Es wird zwar nichts nützen, aber ich gebe jetzt nochmal den Märchenonkel und erzähle es erneut ausführlicher, worum es bei Vereinen wie Werder Bremen geht.
Beispiel Ailton: Assauer hat seinerzeit das Gehalt, das Ailton bei Werder verdient hat, schlicht verdoppelt und ihn gedrängt, sofort zu unterschreiben. Natürlich hätte Werder hier höher bieten können, aber wenn man es sachlich betrachtet, war es genau richtig, hier in einen alternden Topstürmer nicht Gelder reinzubuttern, die man niemals wieder erlöst hätte. Damals hat Werder es sogar geschafft, zwischen 2004 und 06/07 die Kaderqualität weiter zu verbessern, gute und sinnvolle Transfers zu tätigen und auf teure Vertragsverlängerungen (Ailton, Ernst, Krstajic) zu verzichten, gleichzeitig wurde sinnvoll investiert, es wurden Spieler teuer verkauft etc. pp.
Wie es bei Klose war, wurde nun dargelegt. Werder stand Ende Februar nach einem 2:0 gegen Dortmund auf dem 1. Tabellenplatz, 12 Punkte vor dem 3. und 15 Punkte vor dem Vierten, spielte sensationell. Nach menschlichem Ermessen konnte der Europapokal und selbst die CL nicht mehr verpasst werden, Werder war auf dem Weg zur Meisterschaft. In dieser Situation wurde dann von allen gesagt, dass Werder investieren könne und müsse und es wurde Klose geholt, der ja damals für Werder wirklich eine ganz neue Dimension war, man darf nicht vergessen, mit welch bescheidenen Mitteln die Meistermannschaft zusammengestellt wurde. Was damals angemahnt wurde vom Aufsichtsrat und von Lemke, war zweierlei: Erstens eine solide Finanzierung und zweitens eine ÜBerschaubarkeit des Risikos.
Nichts davon hat mit Klassenkampfdenken zu tun, sondern das solide Wirtschaften war bei Werder Resultat eines Lernprozesses, der mit der sogenannten "Millionenelf" Anfang der 70er begann. Nachdem der Verein diese teure Mannschaft holte, die nicht zündete, vegetierte er ca. ein Jahrzehnt am Rande der Pleite und am Rande zum Abstieg vor sich hin, bis die Mannschaft schließlich abstieg.
Nun werden einige sagen: "Das war in den 70ern, heute ist das alles nicht mehr zeitgemäß!" Aber das ist falsch. Fast alle Mittelklassevereine, die sich finanziell überdehnt haben, sind auch in den letzten Jahren den Weg der Millionenelf gegangen, sei es Eintracht Frankfurt, ein Spitzenteam der frühen 90er, der 1. FC Köln, der unter Daum Ende der 80er fast Meister geworden wäre, der 1. FC Kaiserslautern, der sogar noch zweimal Meister in den letzten gut 20 Jahren war, Hertha BSC und 1860 München, die vor ca 10 Jahren noch CL spielten, Borussia Mönchengladbach, die mit Effe etc. den Pokal holten und ganz oben mitmischten und viele weitere Verein zahlten für ihr "Risiko", für ihr expansives, investitionsfreudiges "Wirtschaften" mit dem Abstieg, manche sogar mit mehrfachen Abstiegen und der Degradierung zur Fahrstuhltruppe.
Man kann ja nun sagen, dass Willi Lemke ein Selbstdarsteller ist, nicht sonderlich sympathisch und man kann auch sagen, dass er manchmal die Fußballromantik und das Reiben an den Bayern und insbesondere Hoeneß vollkommen übertreibt. Dem stimme ich zu. Ich brauche Willi Lemke auch nicht haben und ich sehe ihm auch nicht am Liebsten zu, ich finde den Erfolg der Bayern nicht verwerflich und mir ist Uli Hoeneß sympathischer. Nur geht es darum gar nicht.
