Stuttgart 21

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Die Verhältnismäßigkeit werden die Gerichte prüfen und es wird irgendwann, höchstwahrscheinlich ein höchstrichterliches, Urteil geben. Und wir Juristen werden uns dann weiter Streiten, ob diese Urteile in Ordnung gehen. Ganz normal in einer Demokratie und in einem Rechtsstaat.

Zur Verhältnismäßigkeit gehört neben der Erforderlichkeit und Angemessenheit, aber auch die Geeignetheit des Mittels. Der Streit wird sich höchstwahrscheinlich im Bereichder Angemessenheit bewegen. Während das "Schüler aus den Bäumen" knallen schon an der Erforderlichkeit scheitern würde.

Die schwere der Verletzungen wird bei der Frage der Angemessenheit sicherlich eine Rolle spielen, da kein krasses Missverhältnis zwischen dem Schaden des Einzelnen und dem Nutzen der Allgmeinheit liegen darf. Das werden sicherlich beide Seiten rauf und runter diskutieren werden. Es gibt da verschiedenen Argumentationsstränge, die man dort verfolgen kann. Wobei eben die Frage des krassen Missverhältnisse erstmal nur eines der Angemessenheit ist und nicht der Erforderlichkeit. Wie gesagt es wird sicherlich höchst spannend die Urteile zu lesen, wenn sie denn einmal vorliegen. Aufgrund der medialen Berichterstattung zu den Vorkommnissen würde es mich nicht einmal verwundern, wenn sich die Richter sehr große Mühe geben und mal wieder richtungsweisende Entscheidungen treffen.

Nur kurz zu Artikel 8: Er schützt natürlich individuelle Rechte. Liegt schon daran, dass eine Verfassungsbeschwerde aufgrund von Grundrechtsverletzung nur dann möglich ist, wenn der Kläger geltend macht in seinen eigenen Rechten verletzt zu sein. Ich kann keine Verfassungsbeschwerde zu Gunsten Dritter einlegen. Und eine Versammlung liegt per Definition ja auch erst dann vor, wenn mindestens zwei Personen den geinsamen Zweck verfolgen durch Reden oder Schweigen auf die öffentliche Meinungsbildung einzuwirken. Habe jetzt keine Lust im Kommentar nachzuschauen, ob es Urteile (höchstwahrscheinlich wird es welche geben) zu der Frage gibt, ob es an dem Verhältnis friedlicher zu gewaltbereiten Demonstranten bemessen werden kann, ob eine Demonstration noch als friedlich gilt.
Die Anwendbarkeit des Art. 8 GG bei dem Demonstrationen, bei denen es zu den Verletzungen gekommen ist, ist allerdings, wie schon ein paar Seiten vorher schrieb, zweifelhaft, da nach dem BVerfG eine Demonstration nicht unter den Schutzbereich fällt, wenn sie den Zweck verfolgt die kritisierte Tätigkeit zu behindern.
Es ist zweifelsohne aus juristischer Sicht eine höchstinteressante Frage und sicher werden sich meine nachfolgenden Kommilitonen mit dieser Frage in Hausarbeiten oder Klausuren damit auseinandersetzen müssen. Meine erste Polizeirechtsklausur befasste sich übrigens mit ähnlichen Fällen.
 
Die Rennbahn mit Randlage

Der Bericht bringt die Gesamtproblematik, die derzeit in der Schichtungsrunde besprochen wird ganz gut auf den Punkt. Mal sehen, wie die Augenringe von Herrn Dr. Kefer dann aussehen werden. Sie werden ja merklich größer. Kein Wunder, wenn man sich anguckt, was er hier als super Projekt zu verkaufen hat.

Er ist wirklich nicht zu beneiden.

*Popcorn*
 
@ Firedangerboy

Nur mal kurz: Da du dich an Artikeln und Reportagen gegen S21 ergözt

Was forderst du gleich noch?

(ach ne das bist du ja noch immer noch schuldig sorry dein Popcornerlbenis gestört zu haben ;-) )
 
Deutschland bricht Staatsvertrag mit der Schweiz!

Die Priorisierung von S 21 war nen Bärendienst.

Noch interessanter ist allerdings, dass die Schweizer Bevölkerung über die Intentionen, die mit dem Protest verbunden sind besser informiert sind, als die deutsche Bevölkerung - Die Presse in Deutschland scheint kein Interesse daran zu haben, mal nachzufragen - worum es überhaupt alles so geht.

