Mein Brief (wusste nicht, dass es so viel Text wird; aber es gab ja auch einiges zu sagen^^):
Sehr geehrte WELT-Online-Redaktion, sehr geehrter Herr Winterfeldt,
ich schreibe wegen des besagten Kommentars von Herrn Winterfeldt, der am 22.Mai bei welt.de erschienen ist. Vorab gesagt: ich habe nichts gegen sachliche (!) Kritik! Aber Herr Winterfeldt offenbart mehrfach, dass ihn offensichtlich ganz andere, wenig hochwertige Motive treiben.
Das fängt zunächst bei dem gewählten Zeitpunkt an: ausgerechnet jetzt, nachdem Werder das große Endspiel verloren hat, ausgerechnet jetzt, wo Werder am Boden liegt, kommt Herr Winterfeldt mit seiner Schmähkritik hervor. Wir sind uns sicher einig, dass der Kommentar im Falle eines gewonnenen Endspiels mit 100%iger Sicherheit NICHT zu diesem Zeitpunkt erschienen wäre. Es ist ziemlich offensichtlich, dass Herr Winterfeldt gerade nur auf einen solchen Moment gewartet hat, um der Einfachheit halber ein "verwundbares" Werder zu treffen. Bereits dieses Vorgehen zeugt nicht von Größe, um es freundlich zu formulieren; um es offen zu formulieren: es ist armselig.
Was den Inhalt des Kommentars betrifft:
Zunächst wird über die Hälfte des Textes pauschal behauptet, wie unsympathisch Werder nun doch sei. Da hier noch nichts an "Inhalt", an "Argumenten" zu finden ist, gibt es hier auch nichts zu widerlegen. Allerdings ist schon hier bezeichnend, als wie selbstverständlich und unbestritten der Autor die behauptete Unbeliebtheit Werders darstellt.
Hat der Leser jene noch unsubstanziierten Behauptungen hinter sich gebracht, bietet Herr Winterfeldt schließlich noch ein paar Argumente für seine Thesen an; zunächst der Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung in den Spielen beim 1. FC Köln (welcher zu jenem Zeitpunkt ohnehin schon recht abgesichert gegen den Abstieg war) und gegen den KSC.
Nun, der Autor ist Sportredakteur und wird die Bundesliga zumindest seit Saisonbeginn verfolgt haben; dann sollte er zur Kenntnis genommen haben, dass Werder Bremen in dieser Saison nicht weniger als jedes dritte Spiel verloren hat (bei weiteren neun Remisen) und dass während der gesamten Saison (!) Punkte gegen vermeintlich kleine Gegner gelassen wurden. Wieso sollen nun ausgerechnet diese beiden Spiele pauschal Wettbewerbsverzerrung sein, wenn die Mannschaft genau so schwach spielt, wie schon so oft zuvor während der gesamten Saison? Dies müssten Sie bitte erklären, Herr Winterfeldt! Ihre These weiter gesponnen, müsste Werder ja schon -äußerst weitsichtig- zu Saisonbeginn die Liga abgeschrieben haben, um sich nur mehr auf die Pokalwettbewerbe zu konzentrieren!?
Sie begründen die These damit, dass hier einsatzbereite Spieler geschont wurden (wobei Sie die Gelbsperre eines Torsten Frings vorsichtshalber gar nicht erwähnt haben) und berufen sich darauf, dass Diego andernorts beim Fußball spielen gesichtet worden sei. Mit Verlaub... selbst wenn man diesen Gerüchten Glauben schenken will: wollen Sie als Sportjournalist ernsthaft vertreten, man könne eine kleine Bolzerei unter Freunden mit einem Profifußballspiel über 90 Minuten vergleichen? Das können Sie nicht ernsthaft vertreten und deshalb erwähnen Sie diesen Aspekt auch gar nicht, sondern geben sich dankbar mit der auf den ersten Blick hübsch-skandalösen Schlagzeile zufrieden; und leider geben Sie nur dies an Ihre Leser weiter!
Liebe WELT-Redaktion, DAS ist mit Sicherheit kein seriöser Journalismus!?
An dieser Stelle wird erstmals offenkundig, dass es dem Autoren nicht um sachliche Kritik geht, sondern um Stimmungsmache! Derlei Polemik hätte ich von (anderen?) HSV-Anhängern in der Nordkurve erwartet, oder bestenfalls noch von der Zeitung mit den großen Buchstaben; nicht aber von einer Zeitung, die in Anspruch nimmt, Qualitätsjournalismus zu bieten.
Die besagte wahre Intention des Autors wird jedoch im Weiteren noch deutlicher. Da wird dankbar nichts ausgelassen, was in irgendeiner Weise gegen Werder ins Feld geführt werden könnte; angefangen bei der lange zurück liegenden Geschichte um Ivan Klasnic und der Rolle der Vereinsärzte was in der Tat tragisch war; jedoch braucht sich die Vereinsführung mit dem Umgang in dieser Angelegenheit keine Vorwürfe zu machen.
