Gut, dann scheinst du was misszuverstehen: Ich würde solche Witze niemals einem Betroffenen ins Gesicht sagen, um Gottes Willen. Darum geht es mir doch, in solch einer Situation, wenn ich nämlich Kontakt mit eben beispielsweise einem Kind aus der Dritten Welt habe, bin ich mir doch bewusst, wie schlecht es diesem Kind geht und dass ich ihm helfen muss. Das bin ich mir auch, wenn ich Witze darüber mache, aber das muss man eben trennen.
Wenn man den Witz nicht lustig findet, ist das für mich völlig nachzuvollziehen, wenn man aber grundsätzlich solche Witze ablehnt, sollte man mal die Relationen überdenken: Ich kurble mit meinen Markenwaren den Kapitalismus und somit die weitere Ausbeutung der Dritten Welt kräftig an und kümmere mich sonst kein bisschen darum, bin aber sofort am Meckern, wenn jemand einen Witz darüber reißt - das gehört sich schließlich nicht.. diese Haltung finde ich erschreckend und weitaus schlimmer als das in dieser Hinsicht Aktiv-Sein und das alles bei ein wenig Abstand auch mal mit Humor zu sehen. Solange es deutlich als Spaß erkennbar ist, sehe ich da nichts Schlimmes dran... Letztens war die Frage im Erdkundeunterricht, was ein Peruaner mit 596g Kartoffeln gemeinsam hat, und ein Freund sagte: "Beide sind braun". Der Erdkundelehrer nannte es "diskriminierend bis rassistisch", als Außenstehender könnte man ihn jetzt auch als braun angehaucht vermuten, dabei sind wir diesen Humor gewohnt. Man muss ihn nicht mögen, aber dann sollte man die Leute zufrieden lassen, die darüber lachen können und im Gegensatz zu den ganzen Nörglern sich auch dafür einsetzen, dass diese Leute irgendwann mal mit den gleichen Standards wie wir sie haben leben können.
Ich finde, man kann jeder Situation etwas Komisches abgewinnen, sei es das Dritte Reich, ein Amoklauf oder der Tod allgemein. Dass man Betroffene mit diesen Witzen nicht konfrontrieren sollte, versteht sich doch von selbst.