Hat jemand von Euch schon ein Interview gelesen oder irgendetwas anderes, wo denjenigen, die diesen Protest ausüben die Möglichkeit gegeben wurde über Ihr Anliegen zu berichten? Nein - die Schweizer schon!

Auch die Berichterstattung über die Schlichtung liest sich in unserem Nachbarland ganz anders. Da wird tituliert: Schlichter kritisiert Entscheidungsprozesse für «Stuttgart 21»

Der Schlichter im Konflikt um «Stuttgart 21», Heiner Geissler, hat die Entscheidungsprozesse für das umstrittenen Bahnbauvorhaben scharf kritisiert. «Staatliche Entscheidungen bei solch gravierenden Projekten ohne Einbindung der Bürger gehören dem vorherigen Jahrhundert an», sagte der frühere CDU-Generalsekretär.

Selbst die TAZ wählte nicht so eindeutige Worte.


@Kamikathe:

Was ich fordere? Mittlerweile würde ich fordern, dass diejenigen, die den Aufsichtsratsvorsitzenden der Bahn eingesetzt haben - Angela Merkel und Peter Ramsauer realisieren, dass es hier um das Ansehen der Deutschen Bahn geht - mit Herrn Utz-Hellmuth Felcht ernsthaftes Gespräch führen und Herrn Dr. Volker Kefer zur Seite springen. Und das nicht durch Aussagen wie in letzter Zeit, sondern durch handeln.
 
Was meine ich mit den Äußerungen?

Damit meine ich die Äußerungen, die zigmillionenfach ohne darüber nachzudenken wiederholt werden, ohne dass es jemanden gibt, der sich wirklich fragt, ob es denn so sein kann:

Da wären zu nennen, Frau Merkel, Frau Gönner, Herr Mehdorn, Herr Mc Allister und viele andere mehr!


Bei der Landtagswahl im März gehe es auch um die Zukunftsfähigkeit des Landes insgesamt, sagte Merkel.
Die Zeit

Gerade Herr David Mc Allister, der den selben Monolog gerade beim Dialog auf Phoenix äußerte.

Der zunehmende Widerstand gegen Großprojekte lasse die Frage aufkommen, „ob Deutschland noch zukunftsfähig“ sei, schrieb Mehdorn in einem Gastbeitrag für das Magazin „Focus“
Abendblatt

Die Zeit

Zuvor sprach der Landesvorsitzende der CDU Baden-Württemberg, Ministerpräsident Stefan Mappus MdL[...]Es gehe um die Zukunftsfähigkeit und Innovationskraft eines erfolgreichen Bundeslandes

Die CDU in Baden Würtembergs Landtag informiert!

Die FDP in Baden-Württemberg hält an ihrer Unterstützung des umstrittenen Bahnprojekts „Stuttgart 21“ fest. „Stuttgart 21“ erhalte die Zukunftsfähigkeit des Landes und sei daher ein zentrales Projekt, so die FDP.Focus


Da kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus, wenn man sich das alles so ansieht.

Wenn man diese Aussagen allerdings mit den prognostizierten Zahlen vergleicht und diese Aussagen eines Faktenchecks unterzieht, ohne der ganzen Kopfgeburt die bedeutungsschwangeren Aspekt zu unterstellen, so kommt man zu folgendem Ergebnis!

Boris Palmers Einwand, dass "die wirtschaftliche Zukunft des Landes unmöglich an einem Projekt hängen kann, das nur 0,5 % Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene und nur 0,2 % Zunahme der wirtschaftlichen Wertschöpfung in Baden-Württemberg bewirkt", konnte Wirtschaftsminister Pfisterer nicht widerlegen. Palmer: "Für solch geringem Nutzen Milliarden auszugeben, ist unverantwortlich"!
Leider kann ich zu diesem Konsens noch keine unabhängige Quelle liefern. Das dauert noch ne halbe Woche, bis das sich die öffentlichen Medien dem Druck der Menschen beugen und sich dieser absolut logischen Quintessenz annehmen werden.

Aber wie läuft denn überhaupt diese Informationspolitik der CDU ab?

Dazu hat die CDU jetzt im Zuge von Stuttgart 21 einen interessanten Einblick gegeben, wie ich finde. Zentral wird die Kommunikationsstrategie ausgearbeitet, via Mail an die Lautsprecher übermittelt und dann läuft die Mund-zu-Mund-Propaganda.

bruchsal.org

Daran kann man sehen, wie schwer es ist, gegen die Meinungsbildenden Strukturen einer etablierten sehr gut vernetzten Partei mit sinnigen Arguementen anzukommen.

