Es gab einfach keine Alternative mehr zum Trainerwechsel. Auch wenn er spät zu kam.
Ob eine Trainerentlassung bzw. ein Trainerwechsel nun "zu früh" oder "zu spät" bzw. "zu Recht" oder "zu Unrecht" vollzogen wird, ist ja nun wirklich eine rein subjektive Bewertung.
Die einen meinen so, die anderen eben anders. Das sind also weder Fakten noch hat man es mit alternativlosen Entscheidungen zu tun. Auch "Beweise" gibt es für keine dieser beiden Grundideen - allenfalls Argumente, die je nach subjektiver Wahrnehmung und Einstellung verschieden gewichtet werden.
Genauso wenig, wie ich es als alternativlos bezeichnen würde, dass man TS im Mai 2013 weiter das uneingeschränkte Vertrauen in Sachen Neuaufbau hätte zusprechen sollen, war die Entlassung und Neuverpflichtung eines anderen Trainers alternativlos.
Ich bin inzwischen der Auffassung, dass die Trainerentlassung der falsche Weg war. Diesen Schluss ziehe ich gerade auch aus der Entwicklung, die ich seither live miterleben durfte. Im Zeitpunkt der Trennung war ich da noch längst nicht so sicher in meiner Einschätzung.
Dass TS - wie es Klaus Dieter Fischer ja öffentlich erklärte - in den Gesprächen über die Saison und die weiteren Perspektiven klar zum Ausdruck gebracht hat, dass er noch die nötige Power habe, das Schiff SV Werder wieder in ruhigeres Gewässer zu steuern bzw. die Umbruchphase weiter zu gestalten und begleiten, war schon ein starkes Zeichen.
Wie man den Ausführungen KDF's entnehmen kann (peinlicher, aber immerhin ehrlicher Weise) waren es die anderen sportlich Verantwortlichen des SV Werder, die eben nicht die Eier in der Hose hatten, ggf. auch mal ein paar schlechte Presseartikel und ein Fragemarathon der Marke: "warum halten Sie weiter an Thomas Schaaf fest? auszuhalten, wenn der Saisonstart nicht ganz so rund laufen sollte (z.B. beginnend mit einem Pokal-Ko.).
Wäre die Saison unter TS exakt so verlaufen, wie sie jetzt unter Dutt verlaufen ist, lungerten die Medien in der Tat beim SV Werder herum und geierten auf eine vorzeitige Trainerentlassung.
Es ist letztlich den glücklichen Anfangserfolgen in Braunschweig und gegen Augsburg zu Beginn der Serie und dem 1:0 gegen Leverkusen direkt vor der Winterpause geschuldet, dass man bei der fußballerischen Magerkost beim SV Werder in den Medien bislang nicht nachhaltiger nachgefragt hat.
Das ist aber in meinen Augen auch der einzige positive Effekt, den die Entlassung/Neuverpflichtung unterm Strich bislang gebracht hat. Die Werder-Verantwortlichen haben sich dadurch tatsächlich ein wenig Ruhe im Umgang mit den Medien erkauft. Sportlich gesehen blieben die erhofften Effekte aber ja leider aus. Daher macht für mich der Aktionismus im Mai 2013 (zwischen dem vorletzten und letzten Saisonspieltag ...) auch aus heutiger Sicht keinen Sinn.
Zumindest eine solch kümmerliche Präsentation der Mannschaft wie in dieser Hinrunde hätte TS allemal hinbekommen. Und wenn das Eichin und Co. (und vielen Foristen hier) dann nicht genügt hätte, dann hätte man sich eben zu Saisonende ganz normal verabschiedet - wo ist das Problem ? Jetzt hat man wieder einen Trainer an der Backe, der einen über die Saison hinaus laufenden Vertrag hat. Da steht diese Option - leider - nicht mehr zur Verfügung. Da muss man sich das Gebotene eben krampfhaft schönreden bzw. die Segnungen für die ferne Zukunft prophezeien.
Die hier zu lesende knackige Ansage: Dutt mag ne Bratwurst sein - das ändert aber trotzdem nichts daran, dass TS gefeuert werden musste. Müssen wir halt den nächsten Trainer testen, bis einer passt ist vielleicht noch am ehesten nachzuvollziehen.
Das ist eine klare und in sich logische Haltung, die zum Ausdruck bringt: Ich sehe zwar (jetzt), dass der Nachfolger leider ebenso wenig auf die Reihe bekommt wie Schaaf zuvor, das kann aber nur bedeuten, dass man dann eben weiter nach einem besser geeigneten Übungsleiter Ausschau halten muss."
Für mich bedeutet das nur eben: Bei dem bislang unter dem Nachfolger Gebotenem hätte man sich das Geld für die Finanzierung zweier Trainerteams auch gut sparen und es ggf. erst nach der Saison mit einem ambitionierten neuen Trainer versuchen können. Da hätte man sich (aus heutiger Sicht betrachtet) nichts vertan.