Theo Zwanziger/DFB vs. Journalist Jens Weinreich

Hey,

habe die Suchfunktion benutzt, aber dazu noch nichts gefunden. Falls das Thema in diesem Bereich falsch ist, bitte dahin verschieben, wo es passt. Ich versuche mich kurz zu halten, damit die Leute nicht verschreckt werden. (Ich sehe aber, es gelingt wohl nicht).

HINWEIS: Das Thema ist sehr lang. Wen das Thema interessiert, aber nicht lesen möchte: Hier ist ein Radio-Beitrag zu der Geschichte -> http://jensweinreich.de/?p=1811

Theo Zwanziger wollte gegen den Sportjounalisten Jens Weinreich eine einstweilige Verfügung erwirken, weil dieser ihn einen "unglaublichen Demagogen" genannt hat. Vor dem Berliner Landgericht und dem Kammergericht ist er damit gescheitert. Anschließend wurde eine Klage in Koblenz in Erwägung gezogen. Zwanziger war dort Richter. Nun startet der DFB, in meinen Augen, eine unglaubliche Kampagne gegen den Journalisten. (Die mich um diese Uhrzeit wach hält, weil ich echt sprachlos bin.)

Die Geschichte dazu ist sehr lang. Wer eine verkürzte Audio-Version (Radio-Beitrag) über die Geschichte haben möchte, findet sie hier. http://jensweinreich.de/?p=1811

Eigenes Nachlesen um den Ablauf zu verstehen, bleibt aber wohl nicht aus.

Auch der Journalist Steffan Niggemeier berichtet darüber. -> http://www.stefan-niggemeier.de/blog/die-luegen-des-dfb/


Was war passiert:

TEIL 1:

Jens Weinreich nennt Zwanziger in der Kommentarfunktion des Blogs "Direkter Freistoß" einen "unglaublichen Demagogen". Ursprung dazu ist Zwanzigers Rede auf einem Kongress des Deutschen Olympischen Sportbundes. Dort hielt er eine Rede zur Kartellamtsentscheidung, zu der Weinreich im Blog Stellung nimmt.

Der DFB fordert daraufhin eine Unterlassungserklärung. Die Seite von Weinreich verweisst daraufhin auf die Definition der Bundeszentrale für politische Bildung: Ein Demagoge sei eine Person , „der es gelingt, über verbale Angriffe Teile oder die Masse der Bevölkerung zu beeinflussen”. Zwanziger hatte extra in den Duden geschaut, was denn dort unter Demagoge steht. Für ihn bedeutet es Volksverhetzer. Fest steht aber auch, dass Demagoe nicht nur eine Defintion hat. Die Meinung Zwanzigers, er sei ein Volksverhetzer genannt worden, ist also keinesfalls sicher.

Das sehen auch das Landgericht Berlin, sowie das Kammergericht. Sie geben Weinreich recht.

(Interessant dabei ist auch, nur als Einschub, folgendes: Bei einer Diskussionsrunde in Gießen warf Zwanziger einem Moderator vor, „demagogische Fragen” zu stellen.):lol::lol:


TEIL 2:

Zwanziger zieht eine Klage vor dem Landgericht Koblenz in Erwägung. Er war dort mehrere Jahre als Richter tätig. Von 1980 bis 1985 war er Verwaltungsrichter am Oberverwaltungsgericht Koblenz und später ebendort Regierungspräsident.

TEIL 3:

Man nimmt doch wieder Abstand von der Idee, eine Klage in Koblenz anzustreben. Stattdessen macht der DFB folgendes:

Der DFB schickt eine E-Mail und stellt den Text auf die HP -> www.dfb.de , in der er erklärt, dass es der DFB nicht hinnehmen kann, dass Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens „grundlos diffamiert werden” – „auch nicht in – mehr oder weniger anonymen – Internetblogs”. Empfängern sind unter anderem diverse Fußball-Verbände, der Leiter der Ulmer Staatsanwaltschaft, das Büro von Grünen-Chefin Claudia Roth und über ein Dutzend Bundestagsabgeordnete.
Dabei ist die Mail lt. Weinreich voll von, ich nenne es mal "zweifelhaften" Inhalten über den Herrgang der Geschichte. Und ich habe hier nur wenig Grund an den Aussagen Weinreichs zu zweifeln. Seine Gründe sind plausibel, die Argumente des DFBs belegt er größtenteils nachvollziehbar.

