Sorry, aber für mich sind das nur Phrasen. KDF wollte schon beim letzten Mal nicht weitermachen und wurde darum gebeten, weil er im Verein eine wichtige rolle als Integrationsfigur inne hat, die keiner sonst ausfüllen kann. Lemke, das sieht man, ist als Kontrolleur profiliert und eigenständig genug, um notwendige Korrekturen anzumahnen. Ob Bode das auch könnte?
Genau das meine ich mit den verkrusteten Strukturen. Es kann nicht angehen, daß das Wohl und Weh eines Großvereins mit rund 40.000 Mitgliedern von einer einzigen Personalie abhängig ist und unter diesen ca. 40.000 ist keiner, der in der Lage ist, diese Aufgabe - für eine Übergangszeit mit KDF in beratender Funktion - übernehmen zu können? Das kann man beim besten Willen nicht glauben. Sicherlich, die Fußstapfen von KDF sind groß, so daß manche sich nicht trauen, in diese zu treten, aber mit jedem weiterem Jahr Amtszeit von KDF werden diese Fußstapfen sicherlich nicht kleiner werden, ganz im Gegenteil.
Dass man von alten Zöpfen und alten Schläuchen überhaupt redet, liegt doch vor allem daran, dass KATS in den letzten Jahren weniger Erfolg hatten. Die haben doch die Arbeit gemacht und nicht Lemke/Fischer. Insofern muss man auch fragen, warum sie plötzlich alte Schläuche oder alte Zöpfe sind, nachdem vorher immer so gefeiert wurde, wie toll Schaaf und Allofs hier arbeiten und wie toll man sie auch arbeiten gelassen hat.
Erfolg und ein guter Whisk(e)y oder Wein haben etwas gemeinsam: sie brauchen Zeit, sprich Kontinuität um das zu werden, was sie sein sollen. Aber irgendwann haben sie ihren Zenit überschritten.
Kontinuität ist ohne Frage eines der elementaren Grundsteine zum Erfolg, zumindest wenn dieser nicht eine Eintagsfliege bleiben soll. Aber Kontinuität birgt auch stets die Gefahr einer gewissen Routine bei der täglichen Arbeit, woraus sich eine unvermeidbare Betriebsblindheit
(bevor hier Einige aufschreien: das ist kein Schimpfwort oder gar eine Beleidigung, sondern ein in der Betriebswirtschaftlehre gängiger Begriff) ergibt. Und dadurch werden irgendwann i.d.R. die erreichten Erfolge eines Tages von der veränderten Gegenwart eingeholt. Oder anders ausgedrückt: der Irrglaube, das was gestern richtig war, kann heute ja nicht verkehrt sein.
Das ist auch der Casus Knacktus bei Werder.Einer der größten Fehler in der Post-Rehhagel-Ära von WL/KDF war, wie es zumindest einer von den beiden Jahre selber mal erörterte, den Trainern so viel Handlungsfreiräume zu gewähren, wie sie Otto Rehhagel hatte. Damit stellte sich durch Kontinuität Erfolg ein, also hieß die Parole "wir machen so weiter wie bisher". Aber irgendwann wurde hatte diese Art der Kontinuität und damit der Erfolg den Zenit überschritten, so daß das Werder-Schiff ab 1995 umher schlingerte und 1999 beinahe in die 2. Liga gekentert wäre. Damals haben WL/KDF und der leider viel zu früh verstorbene Dr. Franz Böhmert ihre Konsequenzen gezogen und sind zurückgetreten.
Ähnlich war es 2011, wo das Werder-Schiff beinahe erneut in den 2. Liga gekentert wäre. Die Ursachen hiefür waren sicherlich andere als 12 Jahre zuvor, aber die Begleitumstände ähneln sich deutlich: KATS haben über viele Jahre sehr erfolgreich gearbeitet, doch die damals im Kleinen offensichtlichen Unzulänglichkeiten wurden nicht behoben, weil man ja Erfolg hatte und daher hieß das Motto "wir machen so weiter wie bisher". Aber dadurch wurden die einst kleinen Unzulänglichkeiten immer größer, die schließlich in dem Beinaheabstieg 2011 endeten. Und WL/KDF? Für sie hieß es (Stand Ende de Saison 2010/11) trotz zweier enttäuschender Buli-Spielzeiten in den letzten 3 Jahren "wir machen so weiter wie bisher". Das Ergebnis ist bekannt: 2011/12 scheitere man nicht nur zum zweiten Mal in Folge an der EL-Quali, sondern die Rückrunde wurde die schlechteste in Werders Vereinsgeschichte.
Gerade jetzt, in einer situation, in der ein neuer Sportdirektor/Vorstand ohne größere Rückendeckung anfangen muss, sind Leute wie Fischer und Lemke, die ihm den Rücken freihalten, sehr wichtig. Abtreten bzw. sich in die zweite Reihe im Aufsichtsrat zurückziehen können sie, wenn der Verein wieder in ruhigeres Gewässer gefahren ist und Leute wie Bode, Baumann, Plaat etc. in die Aufgaben hineingewachsen sind.
Gegen beratende Funktionen der "Altgedienten" ist ja auch nichts einzuwenden, damit die von dir genannten Personen in ihre Aufgaben hineinwachsen. Aber wie heißt es im Englischen so zutreffend? "learning by doing", sprich nur den "Altgedienten" mehr oder weniger auf die Finger zu sehen, ist zwar lehrreich, jedoch vergleichsweise wenig. Aber wer Verantwortung übernehmen soll, der muß auch lernen, so früh wie möglich mit ihr eigenständig umzugehen. Nur dann ist ein Generationswechsel mit möglichst geringem Reibungsverlust realisierbar.
Dafür ist nach der abgeschlossenen Suche nach einem neuen Sportdirektor, dann mit WL/KDF als Berater im Hintergrund, genau der richtige Zeitpunkt. Damit abzuwarten, bis der neue Sportdirektor sich etabliert hat (dessen Rückendeckung bei Amtsantritt ja durchaus größer sein kann, als von dir vermutet/befürchtet) ist sinnlose Flickschusterei. Das erinnert sehr an eine Straße, bei der man Jahr für Jahr die vom Frost verursachten Löcher stopfen muß, weil man sich scheut, die Fahrbahndecke einmal komplett zu sanieren.