Mittlerweile habe ich es schon aufgegeben, mich über meine große Leidenschaft, den SV Werder Bremen aufzuregen. Selbst die heutige Niederlage hat mich nicht (wie sonst immer) traurig gemacht einfach, weil ich schon vorher damit gerechnet habe. Seit Wochen wird auf Trainer Schaaf rumgehackt, er würde taktisch falsch spielen oder die falschen Leute aufstellen. Schaaf hat in den letzten Wochen alles probiert, defensiver mit Doppel-Sechs gespielt, neue Leute getestet, das Team taktisch anderes ausgerichtet, alles ohne Erfolg. Die Gründe für diese anhaltende Negativ-Serie sind meiner Ansicht nach weder Trainer Schaaf, noch das System oder die Taktik. Der Hauptgrund sind meiner Meinung nach die Spieler und deren Einstellung.
Das Spiel heute gegen Schalke ist das beste Beispiel für meine These: Die erste Halbzeit ist zur Überraschung aller Zuschauer ein einziger Sturmlauf der Grün-Weißen. Schalke ist sichtlich überfordert und kommt in der gesamten ersten Halbzeit zu keiner Torchance. Es spielt nur Werder. Dutzende Torchancen werden herausgespielt, allerdings alle mehr oder wenige kläglich vergeben. Das Problem ist in meinen Augen allerdings nicht, dass man Torchancen vergibt, sondern die Art und Weise wie man sie vergibt. Ein Beispiel von heute: Kevin der Bruyne läuft alleine auf den Schalker Torwart Hildebrand zu. Ein Schalker Abwehrspieler bleibt beharrlich an ihm dran und drängt ihn leicht an den linken Rand des Strafraums ab. Nils Petersen erkennt die Situation, sprintet in die Mitte und steht auf Höhe des Elfmeterpunkts völlig unbewacht in der Mitte frei. Er ruft in Richtung De Bruyne und gestikuliert wild, dass dieser den Ball zu ihm querlegen soll. De Bruyne hebt kurz den Kopf, schaut zu Petersen, legt sich anschließend den Ball auf den linken Fuß vor und schießt ihn drei Meter übers Tor. Dies ist der Zeitpunkt, wo ich vor dem Fernseher durchdrehe. Auch Petersen brüllt wütend in Richtung De Bruyne, der aber demonstrativ wegschaut und tut, als wäre nichts gewesen.
Diese Situation hat sich heute während des Spiels einige Male in abgewandelter Form wiederholt. De Bruyne wird nach jedem Spiel von der Presse in den Himmel gelobt, er sei Werders einziger Lichtblick und hätte die meisten Ball-Kontakte gehabt, etc. Aber was nützt einem so ein eigensinniger Spieler, dem offensichtlich seine Mitspieler und sein Verein völlig egal sind, und der nur daran interessiert ist, sich selbst einem neuen Verein zu empfehlen und das möglichst durch gute Einzelaktionen und Tore? Ähnlich verhält es sich mit Elia und Arnautovic. Zwar waren diese Spieler heute sichtlich bemüht, allerdings steht Elia seit Wochen völlig neben sich. Auch Arnautovic hat im direkten Vergleich mehr Schatten als Licht in seinem Spiel.
Die genannten Spieler bildet das Kernstück von Werders Offensive neben Hunt und Petersen (die auch nicht in bester Form sind, aber wenigstens engagiert und motiviert). Elia, De Bruyne und Arnautovic sehen Werder nur als Durchgangsstation für einen besseren Verein sie sind sogar so dreist und geben das in Interviews offen zu. Frei nach dem Motto: Wir sind zwar nicht bereit, uns den Ups, ich muss meine Wortwahl ändern

für die Mannschaft aufzureißen, aber wenn wir nächste Saison nicht international spielen, verlassen wir den Verein.
Es gibt in der Mannschaft wenige Ausnahmen. Ich persönlich habe nur bei Sokratis, Ignjovski und Petersen in dieser Rückrunde das Gefühl, dass sie sich wirklich für die Mannschaft aufopfern und in jedem Spiel 100% geben. Petersen rennt in jeder Partie, wie ein Blöder das Problem ist, er hängt in der Luft und bekommt sehr wenig Bälle. Statt dessen wird regelmäßig überhastet und teilweise undurchdacht von De Bruyne und co abgeschlossen.
Bleibt zum Schluss noch die Abwehr: Hier kann man schlicht und einfach davon sprechen, dass unsere Defensiv-Abteilung, bzw. die Innenverteidiger nicht das spielerische Niveau haben, was man von einer Bundesliga-Mannschaft erwarten können müsste. Sowohl Prödl, als auch Lukimya sind meiner Ansicht nach nicht Bundesliga-tauglich. Sie wirken langsam und grob-motorisch. Nach einem direkten Ballverlust sind sie nicht in der Lage, schnell in die Rückwärtsbewegung umzuschalten und begehen in jedem Spiel zu viele leichte Fehler. Ich persönlich finde Lukimya eigentlich stärker wer allerdings die drei letzten Werder Gegentore mit Fehlpässen eingeleitet hat, dem fehlen natürlich die Argumente für eine gute Beurteilung.
Zusammengefasst darf ich also festhalten: Werder Bremen ist aktuell keine Mannschaft und schon gar kein Kollektiv sie sind ein Team voller Individualisten, von denen sich jeder so gut wie möglich nach außen hin darstellen will. Und genau deshalb gewinnt man aktuell auch keine Spiele.
Ich als Werder-Fan kann nur hoffen, dass man sich nach der Saison von Elia und Arnautovic trennt (De Bruyne hat seinen Abschied ja bereits verkündet), möglichst hohe Ablösesummen kassiert und diese in junge hungrige Spieler investiert. Dazu den ein oder anderen erfahrenen Veteranen einkaufen, bei dem auch die Einstellung zum Verein stimmt. Ich bin mir sicher, dann werden wir an der Weser auch wieder Erfolge feiern. Jetzt heißt es für Thomas Schaaf und sein Trainerteam also wieder: Klinken putzen und nach sinnvollen Talenten und Verstärkungen Ausschau halten. Und auch wenn einige Schreihälse seinen Kopf fordern, bin ich mir sicher, dass er der beste Mann für diese Aufgabe ist.