Selbst die Teile „grundlos diffamiert werden” und „auch nicht in – mehr oder weniger anonymen – Internetblogs” sind schon schlicht weg gelogen. Dass der Blogg nicht anonym ist, sondern von Oliver Fritsch betrieben wird kann man dort gut nachlesen. Auch dass der Kommentar von Weinreich grundlos abgegeben wurde, ist eine Lüge. Der Grund war ja die Rede Zwanziger. Er hat seinen Vorwurf dort gut begründet.


Man findet in der Mail dann noch viel mehr. Ich kann nur jedem empfehlen, auf der Seite Weinreichs nachzulesen, was der DFB behauptet, und was lt. Weinreich wahr ist. Hier stehen alle Aussagen des DFB die zweifelhaft sind. Es sind 18 Stück -> http://jensweinreich.de/?p=1746

Ich beschreibe von der Seite von Weinreich einfach noch einmal ein, zwei Punkte um klar zu machen, wie absurd und dreist das ist. Natürlich kann jetzt aber auch jeder anmerken, dass es nicht objektiv ist, von der Seite von Weinreich zu zitieren. Dem gebe ich Recht, verweise aber einfach auf die Argumente die er liefert - wie er die Aussagen des DFB entkräftet. Sie scheinen mir sehr plausibel zu sein. Entsprechende Anwaltsdokumente kann man auf seiner Page auch nachlesen.
AUCH - hah..ich kann bald nicht mehr vor Lachen und Entrüstung - wird in der Mail von Niersbach z.B. nicht erwähnt, dass Weinreich vor Gericht bereits zwei mal gewonnen hat. Der DFB dreht sich hier seine Argumente zu recht, wie er sie braucht und schickt sie an Personen in "einflussreichen" Position. Weinreich hat durch die Geschichte mittlerweile schon finanzielle Nachteile erlitten.



Hier noch mal Dinge aus der Mail:

1. Weinreich würde weiter Vorwürfe gegen Zwanziger erheben, anstatt sich zu Entschuldigen.
---> Weinreich dazu - Warum sollte er sich entschuldigen? Zwei Gerichtsbeschlüsse sind auf seiner Seite. Und die "Vorwürfe" , sind eine detailgenaue Berichterstattung über den Ablauf auf seiner Internetseite.

2. Mail: Der DFB behauptet auch, dass Weinreich eine Mail eingereicht habe, aus der ein Eingeständnis und eine Entschuldiung hervorgehe.
----> Weinreich dazu: Er hat keine Erklärung abgegeben

3. Mail: Der DFB behauptet, dass die Klage in Koblenz zurück genommen wird, da Weinreich die Bedingungen des DFB innerhalb der gestellten Wiederrufs-Frist erfüllt hat.

---> Weinreich dazu ---> Er hat die Frist verstreichen lassen. Einen Wiederruf gab es nicht. Er hat keine Bedingungen erfüllt.



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Hier noch eine Auflistung der Ereignisse von der Seite von Weinreich.
* Ich habe am 25. Juli und am 27. Juli zwei Kommentare im Blog Direkter Freistoß geschrieben, in dem ich den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger als „unglaublichen Demagogen” bezeichnet habe und dies argumentativ begründete.
* Ich erhielt am 18. August, da befand ich mich bei den Olympischen Spielen in Peking, eine Unterlassungsverpflichtungserklärung des DFB-Anwalts mit einem Ultimatum von weniger als 24 Stunden.
* Ich habe diese Erklärung nicht abgegeben. Wir haben eine Schutzschrift bei Gericht hinterlegt.
* Der DFB ist dann mit seinem Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung am 9. September vor dem Landgericht Berlin gescheitert.
* Auch die Beschwerde wurde am 30. September abgewiesen.
* Schließlich hat das Kammergericht am 10. Oktober den Beschluss des Landgerichts bestätigt.
* Den gesamten Vorgang habe ich am 22. Oktober, nachdem mir der Kammergerichts-Beschluss vorlag, auf meinem Blog transparent dargelegt, mitsamt aller Dokumente.
* Der DFB hat am 11. November ultimativ verlangt, dass ich mich bis 12. November, 10 Uhr, von meinem Kommentar distanziere, weil der DFB in meine Aussagen etwas hinein interpretiert, was ich als absurd betrachte, weil ich es nie gesagt habe. Sollte ich nicht einlenken, droht man mit Klageerhebung vor dem Landgericht Koblenz. In Koblenz war Zwanziger lange Jahre als Richter und Regierungspräsident tätig.
* Wir haben dem DFB-Anwalt am 12. November die Absurdität der Forderungen, die DFB-Präsident ähnlich auch am 6. Oktober in einem Interview mit Oliver Fritsch erhoben hatte, deutlich gemacht.
* Auch diesen Vorgang habe ich, mitsamt der dazugehörigen Dokumente, am 12. November auf meinem Blog öffentlich gemacht.
* Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits zahlreiche Blogs des Themas angenommen, u. a. Stefan Niggemeier, Deutschlands „Journalist des Jahres 2007″. Auch das ist keine „initiierte Kampagne”, es handelt sich hier lediglich um normale kommunikative Abläufe im Internetzeitalter.
 