Warum erwähnt der Autor nicht, dass Werder Bremen Herrn Klasnic ein Angebot auf Vertragsverlängerung gemacht hat, zu einem Zeitpunkt als es noch ganz unklar und düster um dessen Zukunft aussah? War diese Information zu verwirrend für die Leser, die doch bitte Werder als unsympathisch entlarven sollten? Diese Information durfte nicht an den Leser gegeben werden, wenn der Artikel tendenziös sein sollte sie MUSSTE aber genannt werden, wenn der Artikel sachlich, objektiv und seriös hätte sein wollen!
(Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass mir besonders zu diesem Punkt eine Stellungnahme von der Redaktion wünsche; vielen Dank.)
Das gleiche Motiv findet sich auch in den letzten Zeilen:
nicht erwähnt wird das unschöne Detail, dass Tim Wiese über Megaphon lediglich nachgebrüllt hat, was man ihm vorsagte ( wobei die abfällige Äußerung über den HSV natürlich gleichwohl nicht legitimiert). ...ebenfalls wird nicht erwähnt, dass Tim Wiese selbst sein Bedauern hierüber geäußert und sich entschuldigt hat.
Der größte und peinlichste Offenbarungseid findet sich ebenfalls hier, bezüglich Tim Wiese:
nicht nur, dass ein flacher Torschuss aus ganzen 8 (acht!) Metern Entfernung von einem freistehenden Spieler als haltbar dargestellt wird, ist ein Witz! Jeder andere Torhüter der Welt hätte den Ball nicht einmal mehr berührt; - dass Wiese ihn demgegenüber fast noch am Pfosten vorbei gelenkt hätte, soll ihm nun zum Vorwurf gemacht werden!?
Dies halte ich für ziemlich offensichtlich, aber selbst wenn Sie dies als bloße Meinungsäußerung zum Thema Fußball, über welche man typischerweise end- und ergebnislos streiten könne, abtun wollen am folgenden sehe ich beim besten Willen keine andere Deutungsmöglichkeit:
Herr Winterfeldt macht sich auch noch über die gebräunte Haut von dem Nationaltorhüter lustig! Wie offensichtlich kann Polemik, kann Unsachlichkeit werden?
Wissen Sie, ich finde den Sonnenbank-Lifestyle auch nicht unbedingt sympathisch. Aber ich bin mir bewusst, dass ich auch nur eine Meinung, einen Geschmack von vielen habe, und dieser nicht schon allein deswegen besser ist als der von einem anderen Menschen.
Und mit Verlaub.. Tim Wiese hat gerade in den vergangenen Wochen ÜBERRAGEND gehalten, insbesondere gegen den offensichtlichen Lieblingsverein des Herrn Winterfeldt. Auf solche sportliche Leistungen sollte sich ein Qualitätsblatt berufen wenn Herr Winterfeldt sich mehr für das Privatleben der Stars interessiert, dann sollte er vielleicht zur Bunten oder zu Bravo-Sport (falls es die noch gibt) gehen; deren weibliche Leserschaft im Alter von 8 bis 14 wird sicher daran interessiert sein, wie oft Herr Wiese in seiner Freizeit auf die Sonnenbank geht.
Fazit:
ich denke, es ist mehr als deutlich geworden, dass der besagte Artikel von Herrn Winterfeldt beileibe keine objektive, seriöse Kritik darstellt (was legitim gewesen wäre), sondern nur tendenziöse, unsachliche Stimmungsmache ist und sich liest, als habe sich ein gekränkter, frustrierter HSV-Anhänger den Frust von der Seele geschrieben. (Treffer?)
Dieses Niveau sollte kaum dasjenige sein, welches die WELT für sich in Anspruch nimmt.
Ich würde mich über eine Antwort freuen, in der Sie mir entweder zustimmen oder mit möglichst guter Begründung darlegen, warum Sie es nicht tun.
(Die Ausrede Herr Winterfeldt spiegelt nicht die Meinung der gesamten Redaktion wider will ich nicht gelten lassen; schließlich hat die WELT ihm das Forum gegeben und muss es nun auch gegen sich gelten lassen.)
Mit freundlichen Grüßen,
...
Wenn ich auch im Prinzip der Ansicht bin, daß diese lächerliche Artikel soviel Aufmerksamkeit gar nicht verdient: Haste gut geschrieben, bin gespannt, ob und welche Antwort Du bekommst.
Aber ich bin mal gespannt ob du ne Antwort bekommst.
Aber Gegenhetze, bzw. wenn sich alle jetzt furchtbar darüber aufregen, würde es wirken lassen, als ob wir am wunden Punkt getroffen sind. Das war jetzt nicht auf deine Mail bezogen, in der du ja wie bereits gesagt sehr sachlich argumentierend auftrittst, sondern das war eher auf die allgemeinen Reaktionen auf den Artikel bezogen