Den "heute stärksten Kontinentalverband" [117], die UEFA (sie sei heute auch der einflussreichste europäische Dachverband in der Welt des Sports[10]), sollen laut UEFA-Jubiläumsbuch und UEFA-Homepage 30 Verbände gegründet haben.[118] Diese Zahlen differieren. Hier werden vermutlich Albanien und Island mitgerechnet und dazu entweder das damals unabhängige Saarland oder Polen. Heute umfasst die UEFA 52 Mitglieder[119], wobei diese Zahl vor allem durch die Veränderungen in Osteuropa um 1990 stark angestiegen ist. Den ersten Grenzfall, ob ein Verband eindeutig Europa oder einem anderen Kontinent zuzuordnen ist, gab es bereits 1955 mit der Türkei, das, wie in Kapitel 4.2. behandelt, sich sehr bald Europa anschloss.
Doch wie kam es dazu, dass Länder wie Armenien, Georgien und Aserbaidschan, die geographisch gesehen in Vorderasien (südlich des Kaukasus) liegen, ja sogar Israel und Kasachstan, das weit nach Asien hineinreicht, heute zu Fußball-Europa gehören?[120]
In den frühen 90er Jahren soll die UEFA den Willen gehabt haben, die neuen aus der Zersplitterung der ehemaligen UdSSR hervorgegangenen Mitgliedsverbände zu unterstützen. Dies wurde mit der Osteuropa-Hilfstelle (OHS) konkretisiert, die diesen neuen Fußballverbänden finanzielle, technische und organisatorische Hilfe zukommen ließ.[121] Auf diesem Wege konnten Estland, Lettland, Litauen, die Ukraine, Weißrussland, Moldawien sowie die knapp hinter der Grenze zu Europa (der Kaukasus) in Asien gelegenen Länder Armenien, Georgien und Aserbaidschan der UEFA beitreten.[119]
Es stellt sich an diesem Punkt die Frage, woher dieser Wille der UEFA gekommen ist und weshalb man auch diese in Asien gelegenen ehemaligen sowjetischen Teilrepubliken zur Aufnahme in Betracht zog. Möglicherweise ist die Erklärung dafür einfach: Es ist das Bestreben der UEFA, Europa im Gesamten zu erfassen. Und diese drei hinter dem Kaukasus gelegenen Länder mögen eine starke Tendenz zu Europa gezeigt haben. Denn die Staaten Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Kirgisistan wurden dagegen von der UEFA schließlich nicht berücksichtigt. Außerdem könnte die UEFA eine andere Grenzziehung zwischen Europa und Asien verwendet haben.
Die Statuten der UEFA besagen diesbezüglich, dass grundsätzlich nur Verbände europäischer Länder, die von der UNO anerkannt und unabhängig sind, Mitglieder der UEFA werden können. Doch in Ausnahmefällen, und mit dem Einverständnis der FIFA, kann ein Landesverband Mitglied der UEFA werden, der geographisch zu einem anderen Kontinent gehört und nicht Mitglied einer anderen Konföderation ist.[122]
Armenien, Georgien und Aserbaidschan sind nach dem Zerfall der UdSSR der UEFA beigetreten, ohne dem asiatischen Kontinentalverband anzugehören. Doch war in deren Falle eine Zustimmung der FIFA erforderlich?
Anders verhielt es sich im Fall Kasachstan. Das Land wurde 1992 unabhängig, und dies warf die Frage auf, welchem kontinentalen Fußballverband man sich anschließen sollte, denn der Staat Kasachstan liegt sowohl am asiatischen wie auch mit dem westlichsten Teil am europäischen Kontinent!
Der Serie "Verband der Woche" im Jubiläumsteil der UEFA-Homepage (im heurigen Jahr 2004) ist zu entnehmen, dass die überwiegende Mehrheit der Fußballspieler, die von einer Pressekampagne und dem Fernsehen unterstützt wurden, den kasachischen Fußballverband drängten, eine offizielle Einladung der UEFA anzunehmen. Diese Einladung sei an alle 15 ehemaligen sowjetisch kontrollierten Staaten verschickt worden! (Damit auch an die übrigen in Asien gelegenen). Doch die Verantwortlichen hätten sich dagegen entschieden und sich (1994 [123]) der AFC angeschlossen.[124]
Aus dem UEFA-Jubiläumsbuch geht hervor, dass alle ehemaligen Sowjetrepubliken einst Teil des UEFA-Mitglieds UdSSR waren und damit unter "UEFA-Protektorat" gestanden seien.[104] Dies ist eine Antwort auf die oben gestellte Frage, weshalb sich die UEFA dieser in Asien gelegenen Länder angenommen hat.
Als Grund für die Entscheidung Kasachstans, sich der AFC anzuschließen, wird angeführt, dass man "alle Verbindungen nach Moskau kappen" habe wollen, was jedoch die Entwicklung des kasachischen Fußballs zerstört haben soll. Denn die ersten Jahre der Unabhängigkeit Kasachstans wurden geprägt von einer instabilen Finanzsituation und einer großen Wirtschaftskrise. Auch der Fußball musste dadurch harte Zeiten durchmachen. Von daher habe man die Entscheidung für die AFC, in der schwächere Mannschaften als in der UEFA spielen, bald als kurzsichtig erkennen können. Im Jahr 2000 seien 98 Prozent der "Fußballgemeinde" des Landes für den Anschluss an die Europäische Fußballunion gewesen.[124]
Im November 2000 und Jänner 2001 sollen die Präsidenten der FIFA und UEFA dem kasachischen Verband empfohlen haben, die AFC zu verlassen. Dadurch genoss Kasachstan die absolute Entscheidungsfreiheit über einen Konföderationenwechsel. Im Juni 2001 beantragte man dann die Freistellung aus der AFC und im Juli 2001 wurde ein Gesuch um Aufnahme in die UEFA eingereicht. Offizielles UEFA-Mitglied wurde Kasachstan schließlich im April 2002, worauf man bei Ligaspielen "unbeschreiblichen Jubel" erleben habe können.[124]
Hauptargument für die Aufnahme in die UEFA sei gewesen, dass ein Teil des kasachischen Territoriums in Europa liegt.[125]
Aus einem Interview von uefa.com mit dem Kapitän der kasachischen Nationalmannschaft, Samat Smakov, geht ein großer Aufschwung des kasachischen Fußballs in Folge dieses Wechsels hervor. Motivierend wirke die Aussicht, im Europapokal zu spielen. Viele Stadien werden auf Vordermann gebracht, um dem europäischen Standard zu entsprechen. Auch an einem Lizenzierungsprogramm werde gearbeitet. Die Anforderungen der UEFA seien hoch, doch alle Spieler würden diese Entwicklung unterstützen. Denn sie seien es leid, in "heruntergekommenen" Stadien zu spielen. Alles wende sich zum Guten.[126]