@Nicole

Das habe ich auch nie verstanden - und verstehe es bis heute nicht. Denn das Problem besteht ja immer noch, es wird nur mittlerweile viel seltener darüber berichtet. Genauso wenig verstehe ich, dass Flüchtlinge, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben und eine dauerhafte Anstellung bekommen könnten und diese Chance wahrnehmen wollen, immer noch abgeschoben werden können. Freunde von mir haben sich in so einem Fall bis einschließlich Petition beim Landtag engagiert, bis es mit der Aufenthaltserlaubnis endlich geklappt hat - übrigens für jemanden, der in der Pflege arbeitet (war da nicht was, mit ist gesucht und so weiter..?). Da fällt mir wirklich nichts zu ein außer der hier....Menschen, die sich in der kurzen Zeit gute Sprachkenntnisse erarbeiteten und arbeitswillig waren, durften nicht arbeiten, weil die aus Afghanistan oder dem Irak kamen. Es hat lange gedauert, bis man da was erreichen konnte. Unsere Bürokratie ist fürchterlich. Und überall dort, wo man eigentlich was erreichen konnte, wurden Steine in den Weg gelegt. Selbst bei Jobzusage wurde ein Umzug nicht erlaubt.

Das verstehe ich zu einem gewissen Grad tatsächlich, auch wenn es auf den ersten Blick komisch aussieht. Es dürfte daran liegen, dass das Niveau eines Hauptschul- oder einfachen Realschulabschlusses oft so mies ist, dass das auszubildende Unternehmen damit die Hoffnung hegt, dass die Azubis wenigstens einigermaßen fehlerfrei schreiben können bzw. wenigstens die Grundrechenarten beherrschen. Der Chef einer Tischlerei in meinem Heimatort, die weit überwiegend komplexe Aufträge für Inneneinrichtungen nach Maß übernimmt (z. B. für Luxuswohnungen oder auch Yachten) hat es jedes Jahr schwerer, geeignete Auszubildende zu finden, die auch nur im Ansatz rechnen können. Und bei allem handwerklichen Geschick - und Interesse - gehört das eben auch dazu....Dann wird Schülern der Weg in einigen Bereichen zu schwer gemacht. Warum braucht es einen erweiterten Realschulabschluss für einen handwerklichen Beruf (Friseur, Elektronik, Mechanik usw)? So stand es zumindest in vielen Stellenausschreibungen, die ich gelesen habe.


Ähnliches berichtet eine Studienfreundin von mir, die an der Uni, an der wir waren, seit unserem Abschluss unterrichtet. Sinngemäß ist ihre Aussage, dass sie, wenn sie das Niveau ansetzen würde, das von uns seinerzeit erwartet wurde, einen erheblichen Anteil an Studierenden hätte, die abgehängt wären.