Was ich mich immer noch frage, wenn ich all diese Beiträge lese, die auf diese markante Manko hinweisen:
Wie kann Werder es bewerkstelligen, Vorne Druck aufzubauen indem Pressing gespielt wird, ohne Gefahr zu laufen diese Räume zu bieten?
1. Pressing effektiver. Seit Jahren kesselt Werder die Gegner auf 5m² ein und lässt sie sich trotzdem noch befreien. Das ist eine Sache von viel Übung, wie man ja aus Berichten von Barcelona weiß.
2. Abstände zwischen den Spielern analysieren und genau aufzeigen und Üben, wo Korrekturen anzusetzen sind. Eigentlich sollte das gemacht werden, aber Fortschritte sieht man nur wenige.
3. Einen 6er der ähnlich wie Busquets die Position hält und intelligent die Räume schließt um Bälle zu gewinnen. Haben wir im Ansatz mit Trybull. Problem: Man müsste einen Platz in der Mannschaft für ihn finden wenn er fit ist, gezielt sein Stellungsspiel entwickeln und ihn taktisch die richtigen Anweisungen mitgeben. Dass das passiert bezweifel ich bei Schaaf, er würde ihn eher ermutigen das fröhliche aber hoch riskante flexible Rochieren mitzumachen.
Am sonsten müsste man eben um den eminent wichtigen 6er-Raum zu schließen die naheliegenste Variante in Betracht ziehen: Eine Doppelsechs. Mit eben Trybull und Junuzovic, wobei zweiterer sich am Ball orientierend vorne einschaltet. Vorteil dabei wäre ein Spieler in Ballnähe bei Ballverlust, dessen enorme Umschaltstärke aber durch die defensive Grundposition erhalten bleibt.
Bei uns geht es auf der neuralgischen Position 6er seit Jahren viel zu "körperlos" zu.
Nach Jahren voller Frings und Bargfrede, die mehr mit Körper und weniger mit Verstand spielten ist das nun eine eher seltsame Aussage.
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Ich habe mir das Spiel gerade nochmal genauer angesehen und kann zu meinem Beitrag sowie einigen sehr guten auf den letzten Seiten

tnx: Mick) noch was ergänzen.
Zunächst aber zu den Reaktionen auf u.A. meinen Beitrag, die Werders eigenen Anteil am Sieg verteidigt haben. Natürlich hat sich Werder diesen Sieg selber verdient. Man hat gerade technisch wieder sehr gut gespielt, mit viel Einsatz und nach dem Tor einerseits mit unglaublichem Schwung, andererseits aber tatsächlich auch der nötigen Ruhe. Nur sind solche Leistungen gerade im Bereich der Kombinationen kein Wunder, wenn man auf eine so technisch starke Mannschaft zurückgreifen kann. Das Problem war, dass die Spielanlage mitsamt systematisch- und taktisch bedingten Fehlern sich um kein Bisschen verbessert hat. Aber der Reihe nach:
In der ersten Halbzeit war Gladbach, wie Mick richtig angemerkt hat, sehr gut organisiert. Zwei Viererketten, hoch vorm eigenen Tor, ein Stürmer hilft mit - stark. Praktisch kein durchkommen. Werders Spielaufbau war dabei besonders schlimm. Die Innenverteidiger entweder ohne Anspielstation oder auf der Suche nach einem "besonderen" Pass. Die Bewegungen im Mittelfeld waren nicht unbedingt geeignet, um sich mit genügenden Anspielstationen souverän herausspielen zu können. Die vielen langen Bälle sprechen da eine klare Sprache.
Im weiteren Angriffsspiel konnte man sich wenn überhaut auf den Außen durchspielen, und das auch vor allem dann wenn man die entsprechende Seite überladen hat. Auffällig hier neben den passstarken Offensivspielern: Schmitz. Sehr wichtig als Element.
Defensiv war Werder in dieser Phase etwa mäßig. Das Loch im DM, genauer den Halbräumen
(welches es ja sogar schon zum eigenen SV-Artikel gebracht hat) ist noch da, aber Gladbach hat es ähnlich wie z.B. der HSV seinerzeit nicht ausgenutzt. Zur Gladbacher offensive aber gleich mehr. Auffällig auch, dass z.T. die AVs in diesem Loch helfen mussten und das wiederum die Flügelstürmer zum Einrücken gezwungen hat. Das defensive Stellungsspiel der 3 zentralen im Mittelfeld scheint auf Intuition ausgerichtet und produziert dadurch einige Fehler. Ein spezieller Sechser könnte Abhilfe schaffen, siehe oben. Darüber hinaus konnte man in einigen Situationen wieder das werdertypische Pressing sehen, bei dem v.A. Hunt neben Petersen rückt und zwei Spieler im Mittelfeld blieben. Durch das 4-4-2 der Gladbacher entstand in dieser Zone Ausgeglichenheit und wurde dem entsprechend nicht so sehr bestraft wie z.B. gegen Dortmund.
