Vorweg: Die folgenden Statements beziehen sich fast ausschließlich auf TV-Eindrücke, weil ich in Süddeutschland wohne und das Weser-Stadion zuletzt beim Uefa-Cupspiel gegen Ajax vor ein paar Jahren betreten habe.
Ich habe den Thread in den letzten Tagen mit großer Aufmerksamkeit gelesen, weil ich den Eindruck habe, dass es mit der Stimmung im Stadion nicht weit her ist, gerade WEIL das permanente Getrommel aus der Ost und das damit verbundene reichlich monotone Gesinge einiger weniger Menschen den Rest des Stadions lähmt. Dazu ein paar Anmerkungen:
1. Ein hier häufig angeführter Einwurf seitens der Ultras (und/oder jener, die zu der trommelnden Gesangsmenge gehören) ist der, dass der große Rest im Stadion die Schuld daran trägt, dass sich die Gesänge nicht durchsetzen. Mir scheint aber dabei Form und Inhalt der Gesänge eine relevante Rolle zu spielen. Dazu das hier schon ein paarmal erwähnte Beispiel "Der SVW ist super und außerdem noch klasse..." sowie diverse andere (wenn ich mich recht entsinne, ist da vor ein paar Tagen eine Halbzeit lang der Versuch gestartet worden, zehn neue, tja, Chants kann man das wohl nicht nennen... Lieder einzuführen, meist mit sinnleerem und vor allen Dingen wenig massenkompatiblen Zeilen wie oben angeführt): Wenn ich eine Kurve, tausende Menschen zum Mitsingen animieren möchte, muss das möglichst simpel laufen. Da kann ich nicht erwarten, dass die Menge begeistert in völlig neue Texte zu relativ unbekannten Melodien einstimmt - zumal die Texte m.E. an Qualität einfach zu wünschen übrig lassen.
2. Wenn also von Ultra-Seite stets gefordert wird, die Masse solle doch bitte mitmachen, dann stellt euch doch auch auf die Masse ein. Bedient sie, denn im Anfeuerungsfall ist einfaches Nachsingen schlicht das wünschenswerteteste überhaupt. Folglich nehmt altbekannte Melodien und Rhythmen, macht sie kurz und prägnant (und, für meine Begriffe, macht sie witzig, unterhaltsam), die Menge dankt es.
3. Rhythmen sind schön und gut, man kann eine Menge, in der es brodelt, aber auch kaputttrommeln. Bisweilen kommt mir die Ost vor wie eine Sklavengaleere. Wer sich nicht dem 90-minütigen Dauergetrommel anpasst, hat nichts zu melden. Wer sich anpasst, muss sich eben 90 Minuten lang in einem sehr starren Konzept bewegen. Der Kreativität Einzelner, die mit einer witzigen Idee die Umstehenden animieren könnten, mitzusingen oder zu -schreien, ist durch das Getrommel schon rein akustisch ein Riegel vorgeschoben. Verzichtet doch ab und zu auf den Dave Grohl-Gedächtniswettbewerb und lasst es fließen.
4. Es gab zum Schluss der vergangenen Saison einige schöne Beispiele für plötzlich überragende Stimmung im Stadion: Ich erinnere mich an das Heimspiel gegen den HSV, nach der ganzen Uefa-Cup und Papierkugel-Sache. Da war die Stimmung da, da war die Menge da, es gab ein prägnantes Ereignis und an dem hat sich eine Menge einfach positiver Stimmung entfacht - solche Groß- oder auch Kleinigkeiten können jedes Spiel zum Erlebnis machen, das müssen aber sowohl die Trommler und Dauersänger als auch der schweigende Rest begreifen.
und abschließend
5. Provokationen sind gut und schön, wenn sie intelligent gemacht sind. Eine Provokation muss aber nicht zwingend eine Verunglimpfung oder Beleidigung beinhalten. Ich für meine Begriffe hasse den HSV z.B. nicht, warum sollte ich? Der Verein, seine Anhänger und deren Aktionen sind mir schlichtweg egal. Und vermutlich denkt ein Großteil der schweigenden Menge ähnlich. Will man die aber bewegen, bei der Unterstützung des eigenen Klubs mitzumachen, muss man den eigenen Klub unterstützen und nicht den gegnerischen niedermachen wollen. Da gilt das gleiche Prinzip wie auf dem Platz: Richtet sich der SVW nach den anderen oder gilt, verdammte Hacke nochmal, im Weserstadion das Prinzip: Nur der SVW?!
GWG!
einer der wenigen konstruktiven beiträge hier im forum der auch noch komplett ohne beleidigungen auskommt - ich danke dir!





Ich würde zwar nicht soweit gehen, dass mir der HSV "egal" ist (er steht in meinem Sympathie-Ranking auf einem sicheren Abstiegsplatz