Schaaf hat hier länger keinen Erfolg mehr gehabt und seine zu lange Amtszeit lag meiner Ansicht nach wie Mehltau über dem ganzen Verein. Für mich kam der Trainerwechsel zu spät. Als er kam, wurde es nicht besser, weil wir keinen guten Nachfolger gefunden haben. Das Risiko besteht natürlich bei Trainerwechseln immer.
In Skripnik haben wir keinen Heilsbringer oder sowas, alle unsere Probleme bleiben. Ich vermute aber, dass wir mit dieser Saison die Talsohle durchschreiten, sportlich wie finanziell. Die Kader-Altlasten werden weniger, neue Spieler drängen in den Vordergrund, mit einigen Umstrukturierungsmaßnahmen im Verein werden wir wieder handlungsfähiger. Das alles lässt die Zukunft besser aussehen und mit Viktor haben wir einen Mann am Ruder, dem ich es zutraue, die Elf der Zukunft zu basteln.
Zumindest ist es mit Leuten wie Bode, Skripnik, Frings und Vander mal gelungen, hier wieder ein Werder-Gefühl zu erzeugen und das ist für den Verein von unschätzbarem Wert. Wenn die Leute anfangen, mit ihrem Club zu fremdeln, dann gehen auch die Einnahmen irgendwann komplett den Bach runter. Das Marketing beginnt mit den Gesichtern, die das Produkt repräsentieren und da war Dutt ein unfassbar schlechter Repräsentant mit seinen grotesken öffentlichen Auftritten.
Ob das auch sportlich hinhaut mit Skripnik, das kann jetzt noch keiner wissen. Zumindest mal hat er mit 4 Siegen aus 5 Spielen, davon 3 zu null, die Erwartungen übertroffen. Hier herrschte ja bis zu Dutts überfälliger entlassung der tenor vor, dass die Mannschaft viel zu schlecht für die Liga und eine Art sicherer Absteiger sei. Davon redet heute komischerweise niemand mehr. Heute heißt es: Na gut, Skripnik hatte nicht die schwersten Gegner. Allerdings ist Mainz seit Jahren eine gute, heimstarke Mannschaft, aber darauf kommt es nicht an. Denn wäre das richtig, was wir über die Qualität unserer Mannschaft hier lesen mussten, dann hätten wir ja auch ohne Dutt keine oder fast keine Siege einfahren dürfen, schon gar nicht auswärts in Mainz oder gegen eine teurere Truppe wie Stuttgart.
Der Vorteil des Trainerwechsels liegt zunächst einmal darin, dass diese Stimmung endlich verschwunden ist, die ersten träumen schon wieder vom Europapokal. Ist natürlich unsinnig, aber es zeigt doch, wie sehr sich hier etwas an der trübseligen Grundstimmung verändert hat, die wir vor dem Wechsel hatten.
Was die Bewertung des Profitrainers Skripnik angeht, so mag es sein, dass er erstmal einen Bonus hat, weil er unser Viktor ist. Dieser Bonus trägt aber nicht weit. Wenn er die Truppe mal 10 Monate trainiert hat, dann werden hier genau dieselben Fragen gestellt werden: Wo ist die Weiterentwicklung? Wie sieht das Konzept aus? Was ist mit dem Einbau junger Spieler? Spielen wir das, was der Mannschaft entspricht? Was haben die Wunschspieler des Trainers gezeigt? Diese und weitere Fragen muss der Trainer erst noch beantworten und wenn er das nicht hinkriegt, dann nutzt ihm seine Werdervergangenheit nichts. Dann werden wir alle anfangen, an ihm herumzunörgeln.
Was ich aber nicht nachvollziehen kann, ist der Versuch, diesen Aufbruch, den Viktor hier in wenigen Wochen erzielt hat und ebenso die klaren Verbesserungen in Konzept, Taktik und Aufstellung, kleinzureden. Warum sollte man das tun? Wem hilft das? Robin Dutt hilft es nicht, der bleibt entlassen und ziemlich sicher für die Bundesliga verbrannt. Werder Bremen hilft es nicht, weil Vertrauen in Viktor Skripnik ein Pfund ist, mit dem der Verein gegenüber Sponsoren, Fans, Spielern und anderen wuchern kann. Meiner Ansicht nach ist das nur schädlich und lästig und noch dazu vollkommen unbegründet. Wohin uns dieser Neuanfang führt, werden wir schon noch früh genug erfahren.