...daß man ein solches Bollwerk am besten mit Angriffen über die Außen knackt, weil man dadurch im Zentrum lücken reißt.
Ein solches Bollwerk knackst Du nicht allein über Aussen, denn wenn Du erst über Aussen spielst, bekommt die gegnerische Deckung Zeit sich zu stellen. Erst recht, wenn das Spiel über Aussen so monoton vorgetragen wird.
Du musst das Spielfeld generell gross machen, geduldig spielen, bis ein oder zwei Spieler doch mal aus dem Zentrum treten (rauslocken), um dann mit diagonalen Pässen und Schnelligkeit auszuhebeln. Diese Gelegenheiten ergeben sich kaum von allein, müssen demzufolge systematisch provoziert und wenn dann doch mal vorhanden, mit Auge und Tempo genutzt werden.
Das hat Werder nicht verstanden, sondern sich die Hertha-Taktik aufzwingen lassen. Es war immer zu eng, weil Werder zu langsam spielte und zu unbeweglich war. Dann kannst Du noch so oft reinflanken, es bringt keinen Platz. Wobei Iggy immer abstoppte und sich den Ball auf den rechten legte, statt zu flanken.
Und genau weil wir in der Favoritenrolle waren, ist das mit dem Findungsprozeß kontraproduktiv. Wenn wir in Dortmund oder München antreten und der favorisierte Gastgeber sich erst noch finden müßte, würde unsere Truppe doch auch schnell merken, daß man hier heute was reißen kann und entsprechend besser agieren, als wenn man von einem offensiven Auftreten zu Beginn einer Partie in die Defensive gedrängt wird. In frühren Jahren haben wir zwar auch Heimspiele verloren, in denen wir den Gegner "an die Wand gedrückt" haben, doch diese Niederlagen wagen nicht in diesem Powerplay begründet, sondern weil man zu blöde war, die spielerische Überlegenheit in Tore umzuwandeln und weil damals wie heute das Umschalten von Angriff auf Abwehr nicht funktionierte.
Entspricht nicht im geringsten meinen Eindrücken und Erfahrung.
Nochmal: was wenn die Torchancen nicht sitzen? Spiele ich genauso weiter? Gerade wenn das Umschalten nicht funktioniert? Genau das hat Werder oft den Kopf gekostet. Oder ändere ich die Strategie im Verlauf?
Beispiel zum ersten Absatz: das offensive Auftreten zu Beginn einer Partie hat Hoffenheim was gebracht (als die Torchancen nicht gleich alle saßen)? Werder hatte Spiel und Gegner spätestens in der 2. HZ im Griff.
Eine kluge Mannschaft, besonders wenn diese individuell überlegen ist, lässt hier und da den Gegner mal austoben (das Risiko eines Gegentores inbegriffen, wobei die relative Wahrscheinlichkeit vergleichsweise gering ist), liest das Spiel und wechselt den Rhytmus, bis sie so die Oberhand gewinnt. Und der Findungsprozeß ist ein Teil davon, sowohl um die Schwächen des Gegners zu erkennen und nutzen, als auch auf die eigenen Schwächen an diesem Tag reagieren und die Stärken ausspielen zu können.
Aber teilweise sind die Berliner einfach nur Stumpf auf unseren ballführenden Abwehrspieler draufgerannt und wir waren da indiviuell nicht in der Lage diese Situationen klar und ruhig zu klären und sauber zu spielen.
Und das hat inwiefern mit Konzentration zu Spielbeginn oder danach zu tun?
Das was Du von Iggy erzählst ist ja im Übrigen das, was ich meine, in der Zone wo der Ballverlust vermieden oder der Aufbau nach Ballverlust unterbunden werden muss.