Schaaf selbst
war vor seinem Engagement als Nachwuchstrainer bei Werder tätig und hat damals viele Spieler ans Profiteam herangebracht. Später, als Cheftrainer hat er in seinen ersten Jahren Spieler wie Frings, Dabrowski, Tjikuzu, später Borowski, Walke, Rolfes, Schulle, Valdez, Hunt
auf Profi-Niveau gebracht, anderen jungen, wenn auch verpflichteten Spielern wie Baumann, Pizarro, Özil, Ernst, Manuel Friedrich, Charisteas, den Weg für eine oft erfolgreiche Bundesliga-Karriere geebnet, sie kontinuierlich verbessert. Mitte der 2000er Jahre galt er für viele als der Bundesliga-Trainer, dem das am besten gelang. Dass das zuletzt immer weniger gelang, ist richtig.
Die Betonung liegt auf "war".
Was mich seit langem interessiert, ist die Frage, warum Du selbst Allofs bei dieser Tendenz völlig außen vor lässt? Es ist völlig klar, dass KATS die Strategie gemeinsam entwickelt haben. Für mich ist Allofs mindestens genauso gescheitert wie Schaaf, wenn nicht noch stärker. Von ihm stammen sinngemäße Aussagen, wie: `Wir wollen versuchen, zu zeigen, dass auch ein Verein wie Werder sich dauerhaft (mehrere Jahre) für die CL qualifizieren kann". Wer sagt, dass nicht er, aus übersteigertem Ehrgeiz heraus, die für Werder falschen Entscheidungen getroffen hat, zuviel Geld für mittelmäßige Spieler ausgegeben, zu wenig auf die eigene Jugendarbeit geachtet hat. Zumindest kann man sagen, dass er, sollte mein eben dargestelltes Szenario nicht stimmen, nicht "gegengesteuert" hat. Für mich liegt die Vermutung mehr als nahe, dass es eher Allofs` Ehrgeiz war, dauerhaft oben mitzuspielen als der Schaafs.

Langfristig, ja. Kurzfristig haben wir uns alle an erfolgreichen Werder-Jahren erfreut. Wären die letzten Verpflichtungen nicht fast ausnahmslos gescheitert, hätte der Einbruch nicht so extrem ausfallen müssen.
In der Analyse von Allofs stimme ich Dir zu 100% zu. Allofs hat mindestens zu 50% eine Mitschuld. Seine völlig idiotischen Personalentscheidungen und sein verschwenderische Umgang mit Geld, was am Ende gar nicht vorhanden war, haben den Verein in eine nicht zu unterschätzende gefährliche Situation gebracht. Schaaf hat dieses alles aber mitgetragen und wahrscheinlich konsentiert!
Werder ist nicht der VfB Stuttgart, der nahezu Jahr für Jahr richtig gute Talente in allen Altersgruppen an das Limit herangeführt. Beim VfB werden mittlerweile die Talente von Hoffenheim weggekauft. Oder sie gehen ins Ausland vgl. Gnabry.
Bei Werder hatte und hat man noch Thomas Wolter, der fast jede Saison in den letzten Jahren gescheitert ist und hatte einen Uwe Harttgen, der eigentlich den Übergang von Jungspieler zum Profi katalysieren sollte. Außer seiner Promotion ist da auch nichts herausgesprungen. Nun ist er ja weg. Wolter ist immer noch da. Jetzt fehlt nur noch zu unserem Glück, dass ein Trinks eine ähnliche Entwicklung wie Kruse nimmt. Dann sind endgültig die Lachplatte der Liga?!
Die Entlassung von TS war viel zu spät. In der Saison 2009/10 wurde aus der Mannschaft heraus ein Motivationstrainer (Löhr) verpflichtet, als man ziemlich im Schlammassel war. Das ist eine absolute Bankrotterklärung für jeden Trainer.
Aber nicht in Bremen. Dort wurde das als ein positives Signal aufgefasst. Was soll denn das für ein positives Signal sein, wenn der sportlich Verantwortliche es nicht schafft, die Mannschaft im Existenzkampf zu motivieren??? Und weiter ging die wilde Fahrt in einer rasanten Abwärtsspirale, aber unser John Maynard blieb am Steuer. Das Gedicht von Fontane beschreibt es eigentlich ganz gut, was hier die meisten Foristen von TS gehalten haben und heute noch halten. Daher zum Vergleich:
John Maynard nach Theodor Fontane
John Maynard!
"Wer ist John Maynard?"
"John Maynard war unser Steuermann,
aushielt er, bis er das Ufer gewann,
er hat uns gerettet, er trägt die Kron',
er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard."
Die "Schwalbe" fliegt über den Erie-See,
Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee;
von Detroit fliegt sie nach Buffalo -
die Herzen aber sind frei und froh,
und die Passagiere mit Kindern und Fraun
im Dämmerlicht schon das Ufer schaun,
und plaudernd an John Maynard heran
tritt alles: "Wie weit noch, Steuermann?"
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund:
"Noch dreißig Minuten ... Halbe Stund."
Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei -
da klingt's aus dem Schiffsraum her wie Schrei,
"Feuer!" war es, was da klang,
ein Qualm aus Kajüt und Luke drang,
ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.
Und die Passagiere, bunt gemengt,
am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt,
am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,
am Steuer aber lagert sich´s dicht,
und ein Jammern wird laut: "Wo sind wir? wo?"
Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo. -
Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht,
der Kapitän nach dem Steuer späht,
er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
aber durchs Sprachrohr fragt er an:
"Noch da, John Maynard?"
"Ja,Herr. Ich bin."
"Auf den Strand! In die Brandung!"
"Ich halte drauf hin."
Und das Schiffsvolk jubelt: "Halt aus! Hallo!"
Und noch zehn Minuten bis Buffalo. - -
"Noch da, John Maynard?" Und Antwort schallt's
mit ersterbender Stimme: "Ja, Herr, ich halt's!"
Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,
jagt er die "Schwalbe" mitten hinein.
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Rettung: der Strand von Buffalo!
Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt.
Gerettet alle. Nur einer fehlt!
Alle Glocken gehn; ihre Töne schwell'n
himmelan aus Kirchen und Kapell'n,
ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,
ein Dienst nur, den sie heute hat:
Zehntausend folgen oder mehr,
und kein Aug' im Zuge, das tränenleer.
Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,
mit Blumen schließen sie das Grab,
und mit goldner Schrift in den Marmorstein
schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:
"Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand
hielt er das Steuer fest in der Hand,
er hat uns gerettet, er trägt die Kron,
er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard."