Wünsche oder gar Träume sind erlaubt - aber wenn die Ziele zu hoch gesteckt sind, gibt es irgendwann ein böses Erwachen; besonders dann, wenn diese Trauben öffentlich zu hoch gehangen wurden. Ich habe ja schon immer die Ansicht vertreten, daß Werder den wirtschaftlichen Wettbewerbsnachteil nur mit einer gut funktionierenden Nachwuchsförderung zumindest im kleinen Rahmen kompensieren kann, aber jetzt gleich bei der Installation von TS zum TD - alles andere als werderlike - sich so weit aus dem Fenster zu lehnen und gleich von einem führenden Jugedleistungszentrum zu schnacken, ist eine Bodenhaftung verlierende Werder-Familie-Euphorie. Ähnliche Euphorien wurden schon beim Amtsantritt von FB als GF Sport an den Tag gelegt, als er unmittelbar nach seiner Vertragsunterschrift als GF Sport der "lame duck" VS eine VVL in Aussicht stellte bzw. Monate später seinen ehemaligen Mitspieler nach dem peinlichen 0:6-Auftritt in München vor Millionen von TV-Zuschauern als "Bestmöglichen Trainer für Werder Bremen" hochstilisierte Sicherlich, man darf und muß sich ambitionierte Ziele setzen, doch bei Werder hat man oft den Eindruck, daß wein ein Familienmitglied einen verantwortlichen Posten von seinen langjährigen Wegbegleitern einen Posten zugeschustert bekommt, bessere Zeiten ein Automatismus wären.
Möchten das nicht andere Bundesligavereine auch?
Für mich ist das mit den vorhandenen finanziellen Möglichkeiten, sowie den personellen Gegebenheiten in etwa so realistisch wie eine Tabellenführung in der 1. Liga am 34. Spieltag im gleich gesteckten Zeitraum.
Da liegen andere Bundesligavereine schon längst uneinholbar vorn, und das Klüngeln in unserer Vereinsspitze macht dieses Ziel nicht gerade realistischer.
Selbstverständlich. Vor allem muß man sich hierbei vor Augen führen, daß Werder zusammen mit dem VfB Stuttgart schon einmal führend gewesen ist. Diesen Spitzenplatz hat Werder allerdings schon vor Jahren verloren, weil einerseits die Konkurrenz die Zeichen der Zeit erkannte - wenn auch dazu erst der Weckruf der überwiegend enttäuschenden WM/EM um die Jahrzausendwende erforderlich war, so daß der DFB entsprechende Register zog - hier aber nahezu gleichzeitig in den CL-Jahren die Nachwuchsarbeit sträflich vernachlässigt wurde. Einer der "Väter" dieser Nachlässigkeit war TS, weil er es versäumte, in den erfolgreichen Jahren, junge Spieler in die Mannschaft einzubauen.
Es wird ja gerne argumentiert, daß auf einem sportlichen höheren Niveau schwieriger ist, Talente in den Profiikader zu integrieren, was vom Grundsatz her auch richtig ist. Doch wenn man vergleicht, daß in den CL-Jahren unter TS gerade einmal Hunt und Bargfrede zu Profis wurden, während OR hier Talente wie Neubarth, Hermann, Wolter, Ordenewitz, den leider zu oft verletzten Sauer, Eilts oder Bode zu Leistungsträgern und teilweise sogar zu Nationalspielern formte, oder, um in der jüngeren Vergangenheit zu bleiben, wer alles auf sportlich höhem Niveau den Durchbruch in Dortmund oder auf Schalke schaffte, so ist es kein Ding der Unmöglichkeit, Talente in einen international spielenden Bundesligisten einzubauen. Und jetzt soll TS der verantwortliche Strippenzieher für Dinge sein, welche er in den letzten Jahren seiner Trainerpraxis kaum auf die Reihe brachte?
Im Übrigen lässt sich ein führende Jugendarbeit nicht allein dadurch erreichen, indem eine Club-Ikone den Posten des TD gehievt oder in die Infrastruktur investiert wird. Viel wichtiger sind personelle Investitionen in die tägliche Arbeit, sprich in Trainer, die auf die Förderungen von Talenten spezialisiert sind und sich im Idealfall darin auch schon bewährt haben - auch wenn diese mehr Geld kosten als langjährige,Werder-Spieler, die nach dem Ende ihrer aktiven Laufbahn mit einem Posten im Werder-Nachwuchsbereich versorgt werden.