:lol:So lächerlich, was da abläuft. Zwanziger mit seinem juristischen Gelaber, der soll mal schön leise sein. Es liegt doch auf der Hand, dass der DFB Vereine wie Hoffenheim bevorzugen ,mit Subventionen und wie Weinreich sagt verlogenen Argumentatione und ständig neuen Sonderrechten, nur weil sie in Hoffenheim mit viel Geld und guten jungen Spielern Deutschlands internationale Zukunft sehen.
 
mittlerweile nehmen auch diverse Presseverbände Stellung dazu.

Der Europäische Journalistenverband bezeichnet das alles es ein „schockierenden Beispiel für die Einschüchterung eines Journalisten”

"This is a shocking example of intimidation of a journalist who is raising matters of public concern," said Aidan White, IFJ General Secretary. "It is clear that the administrators of German football are not taking the decisions of the courts seriously and merely want to harass and disrupt proper scrutiny of their affairs."
http://www.ifj.org/en/articles/euro...emn-german-football-bosses-attack-on-reporter

Der Deutsche Journalistenverband sprach laut Kölner Stadtanzeiger erst nur von einer “Privatfehde” (http://www.ksta.de/html/artikel/1226655097442.shtml) und der Präsident des Deutschen Sportjournalistenverbandes gab zunächst garkeine Stellungnahme ab. Mittlerweile gibt es aber auch von diesen Verbänden eine gemeinsame Pressemitteilung. Es fällt auf, dass die Mitteilung weit weniger scharf ist. Aber es wurde ja zuvor ohnehin nur von einer Privatfehde gesprochen.
(Hervorhebungen von mir)
Der Deutsche Journalisten-Verband und der Verband Deutscher Sportjournalisten appellieren gemeinsam an den Deutschen Fußball Bund (DFB), die Auseinandersetzung mit dem Sportjournalisten Jens Weinreich beizulegen. Der DFB hatte am Freitag eine Mitteilung verschickt und als „News“ auf seine Homepage gestellt, in der die angeblich von Weinreich initiierte Kampagne gegen DFB-Chef Theo Zwanziger „auf das Schärfste“ missbilligt wird. Es gehe nicht an, dass der Sportjournalist Weinreich öffentlich so angeprangert werde, betonten DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken und der Präsident des Verbands Deutscher Sportjournalisten, Erich Laaser. Es sei an der Zeit, die Schärfe aus der Auseinandersetzung zu nehmen.
http://www.djv.de/SingleNews.20+M54a9c0a9f7f.0.html
 
Zwanziger will nicht klein geben und den Journalisten Jens Weinreich nun doch verklagen.

Quelle: www.dfb.de

Und ich bin mir sicher: Er wird auch das Hauptsacheverfahren verlieren und sich dort zur Lachnummer machen. Aber wer von Dr. Rainer Koch (der Micoud-Richter) beraten wird, der tut mir schon fast wieder leid. ;)
 
Ich bin sehr gespannt, welchen Grund er findet. Falls es immer noch der Demagoge sein sollte, wäre ich doch sehr überrascht. Hat er ja doch selber jemandem vorgeworfen, demagogische Fragen zu stellen. Dann könnte man ja auch ihn artig verklagen.

Aber ich boykottiere ab nun alles, was direkt mit dem DFB zu tun hat. Kein Länderspiel wird mehr geschaut. Aber wenn mich wer fragt wieso, werde ich artig auf diese Sache verweisen.
 
Ich finde es erstaunlich und erschreckend zugleich, wie dünnhäutig dieser Menschen auf Widerspruch reagiert. Das legt den Schluß nahe, daß sein Rücktritt tatsächliche die beste aller denkbaren Lösungen ist.

GWG Niedersachse
 
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