Einen Vorteil haben solch gewachsene Strukturen. Man kann auf kurzem Dienstweg Schaden von einem Traditionsunternehmen abwenden, da die Beteiligten die selbe Parteicoleur haben und sich nicht spinnefeind gegenüberstehen, wie folgender Pressemeldung zu entnehmen ist.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Chemiefirma Degussa, Utz-Hellmuth Felcht, wird neuer Aufsichtsrats-Chef der Deutschen Bahn AG. Das erklärte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer [...]

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ramsauer hatten sich zuvor auf Felcht als Nachfolger des scheidenden Chefkontrolleurs Werner Müller verständigt. [...] Ramsauer zuvor ein persönliches Gespräch mit dem 63-jährigen Chemieprofessor Felcht geführt, [...]
FAZ

Aber ob man zu einem solchen Schritt in der Lage ist? Die Zukunftsfähigkeit unseres Landes steht auf dem Spiel!!!!!!


NEIN! Das ist absoluter Nonsens. Der Machtanspruch einer etablierten Partei steht auf dem Spiel und darum geht es auch schon lange nicht mehr um die Sache als solche, sondern darum, wie man seinen in Zement gegossenen Machtverteidigt!

In einem jeden Unternehmen wären nach diesen Präsentationen Köpfe gerollt. Mit absouter Sicherheit. Ohne mit der Wimper zu zucken. Hier gehts aber nicht um das Unternehmen. Hier geht es um diejenigen, die da oben mit dieser absolut schwachsinnigen Äußerung zitiert wurden. Darunter hat unser Land zu leiden!
 
Offener Brief von Rechtsanwälten gegen Stuttgart 21

Wir sehen es aufgrund der Entwicklungen bei der Realisierung des Projekts S 21 als unsere bürgerliche Pflicht an, als Juristen zentralen unzutreffenden Behauptungen, die im Hinblick auf das Projekt S 21 geradezu gebetsmühlenhaft wiederholt werden, öffentlich entgegenzutreten.

So wird immer wieder behauptet, S 21 sei "unumkehrbar", denn

S 21 sei demokratisch in allen zuständigen Gremien, mehrfach und mit großen Mehrheiten legitimiert worden,
ein Ausstieg sei rechtlich nicht möglich,
wenn es doch zu einem Ausstieg käme, sei dieser nur zu exorbitant hohen Kosten möglich,
ein Ausstieg gefährde den Rechtsstaat

Wer nach wie vor auf der Suche nach Antworten zu obigen Punkten ist, der kann sich das Papier der Rechtsanwälte ja mal durchlesen.
 
Auch in der Sache der Atomrechtsnovellen übte Lammert Kritik an der Regierungspolitik. Nur weil er kein grundsätzlicher Gegner der Kernenergie ist, hat er sich bei den Abstimmungen lediglich der Stimme enthalten. Die Verlängerung der Laufzeiten entbehre jeder Plausibilität. Lammert äußerte sich fassungslos, auf welch oberflächliche Weise der Zusammenhang von verlängerten Laufzeiten mit der Förderung alternativer Energien hergestellt worden sei. Nach seiner Kenntnis sind die Laufzeiten nicht sachlich begründet, sondern schlicht ausgehandelt worden. „Das entspricht nicht meinen Anforderungen an ordentliche Gesetzgebungsarbeit.“

FAZ

OT:

Nur, weil das Grünenbashing seitens Feli so inn ist, wollte ich dieses interessante Dokument unserer Zeit mal überliefern. So sieht die parlamentarische Arbeit der Bundesregierung aus. Das die Fragen der Opposition nicht beantwortet wurden sowie ein Vergleich zu den Nazis obendem im Raume schwebt nur am Rande.


Diese Äußerungen korrespondieren mit der Forderung der SPD

Die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles lobte Lammert. „Ich ziehe den Hut vor seiner Überparteilichkeit und seiner Klarheit im Urteil“, sagte sie am Montag in Berlin. Sie kündigte an, das parlamentarische Verfahren im Ältestenrat des Bundestages anzufechten. Frau Nahles sagte, völlig unabhängig von der Frage, ob das Gesetz zustimmungspflichtig sei - was ihre Partei durch das Bundesverfassungsgericht klären lassen will -, könne der Bundespräsident „das Gesetz so nicht unterschreiben“. Der Bundestag müsse womöglich ein weiteres Mal über die Verlängerung der Laufzeiten abstimmen. Der Bundespräsident hat bei der Ausfertigung eines Gesetzes zu prüfen, ob dieses auf verfassungsmäßigem Wege zustande gekommen ist.

