Wenn ich dann aber solche Sachen lese:
Auch, wenn diejenigen, die bei der Bewertung von Leistungen lieber Sympathien und Emotionen als Grundlage verwenden, anstatt Tatsachen zu bewerten, es nicht gerne hören, so muss man doch einräumen, dass Wiese in der vergangenen Rückrunde, aber auch Saison deutlich hinter Neuer, Adler, Baumann, Zieler, Weidenfeller und auch Fährmann zurückstand.
frage ich mich, wo das sachlich ist? Das ist deine werte Meinung (@Pan#99) aber sachlich ist das nicht.
Fährmann vor Wiese? Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln!
Adler? Diese Saison oder generell? Er hat diese Saison nichts aber auch gar nichts geleistet, was ihn vor Wiese stehen lassen würde.
Weidenfeller steht nur so gut dar, weil er die besten IVs der Liga vor sich hat, dazu noch zwei AVs der Oberklasse. Ein Weidenfeller ist genau derselbe Typ wie Wiese, fussballerisch hat der niemals mehr drauf, Organisation der Abwehr sehe ich bei ihm auch nicht, also warum soll er ein besserer Keeper sein?
Zum Thema Torhüter und fussballerisches Können:
Woran wird das festgemacht? An Ballannahmen, an Abwürfen?
Wo ist der Unterschied zwischen Wiese und z.B. dem genannten Van der Sar (der spielende Torwart)? Wiese wird mindestens genauso oft vom Verteider angespielt und verteilt den Ball dann weiter.
Kann mir da mal einer erläutern, wo da der großer Unterschied sein soll und warum das so ein KO-Kriterium für einen guten Torhüter sein soll?
Zunächst einmal hat niemand gesagt, dass die fußballerischen Schwächen Wieses ein K.O.-Kriterium sind - weil sie es schlicht und ergreifend nicht sind.
Darüber hinaus ist meine Darstellung, dass einige hier bei Bewertungen Symathien und Emotionen vor tatsächlich erbrachten Leistungen einordnen, durchaus sachlich. Diese Bewertungen sind, wie nicht zuletzt Deine Ausführungen belegen, unter Fans weit verbreitet, steht Fans auch absolut zu und ist in keinster Weise verwerflich, allerdings erschweren sie eine fachliche Diskussion ungemein.
Wie auf jeder anderen Position gibt es eben verschiedene Typen von Torhütern und nicht jeder Torhüter passt zwingend zur Spielweise seine Mannschaft. Ich behaupte, dass ein Tim Wiese bei einem Club wie Kaiserslautern aufgrund dessen Spielanlage mit hoher Wahrscheinlichkeit weit besser aufgehoben wäre, als er es bei Werder ist.
Nicht, weil Kaiserslautern ein Underdog ohne größere Ambitionen ist, sondern, weil Kaiserslauterns Spielweise die Stärken Wieses voll zum Tragen bringt, was man auch an Kevin Trapp beobachten konnte, der ähnlich Weidenfeller ein sehr ähnlicher Typ Torhüter ist, wie Wiese. Bei diesen drei Torhütern kommt die Ehrmann-Schule in Kaiserslautern klar zum Vorschein: Hervorragende Reflexe, überragende Leistungen auf der Linie, große Dynamik.
Werders Spielweise jedoch kommt Wiese (eigentlich schon seit Jahren) nicht wirklich entgegen und macht es schwierig für Wiese, seine Fähigkeiten voll zum Tragen kommen zu lassen. Das ist besonders gut daran zu erkennen, dass Wiese in den Spielen seine besten Leistungen abrief, in denen Werder mit einer (teilweise sehr) defensiven Grundausrichtung ins Spiel ging. Das Rückspiel in der Commerzbank-Arena war da zweifellos das Paradebeispiel, aber auch die einstigen "Endspiele" gegen den HSV und Leverkusen in den jeweiligen Saisonendspurten.
Spielt Werder tief, spielt Wiese gut bis sehr gut und wird ein extremer Faktor. Dieses tiefe Spiel ist allerdings nicht das Spiel des SV Werder - jedenfalls nicht in den weit überwiegenden Spielen.
Und hier passen anderen Torhüter eben weit besser zur Philosophie ihrer Clubs. Unter anderen auch Ralf Fährmann bei der Eintracht. Der Wert Fährmanns für die Eintracht war trotz des Abstiegs in meinen Augen höher einzustufen, als es der Wert Wieses für Werder in dieser Saison war. Dass Wiese unterm Strich dennoch (noch) der bessere Torhüter als Fährmann ist, steht für mich dabei außer Frage - und dennoch ist es in meinen Augen so, dass Fährmann im Ranking der Rückrunde vor Wiese einzustufen ist.
Klingt ein wenig kompliziert, ist aber eigentlich ganz einfach zu verstehen und in keinster Weise ein Angriff auf Wiese. Vielmehr richtet sich die Kritik an die sportliche Leitung, die es (nicht nur im Fall Wiese) versäumte, ein System zu finden, in dem die Stärken des eigenen Personals mehr zum Tragen kommen, als das durch die Schwächen vorhandene Risiko.