Ich erklär Dir nochmal kurz die Ausgangslage vor dem gestrigen Spiel:
1. Der Gegner war mit Russland ein äußerst spielstarkes Team mit einem anerkannt sehr guten Trainer auf der Bank; also ein Gegner auf Augenhöhe.
2. Diesem Gegner musste man auswärts begegnen vor 75.000 Zuschauern
3. (und am wichtigsten): Deutschland ist mit einem Punkt mehr in das Spiel gegangen, was bedeutete, dass die Deutschen mit einem Unentschieden wesentlich besser hätten leben können als die Russen.
Was wäre also Deiner Meinung nach die richtige Taktik gewesen? Hurra-Fußball nach vorne, versuchen, nach einer Viertelstunde 3:0 zu führen und dann endgültig überrollen? Oder defensiv abwartend, den Gegner kommen lassen und sein Heil in gezielten Angriffen (der berühmten kontrollierten Offensive) zu suchen?
Die erste Halbzeit gestern war aus deutscher Sicht sehr gut; nahe an optimal gespielt. Nicht so spektakulär wie vor einem Jahr in Dortmund, aber das mußte man aufgrund der Ausgangslage (siehe oben) ja auch nicht. Mittelfeld und Defensive standen sehr kompakt und nach vorne wurde immer wieder mit gezielten Nadelstichen (und durchaus ansehnlichen Kombinationen) für Gefahr gesorgt. Ich kann mich aus HZ 1 an eine Szene erinnern, wo ich mich über die Abwehr aufgeregt habe, als die Russen mit 3 Mann + Ball in Richtung Adler unterwegs waren (und zum Glück zu blöd waren, den Ball quer zu legen). Ansonsten wüßte ich nicht, was es an HZ 1 auszusetzen gäbe.
In der zweiten HZ haben die Russen den Druck stark erhöht und konnten etliche gefährliche Situationen kreieren. Naja, die sind halt kein Fallobst. Ich hätte mir bis zur 70. Minute gewünscht, dass die Deutschen mehr Entlastungsangriffe gefahren hätten und selber mehr für Gefahr sorgen wie in HZ 1. Das gab es leider nur noch sporadisch, wie bspw. beim Lattentreffer von Özil. Darüber kann man meinetwegen reden, das macht aus dem Spiel aber noch lange kein schlechtes. Ab der gelb-roten (kein Vorwurf an Boateng, der musste den nehmen) war klar, dass es eine Abwehrschlacht wird. Und so war es auch. Seh ich immer noch keinen Ansatz für erhebliche Vorwürfe an die Mannschaft gestern. Am Ende 1:0 gewonnen und alles richtig gemacht. Ich hasse es, dieses Totschlagargument zu bringen, aber datt is datt what fußball is all about und wer's nicht verstanden hat, ist beim Synchronschwimmen (Haltungsnoten und so...) besser aufgehoben.
Und um auf das letzte "Argument", Deutschland habe nur Glück gehabt, auch noch kurz einzugehen: Deutschland hatte Glück, dass es den Elfer gegen Friedrich in der 87. oder so nicht gab. Das war die einzige krasse Fehlentscheidung pro Deutschland; manche tun hier so, als hätte die Mannschaft pro Spiel drei oder vier solcher Situationen und könnte anders gar nicht. Hätte es den Elfer gegeben, hätte es schlimmstenfalls 1:1 gestanden und die Ausgangslage für Mittwoch wäre immer noch glänzend gewesen. Und wenn man das Fass partout auf- und nicht wieder zumachen will, dann sollte man nicht vergessen, dass andere Schiris die Szene mit Arshavins Wischer durch Ballacks Gesicht auch schon drastischer bewertet haben; und dass in HZ 1 Özil in einer Situation von einem russischen Abwehrspieler in Strafraumnähe mit beiden Händen nach unten gedrückt wurde ("Alles in Ordnug" meinte Rethy, nee ist klar).
Da ich aus anderen Threads weiß, dass Du nicht grundsätzlich ahnungslos bist, was Fußball betrifft, weiß ich, dass Du mir in der oben genannten Argumentation folgen könntest und Dir den Quatsch vom Minimalistenfußball sparen würdest, wenn es um eine Mannschaft ginge, die Dir nicht so verhasst wäre. Und damit wären wir beim Unterschied zwischen uns beiden:
Ich steh der N11 grds. positiv gegenüber, bin aber auch jederzeit bereit einzugestehen, wenn ein Spiel grottig war (bspw. Hinspiel gg. Aserbaidschan).
Du bist der N11 grds. negativ gegenüber eingestellt, würdest aber nie zugeben, wenn sie gut gespielt hat (wie gestern mind. in HZ1).
Insofern sehe ich hier keine Grundlage für eine sinnvolle Diskussion; das, was Du seit gestern in diesem Thread betreibst, hat mit Objektivität nichts zu tun, sondern viel mehr mit trollen; und dementsprechend ist meine erste und zweite Antwort an Dich ausgefallen. Deine Abneigung gegen die N11 bleibt Dir selbstredend völlig unbenommen, es gibt schließlich keinen Zwang, "seine" Nationalmannschaft zu mögen. Es gibt aber genausowenig einen Zwang, dann in einem Thread betreffend diese N11 alle 2 Minuten seinen nervtötenden (und keinesfalls objektiven) Senf dazuzugeben. Ich bspw. mag die Bayern nicht, käme aber nie auf die Idee, mich während eines Spiels in eine Bayern-Fankneipe zu setzen oder einen Bayern-Thread zuzumüllen, wie beschissen ich die finde. Und deswegen sage ich Dir das, was ich seit 1986 als kleiner Steppke bei jedem Turnier den üblichen 30 % Dauernörglern wie Dir mit auf den Weg gebe: "Heul doch!"
Bzw., wenn ich mit meiner Meinung über Deine Meinung über die N11 tatsächlich falsch lag und Du das hier ernst meinst:
...Auch, wenn das der ursprüglich gepriesenen Philosophie widerspricht, konnte man damit mit Ach und Krach gegen Gegner der Riege hinter den ganz Großen noch gewinnen: Portugal, Türkei oder jetzt Russland. Wo Deutschland wirklich steht, das hat das Spiel gegen Spanien aufgezeigt, wo das 1:0 wirklich schmeichelhaft war und Deutschland einen dermaßenen Grottenkick hinlegte, wie man es höchstens von Ribbeck gewohnt sein könnte....
...dann liegt Dein Problem nicht in purer Abneigung, sondern vielmehr in überzogener Erwartungshaltung. Portugal oder Russland kann man nämlich durchaus zur Weltspitze, und nicht nur zur erweiterten, zählen. Spanien dagegen erlebt im Moment das, was man gemeinhin als goldene Generation bezeichnet. Die sind auf jeder Position granatenstark besetzt und funktionieren seit dem Raul-Rauswurf auch als Mannschaft. Die schweben über den Dingen und sind höchstens an einem Super-Tag zu schlagen. Mit allen anderen kann es Deutschland dagegen derzeit durchaus aufnehmen (genauso, wie man natürlich gegen solche Teams auch jederzeit mal verlieren kann).