Der Gladbacher Angriff war wie Mick bereits erwähnte schwach. Die ganze Partie über fehlte ein Überzahlschaffen durch die Sechser während die Außen komplett auf der Strecke blieben, obwohl sich gerade da Räume auftaten. Die Außenverteidiger rückten eher selten zum Doppeln auf, was im nächsten Absatz noch eine Rolle spielen wird. Hätten sie auch nur ein wenig Konsequenter gespielt wäre das Spiel womöglich ganz anders verlaufen.
Der nächste Aspekt ist ja die Manndeckung unserer Flügelspieler auf die Außenverteidiger der Gegner. Dies ist seit der Vorbereitung zu sehen und hätte eigentlich längst mal über Bord geworfen werden müssen. Den Spielern fehlt dadurch nach eigenen Angaben in der Offensive die Kraft und Konter werden dadurch auch nicht leichter. Hat man gestern gesehen: befanden sich die Außen bei Ballgewinn tief in der eigenen Hälfte, musste der Angriff abgebrochen werden, standen sie hoch, führte das z.B. zum 2:0. Dies war gestern aber ein Grund, dass die Spielweise der Gegner Werder entgegenkam, da die AVs von Gladbach grundsätzlich seltener hoch standen. Ich erwarte trotzdem von Schaaf, dass er für diese Problematik eine Lösung findet, die auf u.A. auf Stärkung des Zentrums beruht, damit die Außenverteidiger sich wieder mehr auf ihre Zone konzentrieren können. Ein 4-3-3 mit zwei dichten, statischeren 3er Reihen wäre eine Lösung, oder auch eine Doppelsechs.
Nach dem Tor passierten dann zunächst zwei Dinge: Werder tankte Selbstvertrauen und Leichtigkeit - ein Phänomen welches diese Mannschaft seit der Vorbereitung prägt. Und Gladbach machte hinten unfassbare Fehler. Werder hatte darauf wenig Einfluss. Man presste zwar, aber nicht besonders mehr als zuvor, als der Gegner sich noch leicht befreien konnte. Der Unterschied bestand in der mangelnden Konzentration.
Zudem bot Gladbach zusehend mehr Räume an, da die Stürmer weiter nach vorne gingen und die Abwehr tendenziell eher sogar tiefer wurde. Konzentrationsmängel in der Raumdeckung kamen dazu, genau wie eine grundsätzlich höhere Risikobereitschaft. All diese Faktoren führten dann dazu, dass die langen Bälle Werders, die vorher noch sinn- und erfolglos waren, nun auf einmal auf größere Räume kamen. So wurde das 2:0 von einem langen Ball Mielitz' eingeleitet, der eigentlich mehr Befreiung aus dem Pressing war.
Nach der Pause trat Gladbach dann zunehmend harmloser auf, ohne Biss und mit einer furchtbaren Körpersprache. Werder hingegen nutzte gerade die Räume im eigenen DM und das Spiel ruhig unter Kontrolle zu haben. In diesem Fall spielte wieder der Gegner mit der Taktik in die Karten, da das 4-4-2 in der zentralen Zone ohne Mitarbeit der Stürmer einfach in Unterzahl ist.
Insgesamt war es natürlich eine sehr gute Leistung der Bremer: engagiert, leidenschaftlich und spielstark. Der Sieg in der Höhe verdient. Taktisch einige positive Aspekte: Außenstürmer nicht mehr mit Verbot, die Seitenlinie zu verlassen; Abwehrreihe auch beim Verteidigen in der eigenen Hälfte höher als noch letzte Saison (dadurch mehr Kompaktheit,

Sofatester); Überzahlbilden auf den Flügeln.
Nur die Schwächen bleiben. Die Schwächen, die man seit drei Monaten kristallklar sehen und identifizieren kann: das Loch im DM; Außenstürmer nicht ausbalanciert; Spielaufbau schwach und zu einfach kontrollierbar; Zentrales Mittelfeld zu selten unter Kontrolle, wenn nicht gerade offen ist wie gestern.
Und diese Punkte sehe ich einfach nicht verbessert. Die Mannschaft hat riesiges Potenzial, braucht aber diese taktische Weiterentwicklung um es auch auszuschöpfen. Deswegen bin ich skeptisch wenn Mick schreibt:
nun geht`s darum, die Ordnung in unserem Spiel weiter zu verbessern
Frage an dich selbst, Mick: Du hast ja scheinbar einige Male beim Training zugesehen. Wird an den genannten Punkten gearbeitet?