Ich habe mir dieses pflaumenweiche Interview auf Radio Bremen auch mal angehört. Wenn man daraus überhaupt irgendwelche Schlüsse über die Sichtweise von TS auf die abgelaufene Saison und die Zukunftsperspektive des SVW ziehen kann, dann die:
- TS hält die Hinrunde der Saison 11/12 tatsächlich für eine gute Leistung,
- er glaubt, die gegenwärtige Kritik sei im Wesentlichen eine "emotionale" Reaktion.
Selbst wenn man in Betracht zieht, dass sich der Trainer natürlich (bei Rücksprache mit der Presseabteilung) eine Sprachregelung für alle möglichen naheliegenden Kritikpunkte zurechtlegt, deutet das für mich schon auf ein gewisses Maß an Betriebsblindheit hin.
Wie bereits gesagt wurde, ist nicht ernsthaft zu erwarten, dass TS in einem Interview Selbstbespiegelung betreibt. Was hinter den Kulissen tatsächlich an Analyse und Aufarbeitung passiert, können wir nur spekulieren. Insofern dreht sich die Diskussion hier im Forum auch ständig im Kreis, was die Einsichtsfähigkeit und Flexibilität von TS betrifft, und das seit Wochen.
Mir persönlich scheint es allerdings logisch, dass nach 13 Jahren Dauerstress einfach die Luft fehlt. Da hält man sich an altbewährten Mechanismen fest ("konzentriert arbeiten") und macht Lippenbekenntnisse in Richtung öffentliche Kritik ("kann die Fans verstehen, wir sind ja auch enttäuscht"). Ich fürchte, was hier gestern jemand sagte, dass TS möglicherweise den idealen Absprung verpasst hat, hat eine ziemlich große Plausibilität.
Sehr guter Beitrag. Vor allem auch, weil er nicht einseitig ist.
Da würde ich ihm auch nicht widersprechen.(bezüglich der Behauptung, von TS, die Hinrunde sei eine gute Leistung gewesen)
Nun ja, das ist relativ. "Gut" ist schon okay, wenn man es ins Verhältnis zur davor abgelaufenen Gurken-Saison setzt. Dafür war das Ergebnis mit zeitweilig Platz 2 und zum Schluss immerhin Platz 5 schon fast sehr gut und wohl auch von etlichen Optimisten so nicht erwartet worden.
Allerdings muss man aber auch sehen, das viele Probleme der Vergangenheit nicht bereinigt waren, und das war alles andere als gut. Die Verletztenmisere dauerte an. Die Integration eigentlich guter Spieler stockte weiterhin. Die Abwehrprobleme und die Probleme im eigenen Umkehrspiel dauerten an.
Etliche gute Ergebnisse kamen nicht aufgrund toller eigener Leistungen, sondern bisweilen mit viel Glück und unerwartet deutlichen gegnerischen Schwächen zu Stande. So hätten die Auftaktsiege gegen Lautern und Freiburg mit nur etwas weniger Glück schlimme Pleiten werden können, wenn diese Gegner nicht selbst hochkarätige Chancen versiebt, im Falle Freiburg dazu fast werdermäßige Abwehrfehler gemacht hätten.
Ich möchte nicht wissen, wie die Hinrunde verlaufen wäre, wenn dieses pure Glück am Anfang gefehlt hätte. Am Schluss der Hinrunde gab es dann mit zwei 0:5 Klatschen und dem 1:4 in München wieder solche blutleeren (in München war es bis zum 1:1 noch okay) Spiele, in denen Werder vollständig demontiert wurde.
Spielerisch war es selten überzeugend oder gut, allenfalls mittelprächtig mit dafür unerwartet hoher Punktausbeute, erzielt gegen schwächelnde Konkurrenten.
Es gab auch "Dinge" zu sehen, über die man sich schon Jahre zuvor die Haare ausgerauft hatte. In Hannover lieferte man über weite Strecken ein richtig gutes Spiel ab, machte dann aber wieder so extrem naive Fehler, das Abdellauoe einnetzen konnte wie er wollte und Werder mit viel höherem Aufwand und mehr Klasse trotzdem 3:2 unterlag. Diese Fehler kannte jeder Werderfan bis zum Erbrechen aus mehreren Saisons und man fragte sich, warum das immer wieder gleich so passierte ? War das nun "gut" oder musste man nicht viel mehr wegen der seit Jahren gleich auftretenden Fehler, die zu "einfachen" Gegentoren und Niederlagen führte nicht vielmehr verzweifeln, wenn ein so dermaßen guter Trainer das in vielen vielen Jahren nicht abstellen kann, das so was reihenweise und fast schablonenartig immer wieder passiert ?
Und selbst das 3:0 in der Rückrunde gegen H96 war von viel Glück geprägt, denn als man das 1:0 machte, hätte es eigentlich der 1:3 Anschlusstreffer sein müssen.
Vor allem aber ist eine von der Platzierung her unerwartet gute Hinrunde kaum noch anzuführen, wenn man danach die schlechteste Rückrunde aller Zeiten spielt.
Das man sich am vermeintlich Positiven festhält, das schon länger vorbei ist, aber die Aktualität einer in 48 Jahren nicht vorgekommenen Pleiten-Rückrunde nicht diskutiert, ist nicht akzeptabel.
Und es bestätigt den Eindruck, das man doch "betriebsblind" ist und keine ausreichenden Antworten auf die aktuellen Probleme besitzt. Denn wenn das anders wäre, könnte man
darüber reden und müßte sich nicht an der längst vergangenen Hinrunde der abgelaufenen Saison hoch ziehen.
Als Fan kann man nur abwarten und hoffen. Nach dem 9. Spieltag der Hinrunde dürfte das erste Zwischenfazit zu ziehen sein. Man kann gespannt sein, wie es dann aussieht.