FAZ

Keine Ahnung, warum man den Konsens, den unsere Gesellschaft gefunden hatte aufkündigt und die Gesellschaft erneut dazu auffordert, es eskalieren zu lassen.

So leistet man seinem Volk einen Bärendienst und das nicht nur in Bezug auf diese Entscheidung.
 
Zitat: Elemente der direkten Demokratie sind für die Politik unbequem - na und? Die "politische Klasse" muss sich eben um die Zustimmung des eigentlichen Souveräns bemühen: den Bürger.

Wer das gesagt hat, ist kein "linker" Revoluzzer, sondern Burkhard Hirsch (FDP).

http://www.sueddeutsche.de/politik/...rt-das-ende-der-zuschauerdemokratie-1.1017997

Droht dem guten Mann für diesen bürger- und demokratiefreundlichen Artikel jetzt ein Parteiausschlussverfahren?
 
Ein überaus lesenswerter Beitrag von Herrn Hirsch. :tnx: Herr Hirsch pflegt allerdings ähnlich wie Frau Hildegard Hamm-Brücher eher den aufrechten Gang. Er ist kein Jünger Westerwelles, sondern jemand der noch für die eigentlichen Werte der Liberalen steht.
 
:tnx:

Seit dem Hamm-Brücher ausgetreten ist, gehts Wertemäßig mit der FDP bergab. Wofür stehen die denn noch? Im Bereich des Datenschutz und ähnlichen freiheitlichen bürgelichen Rechten laufen Ihnen die Piraten den Rang ab.

Sie haben ja leider nur noch Ihren Lobbyklüngel - TS würde sagen:"Die bieten halt nichts an!" Oder bin ich jetzt schon zu altmodisch?
 
Stuttgart 21: Schwere fachliche Vorwürfe gegen die Deutsche Bahn AG
S-Bahn-Störung in Stuttgart heißt künftig Fahrplanchaos in ganz Deutschland

[...]
„Bei der zweiten Schlichtungsrunde hat die DBAG erneut systematisch versucht, durch Weglassen und Verdrehung von Tatsachen über die wahren bahntechnischen Probleme des Bahnprojekts „Stuttgart 21“ hinwegzutäuschen“, erklärt Oomen. „Wir können zu Einzelpunkten sogar Falschaussagen nachweisen. Diese unzutreffenden Aussagen kamen nicht nur vom Vorstandsvorsitzenden von DB-Netze Dr. Volker Kefer, sondern auch von seinen Fachleuten. Wir sehen damit die fachliche Kompetenz der Führungsebene des Staatsunternehmens schwer diskreditiert.“

[...]
„Dass der Bahnverkehr im Knoten Stuttgart zusammenbricht, wenn der S-Bahn-Tunnel unter der Stadt außer Betrieb gesetzt werden muss, hält die DBAG für ganz normal“, erklärt Oomen. „Solche Störungen ereignen sich durchschnittlich in allen S-Bahn-Netzen ein- bis zweimal im Jahr.
[...]

Das Notfallkonzept, dass die DBAG für Stuttgart vorgestellt hat, sieht vor, dass die Hälfte der S-Bahn-Züge schon weit vor der Stadt enden soll, sodass die Pendler selbst sehen müssen, wie sie zu Fuß in die Innenstadt kommen“, erläutert Oomen. „Die andere Hälfte der Züge soll in den neuen Fernbahnhof fahren und dort die acht Bahnsteiggleise verstopfen, die morgens schon voll mit den Regional- und ICE-Zügen ausgelastet sind. Das heißt: Wenn in Stuttgart morgens der S-Bahn-Tunnel gestört ist, ist den ganzen Tag der ICE-Verkehr bis Berlin, Hamburg, Köln und München gestört. Heute merkt kein einziger ICE-Fahrgast etwas von einer S-Bahn-Störung, weil im Kopfbahnhof Stuttgart genügend Platz für umgeleitete Züge ist. Doch diesen Bahnhof will die DBAG wegreißen und behauptet, das sei Fortschritt.“
[...]
Schwere fachliche Vorwürfe!


:eek::eek::eek::eek::eek::eek:
 
@ Firedangerboy ich hab doch erreicht was ich wollte sprich du hast wieder einen fremden Artikel gepostet ohne selber etwas zum Thema beizutragen ;)

Achja da du mir ja Polemik beim letzen Post vorgeworfen hast: Wem der Anzug passt :p
 
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