Das sehe ich anders. Mit diesem Kader hätte man niemals bis zu 94. Minute am 34. Spieltag zittern müssen. Ein gesicherter Mittelfeldplatz wäre ohne weiteres möglich gewesen. Die Tatsache, dass man es schaffte in 39 Pflichtspielen in dieser Saison gerade einmal in vier (4!) Spielen kein Gegentor zu bekommen ist erschreckend. Ohne einen in der Form ansteigenden und zuletzt herausragenden Wiedwald hätten wir am Sonnabend ganz schnell mit 0:2 in Rückstand gelegen. Das sollte man bei allem Lob nicht ausklammer. Die entscheidenden Schwachstellen sind nicht im Ansatz durch das Trainerteam behoben worden. Wir haben die zweitschlechteste Defensive der Bundesliga. Nur die Stuttgarter sind dort schwächer als wir. WIr haben zum Glück mehr Buden gemacht, was am Ende zu den entscheidendem Mehr an punkten führte. Selbst 96 hat weniger Buden kassiert als wir.
Das kann man anders sehen. Man kann von einer Mannschaft sprechen, die zusammengerückt ist als es drauf ankam. Dann muss man die Frage stellen wieso die gleiche Mannschaft unter dem gleichen Trainer durch wiederholte Nichtleistungen glänzte? Mann muss in diesem Zusammenhang darüber sprechen, dass man sich einen Psychologen in das wohl von Spielern initiierte Kurztrainingslager vor dem Stuttgartspiel holte.
Man kann und muss darüber sprechen, dass diese Mannschaft am Ende konditionelle Kraftakte darbot, aber man muss auch darüber sprechen, dass der Fitnesszustand gerade in der Hinrunde zum Teil erbärmlich war.
Man kann und muss über Positives wie Negatives sprechen. Ich habe im Ansatz nicht mal alles aufgezählt, was mir negativ aufgefallen ist in den letzten 1,5 Jahre oder eben positiv. Am Ende würde bei mir das eindeutig negative überwiegen. Und im Ergebnis sehe ich über diese 1,5 Jahre keine positive Entwicklung. Letztendlich sehe ich, dass wir 1,5 Jahre auf der Stelle getreten sind. In einigen Punkten mag man sogar Rückschritte erkennen, in anderen leichte Fortschritte. Unterm Strich hat sich Werder sportlich nicht weiterentwickelt.
Man kann natürlich die Spannung des Abstiegskampfes lieben- Ich tue es nicht. Die Emotionen sind da, natürlich. Am Ende sind sie auch positiv, da man dem GAU nochmal entkommen ist. Aber für mich ist das nicht die Entwicklung, die ich mir für den SV Werder Bremen wünsche. Ich wünsche mir den kontnuirlichen Aufbau einer Mannschaft. Ich möchte erkennen können, dass eine funktionietrende Spielphilosophie gelebt und entwickelt wird. Ich möchte erkennen können, dass man tatsächlich daran arbeitet Spieler immer weiter zu entwickeln. Unter VS war das bislang ein "Rein in die Kartoffeln und dann wieder ein Raus aus den Kartoffeln". Geprägt von panikartigem Aktionismus. Was ich erkennen konnte ist auch, dass VS nicht in der Lage ist ein Spiel zu lesen und entsprechend zu reagieren. Wir haben es in Köln erlebt wie ein Trainer auf die Darbietung seiner Mannschaft reagiert hat und VS dann keine Antwort darauf fand. Er hat vor dem Spiel eine Idee und kann davon nicht mehr weg, da es ihm offensichtlich (noch?) am Verständis hierfür fehlt. In Hamburg hätte er nach 15 Minuten reagieren müssen. Er schaute sich das stoisch an. In Ingolstadt hätte er spätestens zu Halbzeit eine komplett neue Marschroute ausgeben müssen. In Köln hätte er auf Stögers Umstellungen reagieren müssen. Es blieb eigentlich immer aus. In der Mehrzahl der Spiele war unsere Mannschaft dem Gegner in taktischer und spielerischer Hinsicht gnadenlos Unterlegen.
In meinem Beruf sprechen wir ab und an von sog. "free cases". Das sind Fälle, die sich eigentlich ganz ohne das eigene Zutun in Wohlgefallen auflösen. Natürlich hat man auch Fälle, die sich dazu negativ Verhalten. Wir hatten so einen "free case" auf Schalke als uns Huntelaar vergaß abzuschießen und wir dies nutzen konnten. Gleichzeitig ließen wir auch mal unglücklich Punkte liegen.
Das ganze ausgegeklammert bleibt für mich unter dem Strich nichts, was mich daran glauben lässt, dass VS jetzt schon so weit ist ein Bundesligateam entsprechend zu coachen und zu entwickeln, so dass es zumindest die Tabellenregionen erreicht, in die es von der Kaderstärke gehört.
Ich erwarte dabei nicht mal irgendwelche Kunststücke, die andere Trainer in der Lage zu vollbringen sind.