Wichtig ist, dass die Schreihälse, die nicht wissen, was der Unterschied zwischen Cash Flow und GuV ist, Lemke aber, der seit 30 Jahren in einem mittelständischen Unternehmen Manager und Aufsichtsrat ist, vorwerfen, er habe keinerlei Wirtschaftskompetenz, in diesem Verein keinen Einfluss erhalten. Das sind die, die nach den "Männern aus der Wirtschaft", den Stolbergs mit einem l, krakelen - um sich dann, wenn der Verein finanziell immer schlechter darsteht, so zu äußern wie der zeitlos geniale Hertha-Fan auf der Hauptversammlung, der Präsident Gegenbauer die Gretchenfrage stellte: "Sie sind doch ein Mann aus der Wirtschaft. Warum ist immer noch kein Geld da?" Es ist die Mär vom Wirtschaftskapitän, der durch seine "Wirtschaftskompetenz" auf sonderbare Weise Geld erzeugen könne, die in Fußballvereinen heute virulent ist. Rchtig ist vielmehr: Es sind die Leute, die etwas von ihrem speziellen Geschäft verstehen, die Geld machen, z.B. Hoeneß im Fußball oder Gates bzw. Jobs in Computern.
Ein Verein wie Werder ist finanzielle Mittelklasse, er wird immer scheitern, wenn er sich überdehnt. Nachdem die fetten Jahre vorbei waren, weil man auf teure Altstars wie Pizarro, Borowski und Frings gesetzt hat, die im VErgleich zum Gehalt keinen adäquaten Gegenwert mehr hatten. Hinzu kamen teure Fehlinvestitionen und das Problem, dass die immer weiter steigenden Gehaltskosten sowie der Stadionumbau liquide Mittel benötigten, die nun für Transfers nicht zur Verfügung standen. Der Weg, sich von älteren Spielern mit einem gewissen Gehaltsniveau zu verabschieden (Ailton, Krstajic, Ernst) und auf solche zu setzen, die bei Werder besser reinpassen, wurde nicht fortgesetzt. So kam es, dass ohne internationalen Wettbewerb ein schwerer Einbruch kam, der natürlich primär an den hohen Kosten für den Kader und nicht an irgendwelchen Buchungen lag.
Damit Investiotionsfähigkeit gegeben bleibt, muss aber in möglichst jedem Geschäftsjahr, wichtig aber mittelfristig, d.h. über ca. 5 Geschäftsjahre, erstens der Cash Flow zumindest nicht negativ sein und es muss auch möglichst zumindest die schwarze Null stehen - es sei denn Werder findet einen Sugar Daddy wie Hopp oder auch, in kleinerem Maßstab, Clemens Tönnies oder Michael A. Roth. Wenn von außen aber kein Geld zugeschossen wird, muss Werder im Rahmen seiner Möglichkeiten, seines Umsatzes agieren. Das ist Mittelfeld. Und entweder es gelingt, die jungen, talentierten Spieler selbst auszubilden bzw. von Werder zu überzeugen, bevor sie groß sind, entweder es gelingt, auf dem Transfermarkt besonders kluge Dinge zu machen - oder aber wir befinden uns auf Augenhöhe mit den anderen Mittelklassevereinen von Frankfurt bis Nürnberg.
Diesem Problem kann Werder nicht durch Investitionen und "Männer aus der Wirtschaft" entkommen, sondern dann läuft man, wie Herr Stolberg, mit dem Tanker Werder früher oder später auf Grund. Darum unterstütze ich auch, und zwar nur auf der inhaltlichen, sachlichen Ebene, die Vereinspolitik, für die Fischer, Lemke und Böhmert seit den 80ern stehen und standen. Risikoavers, sparsam, seriös und auf Sicherheit bedacht, in Kenntnis der finanziellen Möglichkeiten das ausgeben, was man ausgeben kann, aber auch für schlechtere Zeiten vorsorgend, so dass man im Ersntfall auch noch handlungsfähig ist.