1.) Es ist in der Tat ein Zeichen von Intelligenz und geistiger Flexibilität, wenn man seine Meinung ändern kann. Nur Bollerköppe machen das nie.
2.) Ich bin nach wie vor der ansicht, dass Schaaf bei Werder grundsätzlich fertig hat und hätte mehr Lust auf etwas neues. Würde ich entscheiden, gäbe es keine einzige weitere Vertragsverlängerung mit diesem Trainer.
3.) Werder Bremen hat sich nach einer katastrophalen Rückrunde dazu entschlossen, mit demselben Trainer und anderen Spielern weiterzumachen. Wenn man das macht, dann muss man es doch so machen, dass man Schaafs Stärken stärkt und betont, dass man eine flexible, unberechenbare und unkontrollierbare Offensive aufzieht, attraktiven Offensivfußball versucht zu spielen und möglichst ca. 17 Spiele zu gewinnen versucht.
4.) Wenn man dies versucht, dann ist für mich das Wichtigste, dass wir Ansätze eines solchen Offensivspiels zu sehen bekommen. Dass dann die Abwehr das eine oder andere Mal schlecht aussehen wird, insbesondere weil die 6er-Position nach wie vor sträflich vernachlässigt wurde, war mir vorher klar. Wenn ich aber weiß, dass morgen der Bus um 8h ausfällt, dann stelle ich mich nicht um 8h an die Bushaltestelle und fluche, sondern dann stelle ich mich darauf ein.
5.) Kritik üben kann man sinnvoll nur mit dem Ziel, dem kritisierten Zustand abzuhelfen. Wenn ich Schaaf kritisiere, dann mit dem Ziel, dass sich mehr Fans der Auffassung anschließen, dass er nicht mehr der richtige Trainer ist, damit er letztendlich abgelöst wird. Nach dem fußballerischen Offenbarungseid der letzten Rückrunde bestand eine allerdings sehr kleine Hoffnung, dass man im Verein dieses Problem erkennt und angeht. Man hat sich nun aber so entschieden, dass man mit Schaaf weitermacht. Das muss man eben hinnehmen. Aber wenn es regnet, dann kritisiere ich nicht das wetter, sondern besorge mir einen Regenschirm.
Ein wie ich finde extrem gutes Posting, das in einfachen und klaren Worten die DINGE beschreibt. So dass man auch sehen kann, wo man Differenzen hat bzw. das man (wir beide) hier teilweise aneinander vorbei geschrieben haben. Insoweit nämlich, das ich hier in den letzten Wochen bei der "Defensive"-Diskussion über den real existierenden Werder-Fußball geschrieben habe und das mit diesem jetzt neu real existierenden Werder-Kader etwas Besseres möglich wäre.
Du hast Dich anstelle dessen mit dem real existierenden Trainer abgefunden (was nunmal eben realistisch ist - bis Ende Mai 2014 wird es wohl so bleiben) und die von mir so verzweifelt kritisierten Dinge als gegeben akzeptiert. Schaaf ist für Dich der ausgefallene Bus, also meckerst Du nicht darüber, das Du durch den Regen laufen musst, sondern tust es.
Ich meckere darüber, das der "VAG-Aufsichtsrat" (also die Werder-Geschäftsführung samt AR) rechtzeitig für einen anderen Bus hätte sorgen können, der nicht ausgefallen wäre.
Beide haben wir Recht und Unrecht zugleich und beide stehen wir im Regen, ich unter dem Dach der Bushaltestelle und Du meinetwegen mit einem Schirm in der Hand. Und im Moment weiß keiner, ob Du zu Fuß eher am Ziel bist oder ob für mich der neue Bus rechtzeitig an der Haltestelle ankommt.
Um im Bild zu bleiben.
Man kann Schaaf bei aller Kritik (ich halte meine aufrecht) allerdings nicht vorwerfen,etwas Dummes oder niveauloses spielen zu lassen. Ich muss zugeben, das ich seit dem Paderborn-Testkick, bei dem ich mich erstmals in dieser Saison sehr intensiv mit dem neuen System befasst habe, bis zum Stuttgart-Spiel gebraucht habe, um das neue System von TS vollständig (wie ich hoffe) zu überblicken und zu kapieren - samt aller Vorteilen, Chancen, Risiken und Nachteile.
Bei mir ist doch einiges an Respekt für TS zurück gekommen - allerdings bleibt die Kritik die Gleiche. Ich glaube einfach nicht, das es keinen besseren Weg gibt und sehe daher den gewählten als zu schwierig, zu risikobehaftet und daher zu wenig erfolgversprechend an.
Schaaf müsste, um die Berechtigung und die Erfolgsaussicht seiner Ideen nachzuweisen, bei deutlich reicheren Vereinen arbeiten, bei denen er so gute individualisten trainieren kann, die in der Lage sind, sein System mit geringerer Fehlerquote und höherer Disziplin dauerhaft zu spielen. Insoweit tut es TS selber gar nicht gut, bei Werder zu versauern. Er sollte vielleicht mal zu Chelsea oder Barca wechseln, damit wir dann sehen können, was seine Systeme bzw. seine Nicht-Systeme eines "organisierten Kreativ-MF-Chaos" zu leisten imstande sind.
Bei der Finanzausstattung von Werder glaube ich nicht, das TS das in Bremen je wird beweisen können und ich glaube auch nicht, dass man die jetzige, junge Werder-Mannschaft so lange zusammen halten und verstärken kann, als das man dann die Früchte dieses Systems bei Werder in Form von Meisterschaften, Pokalsiegen oder Qualis für Achtel- oder evtl. Viertelfinale der CL einfahren kann. Und da will man ja wieder hin, weil man da schon mal war.