, Aufstellung für Aufstellung verspielt.
Bsp Gehälter - was auch immer an dieser Geschichte stimmt, aber der Schuß ging wohl nach hinten los. Wenn der Kontostand für im Training gezeigte Leistung und mannschaftlichen Erfolg herhalten soll, dann wird der ein oder andere Führungsspieler obsolet (-was kann er denn auch dafür/dagegen tun-), dem Mannschaftsgefüge an sich wird unterstellt, es könne effizienter, wenn sie nur wolle. Der Effekt für den Mannschaftszusammenhalt ist - man schaut erstmal auf sich.
Bsp Ticketpreise - Die Wahrnehmung der Fans von Vereinsseite aus - ohne Kommentar. Es erklärt fast von selbst, wie Anspruch und Wirklichkeit in diesem Verein verloren gegangen sind. Hauptsache das Eventmarketing im Stadion erreicht auch im neuen Stadion die volle Lautstärke. Der Preis für 2 Stunden Unterhaltung am Dienstag-Abend soll zukünfitg Spitzenerlöse bringen – wen stört es schon dass wohl keins der 3 CL-Heimspiele ausverkauft sein wird, obwohl das Stadion nichtmal volle Kapazität erreicht! Die Fans müssen eben flexibel sein, mitmachen, oder es sein lassen. Das vorhandene Selbstbild einer deutschen Spitzenmannschaft in der Champions-League, die mit einem Sparkurs und variablen Spielmöglichkeiten die Saison meistert (und nebenbei Gewinn macht!), hat sich meines Erachtens böse gerächt.
Hat man sich vielleicht mit der Zusammenstellung der Mannschaft verspekuliert? Hat sich Schaaf mit seiner Spielidee verspekuliert? Nein – nur ist aus dem Umbau nichts gewachsen, Werder ist eher kompakter geworden, oder auch flexibler. Und wer hat dies wirklich zu verantworten?
Faktoren wie Verletzungen, WM, individuellen Fehlern, tatsächlichen Sparzwängen, Stadionumbau, Teamumbau spielen hier natürlich mit rein - was bei Werder aber hoffentlich immer noch jeder weiß - wir sind nur spitze, wenn wieder Vertrauen als Vorschuss ausgezahlt wird! Werder war spitze, weil die Familie funktionierte.
Nicht zu vergessen natürlich: Ohne Naldo, Borowski, Boenisch fehlen wichtige, weil intelligente und erfahrene Spieler, deren Ersatz (Prödl, Silvestre, Bargfrede) momentan zu wankelmütig und nicht fest genug im Kader verankert sind. Ein blöder Zufall oder zu vertraute Mechanismen? Es kommen keine Spieler nach, die mal für das Spielsystem (welches?) ausgebildet sind. Eigentlich können ja alle immer alles. Die Amateure als Aufbau-Team sind hierfür völlig mit der Saison überfordert, und ohne Erfolgserlebnisse ist sich auch schwer zu empfehlen - nach dem Abgang von Wolfgang Werner sieht es zudem recht mau aus mit dem Nachwuchs.
Also, die Saison kleine Brötchen backen. Aber ab Winter sollte sich zeigen, ob zumindest bis zum nächsten Herbst wieder MITeiander gearbeitet wird, und ob dies mit dem verordneten flexiblen Gedanken vereinbar sein wird.