Hi Folks,
als ich im April 1962 in HB auf die Welt kam, habe ich natürlich noch nicht so schnell begriffen, warum mein Alter vor dem Radio während eines Werder - Auswärtsspiels so rumgebölckt hat. Aber bereits ein Jahr später, als ich die laufenden (schwarzweißen) Bilder halbwegs zuordnen konnte und meine Mam mir bei Heimspielen einigermaßen erklären konnte, warum der Papa, der damals bereits eine Jahreskarte hatte, nicht im Hause war, begann sich etwas in mir festzusetzen, was bis heute Bestand hat.
Auch wenn es noch ungefähr 8 Jahre gedauert hat, bis ich endlich einmal selbst ins Stadion kam, habe ich die Werder - Farben quasi schon mit der Muttermilch aufgesogen. Als ich 9 wurde, sind wir dann nach Leeste gezogen und es dauerte ca. 2 - 3 Jahre, bis sich eine Gemeinschaft gebildet hatte, die sich zu Heimspielen mit Fahrrädern und einer Mofa (jeder wurde abwechselnd gezogen) durch die Leester Marsch aufmachten, die Grün - Weißen gegen den Abstieg zu unterstützen. Damals waren auf der Nordgeraden nur Stehplätze und wir standen quasi Seite an Seite mit den gegnerischen Fans, die damals teilweise eine erheblich größere Agressivität mitbrachten als heute. Da hat es schon öfters mal im wahrsten Sinne des Wortes gebrannt unter dem Dach, vor allem wenn die Fans von RWE anreisten. Auch nach den Spielen wurde nicht gerade zimperlich miteinander umgegangen, das war schon zeitweise nicht mehr schön. Gut, das es diese Dinge heute kaum noch gibt und die Fans ihren teilweise immer noch vorhandenen Hass nicht so ausleben (können?) wie damals.
Trotzdem war auch der Abstiegskampf in den 70ern ein Erlebnis, verstand es Werder doch immer wieder, den Hals aus aus der Schlinge zu ziehen, ähnlich wie später der Vfl Bochum. Als sich meine Eltern trennten, bin ich Ende der 70er meiner Mutter nach Ostwestfalen gefolgt und konnte erst wieder ins Stadion, als ich meinen Führerschein hatte. Nach dem Wiederaufstieg durfte ich dann auch häufig mit dem Wagen meiner Mam die 140 km zum Weserstadion fahren, um meine Lieblinge nicht aus den Augen zu verlieren. Auch zu Auswärtsspielen, vor allem in Bielefeld oder hin und wieder auch mal Schalke, Bochum oder Dortmund trieb es mich, erst recht nach meiner Ausbildung, als ich den eigenen Wagen vor der Tür hatte. Auch zum Europa - Pokal bin ich häufig hochgekommen, da ist mir vor allem noch das Spiel gegen Anderlecht sehr gut in Erinnerung, als Sidka 3 Tore schoss, allerdings eines ins eigene, von Budde gehütete Tor.
Mit 26 Jahren zog es mich dann doch wieder in meine alte Heimat zurück und passend dazu gab es dann auch den zweiten Meister - Titel in der Vereinsgeschichte. Seit dieser Zeit habe ich, bis auf wenige Ausnahmen, auch eine Jahreskarte und freue mich besonders darüber, das es Werder trotz des scheinbar kaum zu verkraftenden Abgangs Otto Rehagels nun doch wieder gelungen ist, ein konkurrenzfähiges Kollektiv zu formen.
Als ich 99 im Berliner Olympia - Stadion den Pokalsieg mitfeiern durfte, obwohl kurz vorher der zweite Abstieg ganz knapp vermieden wurde, ist mir erst so richtig bewusst geworden, dass dieser Verein etwas ganz besonderes ist. In dem Moment liefen da bei mir noch einmal die Bilder der vergangenen mehr als dreissig Jahre mit den vielen Höhen und Tiefen ab und ich war stolz darauf, einiges davon miterlebt haben zu dürfen und konnte mir eine Träne nicht verkneifen.
Auch wenn mir der heutige Hype um Werder nicht immer so gefällt (viele Erfolgsfans, kannte man sonst nur von den Bayern), bin ich doch froh, wie es um unseren "ruhmreichen SVW" bestellt ist.