Richtig ist auf jeden Fall, vor allem nach einer Führung, als endlich das erlösende 1:0 geschafft wurde, ein Kontertor auf keinen Fall passieren darf. Und Schweinsteiger schleppt sich durch das Turnier, Verletzungspause und mangelnde Fitness ist vermutlich das Problem. In Normalform ist er derjenige, der den nötigen Ausgleich schafft, was Spielverlagerungen und das Mittelfeld geschickt überbrücken angeht. Ist er es, der die Hektik etwas aus dem Spiel nimmt. Das kann ansonsten keiner wie Schweinsteiger. In der jetzigen Verfassung verlangsamt er allerdings das Spiel, wenn es gar nicht nötig ist und wird obendrein zum (teils hohen) Risikofaktor im wichtigen, neuralgischen Raum vor der Abwehr.
Aber sonst? Über was diskutieren wir eigentlich?
Ohne Punktverlust durch die Quali, durch die schwerste Vorrundengruppe ohne Punktverlust ins Viertelfinale. Dann hieß es, der Fussball wäre nicht schön genug gewesen. Jetzt liefert die Mannschaft eine absolute Topleistung, findet vor allem spielerisch ständig Lösungen (was sehr wohl eine starke Aussagekraft hat gegen solch konsequente Fussballzerstörer wie die Griechen) und gerade auch taktisch war die erste Halbzeit gestern prima gespielt. Nun war wieder der Gegner zu schwach.
Alle vier bisherigen Kontrahenten setzten auf massierte Defensive (was bspw. bei der letzten WM bis auf Ghana keiner in der Form tat) und trotzdem hat unser Team immer ein Konzept gefunden. Sich nichtmal vom Ausgleich, der den Spielverlauf total auf den Kopf stellte, verrückt machen lassen. Und wenn sich die Truppe im eigenen Kombinationsfussball ein wenig verirrt, auch weil die Chancen nicht sitzen, dann helfen Brachialaktionen (Lahm, Khedira, Reus). Das ist zum Beispiel auch eine Qualität und ein Zeichen, sowohl von unbedingtem Willen, als auch von Variabilität. Die Mannschaft ist nochmal enorm gereift seit der WM.
Zu Spanien: Zunächst die Italiener, aber speziell die Kroaten haben doch gezeigt, wie die Spanier zu packen sein könnten. Die Räume in den Halbpositionen extrem eng gemacht und dadurch die Effizienz der Anspiele/ Diagonalläufe verhindert. So wurden die entweder gezwungen, noch mehr in die Breite zu spielen oder rannten sich eben in der Mitte fest. Dass dabei die beiden, klar besten Fussballer der Welt, Xavi und Iniesta, trotzdem zwei, drei mal einen Weg finden, ist allerdings nicht zu verhindern. Die Italiener haben es wieder auf eine andere Weise geschafft. Verschoben wie die Teufel, wodurch ihre Ketten Mittelfeld und Abwehr fast denselben Effekt wie die Strategie der Kroaten erreichte das Mürbemachen durch die permanenten Ballbesitzstafetten über viele Spieler zu verhindern.
Trotz alledem zeigten beide Taktiken das Hauptproblem auf es ist einfach nicht über 90 Minuten durchzuhalten, nicht zuletzt wegen der individuellen Qualität vieler spanischer Spieler. Zuerst geht die Konzentration kaputt. Und wenn die Spanier erstmal führen, lassen sie praktisch keine Torchance mehr zu. Dann ziehen sie 3 bis 5 Meter ihre Mittelfeldketten zurück und machen den Abstand zur Abwehr noch enger, wobei dasselbe Ballbesitzspiel weiter geht. Dagegen kommt niemand wirklich an. Das geht nur, wenn es 0:0 steht oder Du gegen sie in Führung gehst.
Denen wäre ein Ausgleich wie gestern mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht passiert, wobei hier der größte Unterschied liegt. Offensiv ist unsere Mannschaft wesentlich variabler, was eine logische Konsequenz aus der extrem organisierten Verteidigungs- über Spieldominanz- Strategie der Spanier ist.
Aber schon Italien als Gegner würde für Deutschland sehr eklig, vermute ich. Das würde ganz schwer werden.