Erst mal bringt es nichts - wie Maddin zu Recht anmerkt - Schlussfolgerungen aus Vorbereitungsspielen in dieser Phase ziehen zu wollen, erst recht in Bezug auf einen möglichen Leistungsstand. Ist im Übrigen bis in tiefe Amateurklassen so.
Trotzdem bin ich weiterhin überrascht, dass Du überrascht bist.
Letzte Sommerpause haben viele hier den auf hanebüchene Weise zustande gekommenen 4:3-Testspielsieg in Freiburg gefeiert mit der Hoffnung auf den wiederkehrenden Offensiv-Fussball nach einer Fast-Abstiegssaison. Das Spiel in der Liga ein paar Wochen später sah dann genauso aus. Aber vor und danach hatten wir BL-Begegnungen, die zumindest defensiv als ordentlich (jedenfalls für Werder-Verhältnisse) verbucht werden konnten, dafür fehlte alles andere. Später gab`s wieder Partien, wo Werder versuchte, mehr mit- oder wenigstens einigermaßen klarer nach vorne zu spielen, was einige Gegentore einbrachte und eben ein paar 0:5-Spiele gegen bessere Teams, wo die Rückstände nicht mehr gedreht werden konnten.
Beides hat nicht besonders viel mit "taktischer Schulung", "Grundordnung" oder ähnlichem zu tun. Und solche Beiträge, die das fordern wie Du, könntest Du bis WOL 2.0, etwa Sommerpause 2007, rückverfolgen. Da wird sich nichts ändern. Wir haben nicht die Mittel auf der Bank, diese DINGE in den Griff zu kriegen. Schaaf wird in seinem Trainerleben kein Taktiker mehr werden und die Medienfloskeln von der tollen Arbeit in diesem Bereich gab es immer mal wieder. Bis die übliche Ernüchterung kam, wenn im Verhalten der Mannschaft auf dem Platz wieder mal rein gar nichts davon zu sehen war. Deswegen frage ich Dich noch mal, welche Erwartungen hast Du?
Systemumstellung schön und gut. Im verkappten 4-2-3-1 haben wir zuletzt die höchste Rückrundenpleite (in Stuttgart) kassiert und sind Hinrunde 10/11 teils brutal eingegangen. Gerade solche Systeme erfordern mehr noch als die Raute konsequentes, dynamisches Positionsspiel, klare Zuordnungen in den Mannschaftsteilen und – Basics. Glaubst Du dran? 4-3-3 benötigt ähnliche Voraussetzungen.
Nicht zuletzt muss ein Trainer seine Identität, sein Markenzeichen wahren, denn Trainer, die sich verheddern und plötzlich alles umwerfen wollen, was sie jahrelang anders gemacht, haben keine Zukunft. Dadurch fehlen uns allerdings die nötigen (neuen) Impulse von außen, das Rumdoktern an ein paar Schräubchen, die die Symptome mildern, sind keine. Genau diese Impulse wären aber für den vielzitierten Umbruch extrem wichtig, wenn es denn ein tatsächlicher Umbruch sein soll. System hin oder her.